Reflexionen auf der Brille verraten den Bildschirminhalt
Hollywood könnte sich das nicht besser ausdenken: Mit einem Fernrohr belauern Bösewichter einen Geschäftsmann in einem Büro auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Zwar können sie seinen Bildschirm nicht einsehen. Dennoch gelingt es ihnen, ihn erfolgreich auszuspionieren: Sie beobachten intensiv die Spiegelungen des Bildschirminhaltes auf seiner Brille und der Kaffeetasse. Als er die Brille abnimmt, beobachten sie seine Pupille.
Doch das ist keine Fiktion, keine Erfindung aus der Bourne-Trilogie oder einem James-Bond-Film. Das ist ein reales Bedrohungsszenario(öffnet im neuen Fenster), das ein Team von Informatikern der Universität des Saarlandes in Saarbrücken um Michael Backes untersucht hat. Eine Ausrüstung im Wert von 1.000 Euro reichte ihnen bereits aus, um aus zehn Metern Entfernung Bildschirmdaten, die sich auf verschiedenen Gegenständen spiegelten, zu rekonstruieren.
Besonders gute Ergebnisse erzielten die Saarbrücker dabei mit Spiegelungen auf Brillengläsern sowie auf Kannen oder Tassen, die üblicherweise auf den Schreibtischen neben dem Bildschirm stehen. So konnten sie aus zehn Metern Entfernung mühelos 12-Punkt-Schrift entziffern. Verzerrte Reflexionen auf gekrümmten Oberflächen stellten kein Hindernis dar – sie ließen sich mit einem Programm so bearbeiten, dass sie lesbar waren.
Doch gute Augen und Kaffee aus dem Pappbecher schützen nicht vor dem Ausspionieren: Den Forschern gelang es sogar, Spiegelungen von den Augen der Computerarbeiter abzulesen. Schwierigkeiten bereiteten ihnen lediglich die schnellen Bewegungen des Auges, da sie kürzere Belichtungszeiten erforderten. Allerdings sind die Forscher der Auffassung, dass sich mit einer besseren Ausrüstung und ausgereifteren Algorithmen noch deutlich bessere Ergebnisse erzielen lassen.
Schutz vor dieser Art der Spionage ist schwierig. Backes empfiehlt deshalb, während der Arbeit mit sensiblen Daten die Rollläden herunterzulassen oder Vorhänge zuzuziehen. Außerdem solle man regelmäßig nach Teleskopen in der Umgebung Ausschau halten.
Es war nicht die erste Spionage-Methode, die Backes und sein Team untersucht haben. Sie konnten in früheren Studien bereits nachweisen, dass es möglich ist, Daten aus den Abstrahlungen des Kabels eines LC-Bildschirms oder über die elektromagnetische Abstrahlung eines Röhrenmonitors zu rekonstruieren.
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