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Computer-Rebell Joseph Weizenbaum ist tot

Computerpionier starb 85-jährig in Berlin

Er war einer der Pioniere der Informatik und wurde später zu einem scharfen Kritiker des unbedachten Umgangs mit Computern. Am 5. März 2008, knapp zwei Monate nach seinem 85. Geburtstag, ist Joseph Weizenbaum an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben.

Artikel veröffentlicht am ,

"Unsere Zivilisation steht heute am Anfang einer schweren geistigen Krise." Mit diesem Satz leitete Joseph Weizenbaum 1972 in der Wochenzeitung "Die Zeit" (PDF, S.62 - 65) seine harsche Kritik am Computer und am Glauben der Gesellschaft an denselben ein. Eine Kritik, die in Sätzen gipfelte wie: "Der meiste Schaden, den der Computer potenziell zur Folge haben könnte, hängt weniger davon ab, was der Computer tatsächlich machen kann oder nicht kann, als vielmehr von den Eigenschaften, die das Publikum dem Computer zuschreibt. Der Nichtfachmann hat überhaupt keine andere Wahl, als dem Computer die Eigenschaften zuzuordnen, die durch die von der Presse verstärkte Propaganda der Computergemeinschaft zu ihm dringen. Daher hat der Informatiker die enorme Verantwortung, in seinen Ansprüchen bescheiden zu sein."

Joseph Weizenbaum (1923 - 2008)
Joseph Weizenbaum (1923 - 2008)
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Dabei gehörte der Autor dieser Kritik selbst zu dieser "Computergemeinschaft", ja war einer ihrer führenden Köpfe: Nach seinem Studium der Mathematik an der Wayne State University in Detroit beschäftigte sich Weizenbaum ab 1950 mit Computern. So arbeitete er in den 50er-Jahren etwa an einem Computersystem für die US-Marine und entwickelte bei General Electric mit am ersten Computersystem für Banken. Mitte der 60er-Jahre war Weizenbaum, der inzwischen an das Massachussets Institute Of Technology (MIT) gewechselt war, am Aufbau des Arpanet, des Vorgängers des Internets beteiligt.

Am MIT schrieb er auch die Software, mit der er weltweit bekannt wurde: ELIZA, ein Programm zur Sprachanalyse. Das Programm simulierte eine Unterhaltung, indem sie eine Aussage eines Gesprächspartners einfach in eine Frage umformulierte. Elizas Nachfolger DOCTOR simulierte den Dialog eines Patienten mit einem Psychologen. Es sei bestürzend gewesen, schrieb Weizenbaum später, "wie schnell und wie intensiv Personen, die sich mit DOCTOR unterhielten, eine emotionale Bindung zum Computer herstellten und wie sie ihm eindeutig menschliche Eigenschaften zuschrieben."

Diese Erfahrung leitete schließlich seinen Sinneswandel ein, den Weizenbaum erstmals in dem genannten "Zeit"-Beitrag andeutete und in seinem 1976 erschienen Standardwerk "Computer Power and Human Reason. From Judgement to Calculation" (deutsch: "Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft", 1977) ausformulierte.

Bis zuletzt wurde Weizenbaum nicht müde, die Technikgläubigkeit zu kritisieren. Zu seinem 85. Geburtstag vor zwei Monaten veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung einen Aufsatz mit dem Titel "Wir gegen die Gier", in dem der streitbare Wissenschaftler der technisierten Gesellschaft noch einmal den Spiegel vorhielt: "Der Glaube, dass Wissenschaft und Technologie die Erde vor den Folgen des Klimawandels bewahren wird, ist irreführend. Nichts wird unsere Kinder und Kindeskinder vor einer irdischen Hölle retten. Es sei denn: Wir organisieren den Widerstand gegen die Gier des globalen Kapitalismus."

Seine wissenschaftlichen Leistungen und sein unermüdliches Engagement - Weizenbaum war in den 80er-Jahren Mitbegründer der Organisationen "Computer Professionals for Social Responsibility" (CPSR) und des "Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung" (FifF) - haben ihm im Laufe der Jahre viele Ehrungen eingebracht, darunter mehrere Ehrendoktorwürden und 2001 das Große Bundesverdienstkreuz.

1996 war Weizenbaum nach 60 Jahren Exil in den USA in seine Heimatstadt Berlin zurückgekehrt, aus der seine Familie 1936 vor den Nazis geflohen war. Am 5. März 2008 ist Joseph Weizenbaum dort an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Die jüdische Gemeinde in Berlin gedenkt seiner am 18. März 2008 (14 Uhr) in einer Trauerfeier.



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Yvonne Egey 06. Mai 2008

Und möge Joseph Weizenbaum auch das Zeitliche gesegnet haben, wollen wir auf das Erblühen...

Dunkeltron 10. Mär 2008

Ganz schön blöde, Weizenbaums Artikel in der Zeit nicht mal einfach mit dem Zeit-Archiv...

F. Meyer 10. Mär 2008

Wissenschaftler und Techniker, die sich ihrer gesellschaftpolitischen Verantwortung...

byti 10. Mär 2008

Der "Kapitalismus" der zb. bei den Ami's üblich ist, ist definitv böse. Sieh dir das...

Surveyor 10. Mär 2008

Keine Sprachanalyse von Audiodaten, sondern nur von eingetippten Wörtern.


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