Interview: Größe ist nicht alles

Golem.de: Herr Hoffman, Sie haben schon in einer ganzen Reihe von bedeutenden Unternehmen gearbeitet. Können Sie uns kurz erzählen, welche das waren?
Hoffman: Ich glaube fest an das Internet der Konsumenten und an Social Media. Deshalb habe ich LinkedIn mit gegründet, war der erste CEO und bin derzeit Aufsichtsratsvorsitzender und President Products. Außerdem habe ich in mehrere Web-2.0-Unternehmen investiert, darunter Friendster, Facebook, Digg, Wikia, Kongregate, Zynga Game Networks und noch einige mehr. Außerdem sitze ich in mehreren interessanten Vorständen, unter anderem von Mozilla und Six Apart. Die komplette Liste finden Sie in meinem LinkedIn-Profil.
Hoffman: Ich habe in mehrere Energie-Unternehmen investiert, weil ich Angst davor habe, dass es einen Dritten Weltkrieg um Öl geben wird. Ich bin kein Spezialist in Investitionen auf diesem Gebiet, aber wenn wir alternative Energiequellen erschließen können, ist das sehr gut.
Golem.de: Interessieren Sie sich nur für Geschäftsmodelle, oder geht es Ihnen auch um gesellschaftliche Zusammenhänge?
Hoffman: Bei vielen meiner Investments geht es mir ums Geschäft. Aber wenn etwas wirklich die Fähigkeit hat, die Welt zu verändern, investierte ich auch dort. Ich erwarte davon keine Erträge. Es ist eher der Glaube an den Mechanismus von Mittelbeschaffung, um so möglicherweise etwas zu schaffen, das auf positive Weise Unruhe stiftet.
Golem.de: Sie sagten, Sie interessieren sich sehr für Social Networks. Derzeit gibt es sehr viele solcher Plattformen, darunter einige sehr große. Was, glauben Sie, braucht eine Plattform, um ganze vorne mit dabei zu sein?
Golem.de: Wie sieht es mit der Größe aus? Kommt es auf die Größe der Community an?
Hoffman: Die Größe ist sehr wichtig, aber nicht das einzig Wichtige.
Golem.de: Ist also Effektivität der Schlüssel?
Hoffman: In einem beruflichen Umfeld, also für die Sachen, um die wir uns bei LinkedIn bemühen, sicher. In einem Unterhaltungsumfeld hingegen weniger. Da verbringt man gern viel Zeit.
Hoffman: Man vertraut sich gegenseitig, so dass man sich hilft. LinkedIn ermöglicht es, sich gegenseitig dabei zu helfen, wenn es darum geht, Zugang zu einer Person zu bekommen, einen Experten zu finden, an nützliche Informationen zu kommen oder ein Problem zu lösen. Zum Beispiel: Ein Journalist sucht nach einem Experten für Open Source. Er sucht danach und bekommt über einen Dritten eine Verbindung zu John Lilly [den CEO von Mozilla, die Red.], und John Lilly sieht seinerseits, wie diese Verbindung zustande gekommen ist. Das sind die Leute, zu denen man Verbindung aufnimmt – und der Grund für die Verbindung ist, dass man sich gegenseitig dabei hilft, berufliche Aufgaben zu lösen.
Golem.de: Facebook hat gerade unter Mithilfe der Nutzer mit der Internationalisierung begonnen. Wie sieht die Strategie von LinkedIn aus? Verfolgen Sie auch eine Internationalisierung?
Golem.de: Wird es dann auch möglich sein, mehrere Profile zu haben – eines in der Landessprache und eines in Englisch?
Hoffman: Ja, das gehört zu der Internationalisierung dazu.
Golem.de: Was halten Sie von Open Social und OpenID?
Hoffman: Etwas wie OpenID, also ein verteiltes, verständliches Profil, brauchen wir unbedingt, denn das macht es den Leuten leichter. Sei es nun OpenID oder etwas anderes in der Art. Auch OpenSocial halte ich für eine sehr gute Basisplattform. Deshalb setzen wir bei LinkedIn darauf. Wir haben gesehen, dass eine professionelle Plattform so sein muss. Das ist etwas ganz anderes als Facebook.
Golem.de: Früher hieß es: Im Internet weiß keiner, dass Du ein Hund bist. Heute hingegen stellen viele Nutzer ihre Daten online. Wir haben aber gelernt, dass das Netz nichts vergisst. Gerade junge Leute tendieren aber dazu, Daten von sich ins Netz zu stellen, die ihnen später schaden können.
Golem.de: Wie sieht es mit Datenschutz aus?
Hoffman: Datenschutz ist sehr wichtig. Man muss sich natürlich auch nach den Richtlinien der Regierungen richten, auch was den Datenschutz angeht. Wir halten die Vorgaben der EU und der USA ein. Aber wir wollen nicht nur die gesetzlichen Vorgaben erfüllen, sondern achten darauf, dass es für unsere Nutzer ausreicht. Wie sind überzeugt davon, dass wir hier gute Arbeit leisten.
Golem.de: Die traditionellen Medienunternehmen haben große Angst vor den neuen Technologie-Unternehmen. Wie sehen Sie das Verhältnis zwischen den beiden?
Hoffman: Wenn die Medienunternehmen nichts tun, dann stellen die neuen Technologie-Unternehmen eine massive Bedrohung dar. Natürlich ist es schwer für sie, etwas zu tun. Aber es lohnt sich, Maßnahmen zur Modernisierung und zur Innovation zu ergreifen, auch wenn das mit einem Risiko verbunden ist. Nicht alle werden das schaffen. Aber das war schon immer so: Unternehmen, die sich dem technischen Wandel verschlossen, sind verschwunden.