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Open Source und Nachhaltigkeit

3 Mehr als Umweltschutz: informationelle Nachhaltigkeit

Über den Umweltschutz hinaus hat Nachhaltigkeit im Kontext des Digital Divide noch weitergehende Bedeutung: Software und Informationstechnologie können Mittel sein, nachhaltige Entwicklung zu fördern, indem sie bestimmte Lebens- und Wirtschaftsstile ermöglichen beziehungsweise Fehlentwicklungen verhindern. So bieten moderne Informations- und Kommunikationstechnologien etwa die Möglichkeit des leapfrogging - Entwicklungsländer könnten gewisse Stufen industrieller Entwicklung auslassen und gleich stärker auf den Dienstleistungssektor setzen, was auch der Umwelt zugute käme. Auch in zunächst eher IT-fern wirkenden Branchen wie der Ernährungsindustrie hilft eine gute Informationslage, nachhaltig zu wirtschaften, denn vielfach zerstört die Landwirtschaft in Entwicklungsländern ihre eigene Lebensgrundlage und dies geschieht häufig, weil Bauern nicht hinreichend informiert sind über die ökologischen und ökonomischen Folgen ihres Tuns. In Indien beschäftigt die Regierung daher Berater, die Bauern per Internet und E-Mail wertvolle Tipps für die Feld- und Viehwirtschaft geben (vgl. Steinberger 2006, Grundlagen der Unternehmensethik). Analog dazu sind viele Fälle denkbar, in denen Information und Wissen einen nachhaltigen Umgang in den drei Feldern Wirtschaft, Umwelt, Gesellschaft ermöglichen.

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Dafür müssen Informationen aber auch frei fließen können. Und in dieser Frage gibt es zurzeit große Konflikte zwischen Industrie- und Entwicklungsländern sowie zwischen den westlichen IT- und Medienkonzernen und der globalen Zivilgesellschaft. Grassmuck fordert daher in diesem Zusammenhang eine informationelle Nachhaltigkeit. Er zeigt, dass freie Software und freies Wissen heute durch restriktive Copyright-Regime, Softwarepatente und die kommerziellen Interessen der Rechteverwertungsindustrie enorm beschränkt werden (vgl. Grassmuck 2004, Freie Software zwischen Privat- und Gemeineigentum, Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung 458, S. 162-176). Er lehnt seine Argumentation dabei an die Feststellung des Stanford-Verfassungsrechtlers Lawrence Lessig an, wonach es im Grunde vier Arten gibt, Verhalten zu steuern, nämlich durch soziale Normen, Recht, Märkte und Architektur, wobei Letzteres nicht auf Wohnraumgestaltung anspielt, sondern auf technische Designs, die mehr oder weniger Handlungsspielraum ermöglichen. Beispiele für einen derart verstandenen Architekturbegriff sind etwa der Kopierschutz einer DVD oder die offenen Protokolle des Internets. Nach Lessig (vgl. 1999, Code and other laws of cyberspace, S. 90) kommt es darauf an, wie diese vier Arten der Verhaltenssteuerung zusammenwirken, also auf deren Nettoeffekt.

Heute steht zu befürchten, dass die marktliche, juristische und architektonische Steuerung die Nutzungsmöglichkeiten von Wissen und Kultur immer mehr einzuengen droht, indem die Nutzung und das Kopieren von Kulturgütern zunehmend kriminalisiert und technisch verhindert werden, denn die Architektur eines Informationssystems bestimmt maßgeblich darüber mit, was man mit diesem machen kann und darf. Daher stellt Lessig (1999) fest: Code is law.

Aus Sicht sozialer Normen hingegen ist es in den meisten Gesellschaften beispielsweise erlaubt, Musik oder Lehrbücher zu kopieren. Die Idee, geistiges Eigentum schützen zu müssen, ist ein Phänomen westlich geprägter Aufklärung, während Konzepte à la Copyright in den meisten Entwicklungsländern völlig unbekannt sind. Gerade im Bereich digitaler Informationsgüter ist dies höchst relevant, da praktisch jede Nutzung eines Internetinhalts gleichzeitig dessen Kopie ist, so etwa bei Musik oder Videos. Regierungen, Verbraucherschutz-Verbände, Rechteverwertungsindustrie und NGOs streiten daher zum Beispiel im Rahmen der World Intellectual Property Organisation (WIPO) um die Regulierung solcher Inhalte.

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Typograph 04. Mär 2008

Habt ihr euch einmal das PDF etwas genauer angeschaut? Das ist ja einfach nur gruselig...

blubber-bob 03. Mär 2008

Schön und gut, die Lizenzdebatte wird ja hier und anderswo des öfteren geführt... Aber...


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