Parallels könnte Hypervisor als Open Source freigeben

Hypervisor wird Grundlage für neuen Produkte

Parallels überlegt derzeit, seinen selbstentwickelten Hypervisor als Open Source freizugeben. Dieser wird die Grundlage für den Parallels Server sowie die neuen Desktop-Produkte bilden. Konkrete Pläne allerdings gibt es derzeit zumindest offiziell noch nicht.

Artikel veröffentlicht am , Julius Stiebert

Man überlege derzeit, den Hypervisor als Open Source zu veröffentlichen, sagte Parallels-Chef Serguei Beloussov im Gespräch mit Golem.de auf der VMworld Europe 2008 in Cannes. Konkrete Pläne gebe es zwar noch nicht, man erwäge derzeit aber die Möglichkeiten. Dementsprechend ist auch die Lizenzfrage noch nicht geklärt. Die GNU General Public License (GPL) sei eine Möglichkeit, so Beloussov, dann aber nur in der Version 2. Gegen die GPLv3 hingegen machte Beloussov seine Abneigung deutlich. Diese sei "zu aggressiv", da sie allem um sich herum ebenfalls die GPL aufzwänge.

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Sollte der Linux-Kernel auf die GPLv3 wechseln - was angesichts von Linus Torvalds' Position als eher unwahrscheinlich gilt -, müsste sich Parallels aber überlegen, was zu tun sei, sagte Beloussov. Er schätzt diese Gefahr selbst gleichwohl als gering ein: "Ich denke, Linus Torvalds ist ein sehr vernünftiger Mensch." Letztlich wollte der Parallels-Chef aber auch nicht ausschließen, dass eine andere Lizenz gewählt wird - so der Hypervisor denn tatsächlich Open Source wird.

Entwickelt wurde der Hypervisor für die Virtualisierungslösung Parallels Server, deren nächste Beta in der kommenden Woche veröffentlicht werden soll. Recht bald sollen dann ein Release Candidate und die finale Version folgen. Doch Parallels setzt den Hypervisor nicht nur bei seinem Serverprodukt ein. Vielmehr sollen auch die Mac-Desktop-Virtualisierung Parallels Desktop sowie die Linux- und Windows-Variante Parallels Workstation in ihren kommenden Versionen auf dieselbe Basis setzen. Parallels Desktop soll im Mai 2008 erneuert werden, Parallels Workstation im Juni 2008 in einer neuen Version erscheinen. Für beide Varianten versprach Beloussov viele neue Funktionen: auf der Mac-Seite vor allem im 3D-Bereich; die Windows- und Linux-Versionen, die in letzter Zeit immer etwas hinterherhinkten, sollen dann sogar mehr Funktionen als das Mac-Produkt aufweisen.

Der Parallels Server wird in zwei unterschiedlichen Versionen erscheinen. Eine wird auf einem Host-Betriebssystem installiert, wobei MacOS X, Windows und Linux unterstützt werden und die Mac-Ausgabe zuerst verfügbar sein soll. Ferner will der Anbieter eine Bare-Metal-Version veröffentlichen, die sich also direkt auf der Hardware einrichten lässt, ohne dass darunter ein Betriebssystem installiert sein muss. Der Ansatz gleicht VMwares ESX Server, denn auch Parallels nutzt für diesen Zweck ein angepasstes Linux, das aus der Virtuozzo-Entwicklung stammt.

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Virtuozzo wurde ursprünglich unter dem Firmennamen SWsoft entwickelt, heißt mittlerweile aber Parallels Virtuozzo Container, da die schon vorher zusammengehörigen Unternehmen SWsoft und Parallels Anfang 2008 verschmolzen sind. Virtuozzo ist eine Container-Virtualisierung, die also mehrere Instanzen des Host-Kernels laufen lässt, anstatt einen Kernel im Gastbereich zu starten. Die Grundlage für Virtuozzo wird im OpenVZ-Projekt entwickelt, das seit Ende 2005 ebenfalls als Open Source - und mittlerweile auch unter der GPLv2 - verfügbar ist.

Beloussov stellte aber gleichzeitig klar, dass der Hypervisor alleine noch kein ganzes Produkt ausmache. Er sehe keinen Sinn darin, die grundlegende Software unter Verschluss zu halten, jedoch würde sie alleine wenig nützen. Parallels werde wenn den reinen Hypervisor veröffentlichen; alle Aufsätze, die ihn zu einer kompletten Virtualisierungslösung machen, jedoch nur in sein Produkt integrieren - ebenso wie bei OpenVZ und Virtuozzo. Es wäre bei einer Öffnung für externe Entwickler aber durchaus möglich, ähnliche Komponenten selbst zu schreiben, so Beloussov.

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