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SP1 für Windows Vista: Wieso, weshalb, warum

Neue Treiber werden per Windows Update verteilt. Microsoft hat seine umstrittene Strategie zur Verteilung des Service Pack 1 für Windows Vista gegenüber Journalisten erklärt. Denn obwohl alle Arbeiten am Update-Paket abgeschlossen sind, müssen sich die Anwender noch in Geduld üben. Noch nennt das Unternehmen selbst keinen Termin für die allgemeine Bereitstellung des Service Pack 1, was laut Microsoft an den Hardware-Herstellern liegt.
/ Nico Ernst
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Mit dem bereits fertig gestellten Service Pack 1 für Windows Vista werden nicht nur über 500 Updates zusammenfasst, Microsoft nimmt auch einige Änderungen an der Treiberstruktur für das Betriebssystem vor. Das ist der Grund, warum das erste Windows-Vista-Service-Pack nicht sofort und für alle Anwender zur Verfügung gestellt wird, erklärte Microsofts Technologieberater Daniel Melanchthon(öffnet im neuen Fenster) .

Zwar steht das Service Pack 1 (SP1) schon für Entwickler und PC-Hersteller beispielsweise über ein TechNet-Abo bereit , aber weder den Download des Gesamtpakets noch die automatische Verteilung für Windows Update will Microsoft unmittelbar erlauben. Änderungen am Service Pack 1 soll es aber nicht mehr geben, betonte Melanchthon ausdrücklich.

Da aber einige Treiber mit dem Service Pack 1 noch Probleme machen, will Microsoft warten, bis diese durch die Hardware-Hersteller aktualisiert werden. Die neuen Treiber werden erst dann per Windows-Update verteilt. Installiert man das SP1 vorher, so Melanchthon, fragt es vor der Installation nicht ab, ob die installierten Treiber damit kompatibel sind.

Erst wenn die nach Meinung Microsofts wichtigsten Treiber so bei den Kunden gelandet sind, wird das Service Pack 1 für Windows Vista allgemein freigegeben. Welche Treiber als besonders problematisch eingestuft werden, wollte Microsoft auch auf Nachfrage nicht verraten. Der bisher als 18. März 2008 gehandelte Termin für den allgemeinen Download des Gesamt-Pakets ist damit kein sicheres Datum für die Freigabe des SP1.

Daniel Melanchthon beschrieb aber ausführlich, wie die einzelnen Schritte für den Vertrieb des SP1 ablaufen sollen: Zuerst erscheint der Download des Gesamtpakets für die Sprachen Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch und Japanisch. Das Paket für 32-Bit-Systeme ist dann 434 MByte groß, für 64-Bit-Installationen müssen sich 726 MByte durch die Leitung drängeln. Diese Pakete werden als "Wave 0" vermutlich noch im März 2008 freigegeben.

Danach soll voraussichtlich im April 2008 die "Wave 1" folgen, die aus einem weiteren Standalone-Paket für alle 36 von Windows Vista unterstützten Sprachen besteht. Die Downloads vergrößern sich für die 32-Bit-Ausführung auf 544 MByte und auf 873 MByte für die 64-Bit-Version. Kurz nach dem Erscheinen dieser Gesamtpakete soll das SP1 auch per Windows-Update verteilt werden, allerdings dann als Einzelpakete für explizit eine Sprachversion. Microsoft empfiehlt Privat-Anwendern ausdrücklich diese Variante. Unter anderem, weil die Downloads für eine einzelne Sprach-Version deutlich kleiner ausfallen. So belegt das SP1 dann rund 65 MByte für 32-Bit-Installationen und etwa 125 MByte für ein 64-Bit-System.

Die genaue Größe der nötigen Dateien richtet sich nach dem Patch-Zustand des Systems. Sobald das Service Pack 1 erschienen ist, wird Microsoft über Windows Update aber immer zuerst das Service Pack und nicht mehr alle älteren Patches empfehlen. Auf einem System ohne Patches sind aber dennoch zunächst die Treiber-Updates und die vorbereitenden Patches nötig, bevor das SP1 installiert werden kann. Der freie Platz auf der System-Partition für die Installation des SP1 muss auf 32-Bit-Systemen mindestens 2,5 GByte groß sein und 64-Bit-Ausführung benötigen sogar bis zu 8 GByte.

In jedem Fall kommt der Anwender um mehrere Neustarts nicht herum. Die gesamte Installation des SP1 dauert laut Microsoft zwischen 40 Minuten und 2 Stunden – je nach Geschwindigkeit des Systems. Diese Angabe deckt sich auch mit ersten unabhängigen Tests der TechNet-Version des SP1. Es ist laut Microsoft nicht möglich, aus einer Installations-DVD für Windows Vista zusammen mit dem SP1 ein neues Installations-Medium per Slipstream zu machen. Bisher war das mit den Service-Packs für Windows XP ein recht einfacher Prozess.

Nun muss man auf das "Windows Automated Installation Kit" (WAIK) zurückgreifen, das aus einer Windows-Vista-DVD und dem SP1 ein neues, bootfähiges Medium machen kann. Wer öfter neue Rechner mit Windows Vista samt SP1 einrichten muss, sollte sich also damit vertraut machen. Eine Neuinstallation samt SP1 läuft wesentlich schneller ab als erst die Original-Version und dann das SP1 aufzuspielen. Erst mit dem Service Pack 2 für Windows Vista soll man sich wieder eigene Installations-Medien per Slipstream bauen können.

Bei der Neuinstallation von Windows Vista samt SP1 will Microsoft nun weitere Treiber einbinden, insbesondere für Festplatten-Controller, die nach dem Erscheinen des Betriebssystems auf den Markt kamen. Bei anderen Geräten, insbesondere Druckern und Grafikkarten, will Microsoft in Zukunft die Treiber nicht mehr in die Installations-Medien integrieren. Wie Daniel Melanchthon erklärte, funktioniert der Download der Treiber per Windows-Update nach der Installation inzwischen so gut, dass nur die für die Installation wichtigsten Treiber selbst auf den OEM-CDs landen sollen.

Nach der Installation des SP1 soll sich Windows Vista paradoxerweise erst einmal etwas träger anfühlen, räumte Microsofts Technologieberater ein. Das liegt daran, dass der Cache für "SuperFetch" durch das SP1 zunächst geleert wird. Damit lädt Windows Vista häufig benutzte Anwendungen schon auf Verdacht in den Speicher, was bei häufig genutzten Windows-Vista-Installationen für das spürbar schnellere Starten von Programmen verantwortlich ist. Erst nach einigen Stunden oder Tagen ist SuperFetch so weit trainiert, dass das System wieder so schnell reagiert wie zuvor, meinte Melanchthon.

Generell war ein "Performance-Gewinn bei SP1 kein Schwerpunkt" erklärte der Microsoft-Techniker. Vielmehr haben die Sicherheit, eine verbesserte Kompatibilität und eine leichtere Bedienung im Vordergrund gestanden. Die wichtigste Neuerung in punkto Leistung ist laut Melanchthon das bessere Verhalten beim Kopieren und Packen von Dateien, sowohl auf lokalen Laufwerken als auch im Netzwerk. Mit dem SP1 soll Windows Vista hier nochmals schneller arbeiten als auf Systemen, auf denen die Patches gegen die Kopier-Schwäche von Windows Vista bereits installiert wurden.

Auch an den Funktionen ReadyBoost und ReadyDrive hat Microsoft mit dem SP1 Korrekturen vorgenommen. Damit lassen sich USB-Sticks oder Hybrid-Festplatten mit Flash-Speicher als Zusatz-Cache verwenden, was sich aber in vielen Tests als nutzlos erwiesen hat. So sollen diese Caches nun auch beim Aufwachen aus dem Ruhezustand (ACPI S4, Suspend-to-Disk) genutzt werden. Daniel Melanchthon gab aber auf Nachfragen an, dass die fallenden Preise für PC-Hauptspeicher inzwischen den Nutzen von ReadyBoost und ReadyDrive in Frage stellen.

Einige weniger bekannte Neuerungen im Service Pack 1 stellte Melanchthon neben den bereits offengelegten Updates in seinem Vortrag auch heraus. So kann mit der eingebauten Verschlüsselung "BitLocker" nun nicht mehr nur die System-Partition, sondern auch jedes andere lokale Laufwerk geschützt werden. Das gilt auch für externe Festplatten, für die man dann aber den Schlüssel auf einem USB-Stick speichern sollte. Zudem kann BitLocker nun auch für maximale Sicherheit eine PIN, den Schlüssel auf einem USB-Stick und ein TPM gemeinsam nutzen.

Das integrierte Defragmentations-Programm von Windows Vista kann nun auch nur auf einzelne Partitionen losgelassen werden – bisher wollte es unverständlicherweise stets alle Festplatten behandeln. Auch eine Funktion der Selbst-Behinderung von Windows Vista per Defragmenierung hat Microsoft mit dem SP1 geändert. Bisher konnten Festplatten-Optimierer von Drittherstellern einige Versionen der Schattenkopien beschädigen, diese bleiben nun unangetastet. Das führt aber dazu, dass sich nicht mehr eine hundertprozentige Defragmentierung aller Dateien erzielen lässt, erklärte Daniel Melanchthon. Mit dem in Vista eingebauten Defragmentierer soll das Problem auch schon in der Erstausgabe des Betriebssystems nicht aufgetreten sein. Die Hintergründe finden sich in einem Thread(öffnet im neuen Fenster) der Microsoft-Newsgroups.

Auch bei der anfangs schwachen Unterstützung der Stromsparfunktionen insbesondere auf Notebooks will Microsoft Fortschritte gemacht haben. Von 16 untersuchten Notebooks sollen 14 Modelle mit dem SP1 länger laufen, nur bei 2 Modellen habe sich die Leistungsaufnahme geringfügig verschlechtert. In der nebenstehenden Grafik entsprechen die positiven Prozentwerte einer geringeren Leistungsaufnahme, nicht etwa umgekehrt.

Nachtrag vom 28. Februar 2008 um 9:45 Uhr:
Inzwischen hat Microsoft doch den 18. März 2008 für den Download des Service Packs 1 für Windows Vista bestätigt. Außerdem wies das Unternehmen darauf hin, dass die in das Betriebssystem eingebaute Funktion schon in seiner Erst-Ausgabe Schattenkopien beim Defragmentieren nicht beschädigt. Dies wäre aber nur bei Defragmentierern von Drittherstellern der Fall gewesen, mit dem SP1 soll das nicht mehr vorkommen. Die Passage im Artikel wurde entsprechend korrigiert.


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