Einlass nur gegen Fingerabdrücke und Foto
Damit eilt Deutschland den Vorstellungen von EU-Innen- und Justizkommissar Franco Frattini voraus. Der konservative Italiener hatte in Februar 2008 Grenzkontrollen nach amerikanischem Vorbild in Europa vorgeschlagen. Allerdings will sich Frattini mit der Umsetzung dieser Pläne bis 2015 Zeit lassen.
In Berlin ist man hingegen schneller: Wer ein Visum mit mehr als drei Monaten Aufenthaltsdauer beantragt, von dem sollen schon in diesem Sommer die Abdrücke aller zehn Finger und ein Foto gespeichert werden. Ab dem Jahr 2009 soll dieses Verfahren auch bei der Vergabe von Schengen-Visa bis zu drei Monaten obligatorisch werden. Diese Visa berechtigen zu Einreise und Aufenthalt in allen Schengen-Staaten. "Ab 2011 sollen dann für alle Drittstaaten-Visa solche Daten erforderlich sein", sagte Georg Witschel, Leiter der Rechtsabteilung im Außenministerium, dem Handelsblatt(öffnet im neuen Fenster).
Auf die rund 200 deutschen Vertretungen im Ausland kommt damit mehr Arbeit zu. Vertreter aus der Wirtschaft warnen deshalb, dass die biometrischen Visa die schon jetzt sehr lange Genehmigungsdauer nicht noch weiter verlängern dürfen. Von den neuen Regelungen sind auch Geschäftsreisende betroffen.
Mit den neuen Regeln wollen Innen- und Außenministerium den Missbrauch von Visa unterbinden. So sollen die Fingerabdrücke verhindern, dass eine Person mehrere Visa unter verschiedenen Namen beantragt und diese dann verkauft.
2007 stellten die Auslandsvertretungen 136.000 Visa für Deutschland und 1,9 Millionen für die Schengen-Staaten aus. Dabei lehnen sie im Schnitt jeden zehnten Visumsantrag ab. Allerdings ist die Verteilung nicht gleich: In manchen afrikanischen Ländern werden knapp zwei Drittel (60 Prozent) der Anträge nicht genehmigt.
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