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Happy Birthday, Joseph Weizenbaum

Der Computerpionier wird 85. Es war bestimmt kein schöner 13. Geburtstag für Joseph Weizenbaum, jener 8. Januar 1936. An diesem Tag musste die Familie Weizenbaum ihre Heimat unter dem Druck der nationalsozialistischen Rassengesetze verlassen. 60 Jahre später kehrte der Emigrant als inzwischen weltbekannter Wissenschaftler nach Berlin zurück. Heute feiert Joseph Weizenbaum seinen 85. Geburtstag.
/ Werner Pluta
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Auch wenn nicht jedem der Name Joseph Weizenbaum etwas sagt, so hat doch jeder mit einer Erfindung zu tun, an der Weizenbaum beteiligt war: In den 50er-Jahren war er als Systemingenieur bei General Electric an der Entwicklung von ERMA beteiligt. Das Electronic Recording Method of Accounting ist das erste Computersystem für Banken. 1963 wechselte Weizenbaum in die Wissenschaft, genauer gesagt an das Massachusetts Institute of Technology (MIT). Dort befasste er sich viel mit Computernetzwerken. So ist es nicht verwunderlich, dass Weizenbaum auch am ARPA-Netz, dem Vorgänger des Internets, mitgearbeitet hat.

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Bekannt wurde Weizenbaum jedoch mit einer Software, die er zwischen 1964 und 1966 entwickelte: das Sprach-Analyse-Programm ELIZA(öffnet im neuen Fenster). Das Programm, benannt nach einer Figur aus dem Schauspiel Pygmalion von George Bernard Shaw, simulierte eine menschliche Unterhaltung und gilt als Meilenstein in der Entwicklung der künstlichen Intelligenz.

Das Prinzip, nach dem ELIZA arbeitete, war denkbar einfach: Das Programm nahm einfach die Aussagen des Menschen auf und machte daraus eine Frage – gerade so, als reagiere es auf die Aussagen des menschlichen Gesprächspartners. Den ersten Dialog führte ELIZA mit einer jungen Frau. "Die Männer sind alle gleich", merkte diese an. ELIZA entgegnete: "In welcher Weise?" und provozierte gleich eine Antwort: "Sie machen uns immer wegen irgendwas verrückt." Noch heute funktionieren Chatbots nach diesem Prinzip.

DOCTOR, eine Weiterentwicklung von ELIZA, simulierte einen Dialog zwischen Patient und Psychologen. Die Reaktionen waren erstaunlich und beunruhigend zugleich. So schrieb Weizenbaum später in seinem Buch "Computer Power and Human Reason. From Judgement to Calculation" (deutsch: "Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft"), es bei bestürzend gewesen, "wie schnell und wie intensiv Personen, die sich mit DOCTOR unterhielten, eine emotionale Bindung zum Computer herstellten und wie sie ihm eindeutig menschliche Eigenschaften zuschrieben."

Nicht zuletzt wegen dieser Reaktion auf seine Software wandelte sich der Pionier in den folgenden Jahren zum Kritiker. Erstmals formulierte er seine Bedenken gegenüber dem Computer Anfang 1972 in der Wochenzeitung "Die Zeit(öffnet im neuen Fenster)" (PDF, S. 62 – 66). Später arbeitete er sie in dem Buch "Die Macht der Computer..." aus. Seither wird er nicht müde, Technikgläubigkeit und Fehlentwicklungen in der Informatik zu kritisieren. Immer wieder mahnt er zum verantwortungsvollen Umgang mit der Technik.

Aus diesem Engagement heraus gründete er in den 80er-Jahren mit die Organsationen "Computer Professionals for Social Responsibility(öffnet im neuen Fenster)" (CPSR) und das "Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung(öffnet im neuen Fenster)" (FIfF).

Seit 1996 lebt Weizenbaum wieder in Berlin, unweit seines Elternhauses im Stadtteil Mitte. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland sind Weizenbaum viele Ehrungen zuteil geworden: So verliehen ihm die Universitäten in Hamburg(öffnet im neuen Fenster) und Bremen(öffnet im neuen Fenster) die Ehrendoktorwürde. 2001 verlieh ihm der damalige Bundespräsident Johannes Rau das Große Bundesverdienstkreuz. Die Filmemacher Silvia Holzinger und Peter Haas haben Weizenbaum mit ihrem Film "Weizenbaum. Rebel at Work" 2006 ein Denkmal gesetzt.


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