BitTorrent wehrt sich gegen Provider-Sperren
Prominentestes Beispiel unter Providern, die aktiv gegen BitTorrent vorgehen, ist der US-Kabelnetzbetreiber Comcast. In einer Stellungnahme an die Federal Communications Commission (FCC) in den USA verteidigt Comcast sein Vorgehen: Es sei notwendig, um das Funktionieren des eigenen Netzes sicherzustellen. Nach Angaben von Comcast unterbindet das Unternehmen bei hoher Netzlast den Upload von Dateien durch Nutzer, wenn diese nicht zugleich Daten empfangen. Damit hebelt Comcast das Prinzip von P2P-Netzen aus, denn diese machen sich gerade den Umstand zunutze, dass Internetnutzer nicht benötigte Upload-Bandbreite zur Verfügung stellen, um Dateien zu verbreiten.
In der Diskussion geht es bislang nicht um die Nutzung von BitTorrent zur Verteilung um Schwarzkopien, sondern um die Frage, ob Provider einzelne Protokolle beschränken dürfen. Damit treffen sie nicht nur die Nutzer der P2P-Netze, sondern greifen auch das Geschäftsmodell von Unternehmen an, die entsprechende P2P-Technik nutzen, z.B. zur legalen Verbreitung von HD-Videos und Software.
Comcasts Stellungnahme an die FCC gingen Beschwerden von Verbraucherschützern bei der Behörde voraus. Sie sehen durch Comcasts Eingriffe die Netzneutralität ausgehebelt. Kunden könnten sich nicht länger darauf verlassen, über ihren Internetzugang auf die Informationen ihrer Wahl zugreifen zu können. Der Video-Anbieter Vuze wirft Comcast vor, durch die Drosselung von BitTorrent die eigenen Kabelfernseh-Angebote gegen neue Anbieter im Internet schützen zu wollen.
Neben dieser rechtlichen Auseinandersetzung über die FCC haben sich einige Unternehmen zusammengefunden, um ihrerseits mit einer technischen Lösung die Eingriffe von Comcast und anderen Providern zu umgehen. Sie wollen das BitTorrent-Protokoll um eine so genannte " Tracker Peer Obfuscation(öffnet im neuen Fenster) " erweitern. Dabei werden die Informationen zu den verwendeten IP-Port-Paaren der Kommunikationspartner, die zwischen Tracker und Peer ausgetauscht werden, mit Hash-Funktionen verschleiert, so dass Netzbetreiber durch eine Überwachung der Peer-Tracker-Kommunikation nicht mehr ohne weiteres IP-Port-Paare identifizieren können, die BitTorrent nutzen. BitTorrent-Verbindungen könnten dann nicht länger auf die Art und Weise unterbrochen werden, wie dies heute geschieht.
Es geht dabei nicht darum, den gesamten Datenverkehr zu verschlüsseln und vollkommen gegen Eingriffe abzuschotten. Vielmehr zielen die Entwickler darauf ab, Netzbetreibern, die den BitTorrent-Traffic drosseln wollen, das Leben schwerer zu machen. Mit genügend Aufwand und ausreichend großen Datenmengen sei es durchaus möglich, die "Tracker Peer Obfuscation" zu knacken, ähnlich wie bei der WLAN-Verschlüsselung mit WEP. Da zwischen Peer und Tracker aber deutlich weniger Daten ausgetauscht werden als bei der Kommunikation per WLAN, falle dies nicht so stark ins Gewicht, zumal es für Netzbetreiber auch andere Methoden gibt, P2P-Traffic zu analysieren.



