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Kinder und Jugendliche sind im Internet weiterhin gefährdet

Zwei Studien zum Safer Internet Day. Viele Kinder und Jugendliche gehen immer noch sehr leichtsinnig mit persönlichen Daten um. Gerade Social-Networking-Plattformen verleiten dazu, zu viel von sich preiszugeben. Oft sind unliebsame Erfahrungen das Resultat, haben Forscher herausgefunden. Eine andere Studie hat sich mit Filtersoftware befasst. Dabei kam heraus, dass technische Lösungen auch nur bedingt nutzen, um den Nachwuchs vor den Gefahren aus dem Netz zu schützen.
/ Werner Pluta
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Kinder und Jugendliche sind mehr Risiken durch das Internet ausgesetzt. Das ist das Ergebnis einer EU-weiten Studie des Projektes " EU Kids Online(öffnet im neuen Fenster) ", die zum heutigen " Safer Internet Day(öffnet im neuen Fenster) " veröffentlicht wurde. Für die Studie wurden Kinder und Jugendliche in 21 Ländern der EU, darunter auch Deutschland, befragt.

Die große Mehrzahl dieser Altersgruppe ist auf Social-Networking-Plattformen aktiv, die im letzten Jahr sehr viel Zulauf gefunden haben. So nutzen etwa über 90 Prozent der 12- bis 17-Jährigen in Norwegen solche Plattformen. Nach den Erkenntnissen der Studie bringen sich die Jugendlichen dabei durch den unbedarften Umgang mit persönlichen Daten selbst in Gefahr. In der Tschechischen Republik etwa haben fast alle Teenager persönliche Daten wie E-Mail-Adresse (91 Prozent), ihr Bild (79 Prozent) oder ihre Telefonnummer (72 Prozent) an Fremde weitergegeben. Allerdings stellt die Studie auch klar, dass die Weitergabe persönlicher Daten nicht notwendigerweise ein erhöhtes Risiko bedeutet. Vorsicht sei dennoch angebracht.

Ebenso leichtsinnig zeigten sich die jungen Tschechen auch bei der Verknüpfung des virtuellen und des realen Lebens: Zwei Drittel (65 Prozent) der 12- bis 17-Jährigen trafen sich schon mit Online-Kontakten. Damit sind sie allerdings weit unvorsichtiger als ihre Altersgenossen in den übrigen EU-Ländern: Im Schnitt trifft sich nur einer von zwölf europäischen Jugendlichen mit Online-Bekanntschaften.

Das Social Networking scheint dabei die Kinder und Jugendlichen dazu zu animieren, anderen Persönliches mitzuteilen. In Irland etwa gaben die 10- bis 20-Jährigen freimütig ihre E-Mail-Adresse (79 Prozent) oder ihr Geburtsdatum (49 Prozent) weiter. Zumindest mit der Mobilnummer (12 Prozent) und ihrer Adresse (8 Prozent) gingen sie vorsichtiger um. Vor dem Boom des Social Networking waren sie jedoch zurückhaltender: 2006 gaben 28 Prozent der 9- bis 16-jährigen Iren ihre Namen und gerade mal 27 Prozent ihre Mailadresse weiter.

Gleichzeitig berichten die jugendlichen Surfer auch, dass sie in unangenehme oder verstörende Situationen verwickelt wurden. So gaben 27 Prozent der jungen Iren an, Fremde im Internet hätten sie nach ihren Daten gefragt. In der früheren Studie waren es nur 19 Prozent gewesen. In Polen wurde mehr als jede zweite Teenagerin (56 Prozent) ungewollt online in Konversationen über Sex verwickelt. 17 Prozent der Belgier zwischen neun und zwölf Jahren fühlten sich online bedroht. 44 Prozent der deutschen Mädchen und 30 Prozent der Jungs machten unerfreuliche Erfahrungen in Chaträumen.

Die Initiative, die an der London School of Economics and Political Science (LSE) angesiedelt ist, schließt daraus, dass Kinder und Jugendliche dringend Rat und Anweisungen bei ihren Online-Aktivitäten brauchen. Die Autoren der Studie rufen deshalb die Betreiber der Social-Networking-Sites auf, ihre jugendlichen Nutzer über den Schutz ihrer Privatsphäre aufzuklären und ihnen klarzumachen, welche Folgen die Weitergabe persönlicher Daten haben kann. "Kinder und Jugendliche sind sehr erfreut über die Möglichkeiten, die ihnen das Internet, vor allem das Social Networking, eröffnet. Viele von ihnen geben aber persönliche Daten heraus, ohne darüber nachzudenken, wer diese Daten sehen kann" , sagt Sonia Livingstone, Direktorin von EU Kids Online und Professorin am Institut für Kommunikationswissenschaft der LSE. "Daraus resultierte ein beträchtliches Maß an Schikane, Belästigung und unerwünschten sexuellen Botschaften, die einige sehr erschreckt haben."

Wenn es um Rat und Anweisungen für Kinder und Jugendliche geht, sind natürlich in erster Linie die Eltern gefragt. Auch sie sollten dabei eher auf Gespräche und gemeinsame Internetnutzung setzen als darauf, die Surfgewohnheiten des Nachwuchses technisch mit Filtersoftware zu regulieren.

Denn die Studie " Safer Internet(öffnet im neuen Fenster) ", die das Beratungsunternehmen Deloitte in Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission durchgeführt hat, zeigt, dass nur wenige dieser Sicherheitswerkzeuge wirklich gute Arbeit leisten. Es war die zweite Studie dieser Art.

Für die Studie unterzogen über 100 Eltern und Lehrer aus zehn europäischen Ländern sowie Software-Experten 30 gängige Internetfilter einer eingehenden Prüfung. Diese Programme sollen verhindern, dass junge Surfer unter 16 Jahren für sie unangemessene oder sogar schädliche Inhalte im Internet aufrufen können.

Dabei fanden die Tester heraus, dass lediglich eines der Produkte dabei sehr guten Schutz für Kinder unter zehn Jahren bot, weitere sechs gingen als gut durch. Von den Filtern für die 10- bis 16-Jährigen erhielt jedoch keiner die Auszeichnung gut oder sehr gut. Immerhin wiesen drei Programme sehr gute Filterfunktionen auf, wenn es um Pornografie ging. Die beiden Kategorien unterscheiden sich dadurch, wie streng gefiltert wird. Dabei sollen die Programme für die Kinder so filtern, dass diese keine Inhalte aufrufen können, die ihnen schaden könnten. Die Software für die Älteren hingegen sollte so gestaltet sein, dass keine interessanten Inhalte fälschlich geblockt werden.

Immerhin zeigten 23 Produkte verbesserte Filterfunktionen, wenn es um Websites mit nichtsexuellen Inhalten ging. Allerdings waren acht auch schlechter als im Vorjahr. Die Tester führen das unter anderem darauf zurück, dass bei dieser Studie erstmals auch Web-2.0-Inhalte einbezogen wurden, die, da sie dynamisch generiert werden, auch schwieriger zu filtern sind.

Bedenklich ist auch, dass Ergebnisse bei der Benutzerfreundlichkeit schlechter ausgefallen sind als im ersten Test. Dabei ist eine einfache Bedienung solcher Programme sehr wichtig, wenn sie auf dem heimischen PC effektiv eingesetzt werden sollen.

"Die Resultate der diesjährigen Studie zeigen im Vergleich zum Vorjahr, dass sich die Softwarefilter für den Internet-Kinderschutz wesentlich verbessert haben" , resümiert Stefan Weiss, Datenschutz-Experte bei Deloitte. "Dennoch besteht weiterhin enormes Optimierungspotenzial, um einen effektiven Schutz zu erreichen."


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