Richter legt Wikileaks lahm
Auf Wikileaks.org können anonym brisante Dokumente aus Politik und Wirtschaft veröffentlicht werden. Nun ist die Site offline. Ein Bezirksgericht in San Francisco hat nach Klage einer Bank den Registrar Dynadot angewiesen, die Domain aus den DNS-Servern zu entfernen. Außerdem muss Dynadot laut Gerichtsbeschluss(öffnet im neuen Fenster) dafür sorgen, dass die Seitenaufrufe nur auf eine leere Seite weitergeleitet werden und dass die Domain nicht an einen anderen Registrar übertragen wird.
Der Richter fasste den Beschluss auf Betreiben der Schweizer Bank Julius Baer. Das Bankhaus war gegen die Site vorgegangen, nachdem dort mehrere hundert Dokumente über einen Zweig der Bank auf den Cayman Islands veröffentlicht worden waren. Die Bank beschuldigt den ehemaligen Vizechef der Filiale auf den Cayman Islands, die Dokumente veröffentlicht zu haben. Aus diesen Dokumenten soll hervorgehen, dass die Bank an Geldwäsche und Steuerhinterziehung beteiligt war.
Die Bank hatte zuvor vergeblich von Wikileaks verlangt, die Dokumente zu entfernen, da sie ein laufendes Verfahren in der Schweiz betreffen. Ein Wikileaks-Vertreter war bei der Anhörung vor dem Gericht nicht anwesend, da die Betreiber erst wenige Stunden vor dem Termin davon erfuhren.
Die Schließung gilt jedoch nur für die Site Wikileaks.org. Die internationalen Ableger der Site in Indien(öffnet im neuen Fenster) und Belgien(öffnet im neuen Fenster) sind weiterhin erreichbar – inklusive der inkriminierten Dokumente(öffnet im neuen Fenster) über die Aktivitäten des Bankhauses Julius Baer.
Wikileaks wurde Ende 2006 von Dissidenten, Mathematikern und Technologen aus China, den USA, Taiwan, Europa, Australien und Südafrika gegründet. Das Angebot ist eine Plattform, auf der geheime Dokumente, die unmoralisches oder gesetzeswidriges Verhalten von Regierungen, Behörden oder Unternehmen belegen, anonym und sicher veröffentlicht werden können. Das Angebot ist in erster Linie für Dissidenten aus den repressiven Staaten Asiens, der ehemaligen Sowjetunion, Schwarzafrikas und dem Nahen Osten gedacht. Für die Sicherheit derer, die solche Dokumente posten, sorgt der Einsatz des Anonymisierungswerkzeuges Tor alias The Onion Router.
Nach Wikileaks-Angaben wurden bereits über eine Million Dokumente auf der Site gepostet. Darunter ist brisantes Material wie ein Handbuch für die Wächter im US-Spezialgefängnis Guantanamo. Auch deutsche Dokumente sind bereits bei Wikileaks veröffentlicht worden. Kürzlich tauchte dort ein Schreiben des bayerischen Justizministeriums zur Überwachung von Skype-Telefonaten auf.
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