Transmeta Reloaded: Neues CPU-Design von Montalvo
Schon der Name "Montalvo" ist eine Anspielung auf die Gepflogenheiten der Prozessor-Branche, wo Codenamen künftiger Produkte meist nach Stadt-Land-Fluss benannt werden. Montalvo ist ein eingemeindetes Örtchen der Stadt San Buenaventura nördlich von Los Angeles. Und die Webseite des Unternehmens(öffnet im neuen Fenster) berichtet in ganzen drei HTML-Dateien nur, wo sich die Firma Montalvo befindet, das sie Halbleiter entwickelt und noch Personal sucht. Die Stellenausschreibungen(öffnet im neuen Fenster) geben immerhin noch an, dass die Chip-Designer, Programmierer und Tester nicht nur am Hauptsitz in Santa Clara - mitten im Silicon Valley, einen Kilometer von Intel entfernt -, sondern auch für eine Entwicklungsabteilung im indischen Bangalore gesucht werden.
Sonst sagt Montalvo gar nichts. Genauso hielt es auch Ende der 1990er-Jahre Transmeta, die dann im Januar 2000 mit dem x86-kompatiblen Crusoe-Prozessor an die Öffentlichkeit traten. Zwar konnte Transmeta selbst Hersteller wie Sony bewegen , die Crusoes in Notebooks zu verbauen, bald verschwanden die kompletten Prozessoren aber wieder, allenfalls Teile der Technik werden noch lizenziert. Inzwischen steht die heruntergewirtschaftete Firma vor einer Übernahme durch ihre Investoren.
Einer der ehemaligen CEOs von Transmeta, Matt Perry, führt jedoch auch Montalvo an. Und wenn man sich die Patente des Unternehmens ansieht, entdeckt man mit Peter Glaskowsky einen weiteren Chip-Veteranen im Dienst von Montalvo. Glaskowsky war erst Redakteur und dann Herausgeber des Fachblattes "Microprocessor Report", dessen Verlag auch das halbjährliche "Processor Forum" veranstaltet. Von solchen Veranstaltungen hält sich Montalvo jedoch bisher fern - man hat ja nichts zu erzählen. Auch Greg Favor, früher bei NexGen und dann mit deren CPU-Design von AMD übernommen, arbeitet für Montalvo. Und sagt nichts.
Michael Kanellos, Prozessor-Spezialist bei Cnet, will jedoch herausgefunden haben, dass Montalvo an einer neuartigen Many-Core-Architektur arbeitet. Kanellos gilt in den USA als einer der besten Kenner der Halbleiter-Branche. Ohne seine Quellen zu nennen, berichtet(öffnet im neuen Fenster) er davon, wie der noch namenlose Montalvo-Prozessor im Groben konzipiert sein soll.
Statt vieler gleichförmiger Kerne, wie sie beispielsweise Intels Projekt Larrabee bietet, soll die Montalvo-CPU aus mehreren - die Zahl ist noch nicht bekannt - Spezialeinheiten auf einem Chip bestehen. Die Software soll dabei entscheiden, auf welcher Funktionseinheit welche Aufgaben ausgeführt werden sollen. Der Rest legt sich schlafen, denn das Montalvo-Design soll besonders stromsparend sein und Notebooks sowie andere mobile Geräte antreiben. Weitere Details oder Belege dafür gibt es noch nicht. Die bisher eingereichten Patente(öffnet im neuen Fenster) von Montalvo beschreiben vor allem Schemata für Speicherzugriffe und neuartige Caches, die allesamt aufs Stromsparen getrimmt sind.
Kanellos vermeidet es in seinen(öffnet im neuen Fenster) Berichten(öffnet im neuen Fenster) auch, ausdrücklich von x86-kompatiblen Chips bei Montalvo zu sprechen, und nennt sie nur "Intel-kompatibel", was jedoch auf dasselbe hinausläuft. Das Unternehmen soll auch bereits Gespräche mit einem Halbleiter-Hersteller führen, der über die nötigen Lizenzen für die Fertigung der CPUs und über die entsprechenden Fabriken verfügt. Verschiedene Investment-Firmen sollen Cnet zufolge schon 73 Millionen US-Dollar in Montalvo gesteckt haben.
Ob die CPU jedoch überhaupt gebaut wird und wann sie dann erscheinen könnte, hat sich bisher jedoch noch nicht herauskristallisiert. Besonders eilig müssen es die Montalvianer auch nicht haben: Intels nächstes Stromspar-Design Silverthorne ist ein Single-Core, der aber immerhin mit 2 Watt auskommt. Wie viel elektrische Leistung das Design des Start-ups für wie viel Rechenleistung benötigt, dürfte bis auf weiteres das größte Geheimnis von Montalvo bleiben.



