Die wissenschaftlichen Herausforderungen im 21. Jahrhundert
Wissenschaft wird in der Zukunft eine ebenso wichtige Rolle spielen wie in der Vergangenheit. Sie werde dazu beitragen, dass wir "unsere Umgebung, unsere Geschichte, unsere Wissenschaft, unsere Kultur" besser verstehen, ist der Klimaforscher Rob Socolow überzeugt. Damit will er alles abdecken, was seiner Auffassung nach zum Menschsein dazugehört. Socolow ist einer von 18 hochrangigen Wissenschaftlern, Denkern und Visionären aus verschiedenen Disziplinen, die die amerikanische National Academy of Engineering (NAE) in eine Arbeitsgruppe berufen hat.
Unter dem Vorsitz des ehemaligen US-Verteidigungsministers William Perry machte sich die Gruppe Gedanken darüber, welches die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts(öffnet im neuen Fenster) seien. Ihre Ergebnisse hat die NAE auf der Jahrestagung der American Association for the Advancement of Science in Boston vorgestellt.
Zu den Auserwählten gehörten neben Socolow unter anderem Craig Venter, der vor einigen Jahren das menschliche Genom entschlüsselt hat, der Chemienobelpreisträger Mario Molina, Google-Mitgründer Larry Page und der Zukunftsforscher Ray Kurzweil.
Herausgekommen ist eine Liste mit 14 Punkten aus den vier Bereichen Umwelt, Gesundheit, Freude am Leben sowie Verletzlichkeit etwa durch Naturkatastrophen, aber auch durch den Menschen selbst.
Demnach müssen sich die Wissenschaftler und Ingenieure in den nächsten Jahren und Jahrzehnten mit folgenden Aufgaben beschäftigen: die Entwicklung besserer Arzneimittel(öffnet im neuen Fenster) , Fortschritte in der medizinischen Informatik(öffnet im neuen Fenster) , der Zugang zu sauberem Wasser(öffnet im neuen Fenster) , die Energiegewinnung durch Kernfusion(öffnet im neuen Fenster) , eine wirtschaftliche Solarenergie(öffnet im neuen Fenster) , eine Wiederherstellung und Verbesserung städtischer Infrastrukturen(öffnet im neuen Fenster) , die Verbesserung von virtuellen Realitäten(öffnet im neuen Fenster) , der Nachbau(öffnet im neuen Fenster) des menschlichen Gehirns, die Erforschung natürlicher Grenzen(öffnet im neuen Fenster) , die Verbesserung von Lehr- und Lernmethoden(öffnet im neuen Fenster) , die Steuerung des Stickstoffkreislaufs(öffnet im neuen Fenster) , die Sicherheit im Cyberspace(öffnet im neuen Fenster) , die Verhinderung von Terroranschlägen mit nuklearem Material(öffnet im neuen Fenster) und schließlich die Entwicklung von Methoden, um Kohlendioxid(öffnet im neuen Fenster) aus der Atmosphäre zu entfernen.
Allerdings konnten sich die Denker auch nach eingehenden Beratungen nicht auf eine Rangordnung der Herausforderungen einigen, verriet Socolow in einem Interview dem amerikanischen Online-Wissenschaftsmagazin Science Daily(öffnet im neuen Fenster) . "Wie gewichtet man die Ausrottung von Armut gegenüber der Aufgabe, den Planeten bewohnbar zu erhalten oder gegenüber der Vermeidung eines Atomkrieges?" , erklärt Socolow die Schwierigkeit der Aufgabe.
Der Grund, warum die Runde überhaupt einberufen wurde, ist die Finanzierung von Wissenschaft mit öffentlichen Geldern. Deshalb habe die Öffentlichkeit auch ein Recht zu erfahren, was mit diesem Geld geschehe. "Wir müssen sicherstellen, dass die Menschen verstehen, wie frühere Investitionen in Wissenschaft und Ingenieurswesen ihr Leben verbessert haben." Dazu gehören etwa die Entwicklung in der Luftfahrt, die Elektrizität oder auch der Wasseranschluss im Haus.
"Ohne die Investitionen früherer Generationen wären wir nicht in den Genuss dieser scheinbar unsichtbaren Infrastruktur gekommen, die unser modernes Leben erst möglich macht. Es versteht sich von selbst, dass wir kommende Generationen ihrer Lebensqualität berauben, wenn wir nicht ähnliche Investitionen tätigen." Außerdem sei es wichtig, künftigen Generationen zu zeigen, dass Wissenschaft und Technik ein lohnendes Berufsfeld sei, das helfe, die Gesellschaft zu verändern.



