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Spieletest: Assassin's Creed - Die erwartete Offenbarung?

Schleich-Action protzt mit Optik und Story auf PS3 und Xbox 360. Wenn ein Spiel schon Monate vor seiner Veröffentlichung in zahlreichen Magazinen immer wieder als potenzielle Offenbarung und wahrscheinlicher Blockbuster gehandelt wird, sind die Erwartungen natürlich hoch – so hoch, dass eine Enttäuschung alles andere als unwahrscheinlich ist. Bestes Beispiel dafür ist jetzt das endlich fertig gestellte Schleich-Action-Spiel Assassin's Creed: Das Spiel ist gut; sehr gut sogar. Und enttäuscht trotzdem.
/ Thorsten Wiesner
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Ubisoft hatte im Vorfeld unter anderem angekündigt, vor allem durch die ausgefeilte Story punkten zu wollen; und das gelingt dem Titel über weite Strecken auch. Als Spieler wird man – abgesehen von einigen an dieser Stelle auf Grund der Spannung nicht näher beschriebenen Momenten in naher Zukunft – ins Jahr 1191 zurückversetzt; der Dritte Kreuzzug findet gerade statt, und als im Verborgen agierender Assassin mit Namen Altair obliegt es dem Spieler, neun gezielte Mordanschläge zu verüben. Schauplatz der Morde sind die drei Städte Jerusalem, Akkon und Damaskus; und den Entwicklern aus Montreal ist es gelungen, eben diese mittelalterlichen Metropolen nicht nur wunderhübsch, sondern auch erstaunlich lebendig zu gestalten.

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Immer wieder wird man von Dieben bedrängt, von Händlern angesprochen oder von Bewohnern umringt. Auch für den Spielablauf selbst ist diese Lebendigkeit der Umgebung relevant: Bevor zur eigentlichen Tat geschritten wird, gilt es zunächst, das potenzielle Opfer auszukundschaften. Und dazu müssen unauffällig eine vorgegebene Anzahl von Gesprächen belauscht, kleinere Diebstähle begangen oder Informanten ausgequetscht werden – Letzteres natürlich auch mit Hilfe von massivem Gewalteinsatz. Wie der eigentliche Anschlag verübt wird, obliegt übrigens zu weiten Teilen dem Spieler – pure Gewalt ist oft ebenso möglich wie ein sehr zurückhaltendes Vorgehen. Unauffälliges Verhalten ist dabei aber natürlich immer äußerst ratsam; spätestens, sobald man auf der Fahndungsliste der Wachen steht, hilft nämlich nur noch ein Untertauchen in der Menge oder auch ein Verstecken im Heuhaufen, um den eigenen Häschern zu entgehen.

Ubisoft setzt auf eine sehr simple Steuerung, was vor allem Einsteigern zugute kommt; unabhängig davon, ob man hohe Türme erklimmt, über Dächer springt, sich anschleicht oder mit den Schwert um sich schlägt, alles funktioniert recht problemlos. Gerade im Kampf würde man sich allerdings auch etwas mehr Tiefgang wünschen; oft verkommt das Ganze dann doch eher zum Knöpfchen-Gedrücke.

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Assassin's Creed hat allerdings noch ein paar Probleme mehr, die den Titel weit am Prädikat "perfekt" vorbeischrammen lassen. Das beginnt beim Missionsaufbau, der sich immer wieder ähnelt – hat man sich ein paar Mal zum Lauschen auf die Bank gesetzt oder die üblichen Diebstähle begangen und so das erforderliche Minimum an Mordopfer-Infos gesammelt, stellt sich doch eine gewisse Ernüchterung ein. Auch die KI ist kaum der Rede wert: Seinen Häschern zu entwischen stellt etwa, sobald man etwas geübt ist, keinerlei Probleme mehr dar.

Optisch ist Assassin's Creed dafür eine absolute Augenweide: Alleine die Animationen von Altair sind atemberaubend – wie er sich gekonnt über die Dächer schwingt, mit seinem Schwert fast tänzelt oder lautlos durch die mittelalterlichen Gassen huscht, ist ebenso beeindruckend wie die Weitsicht über die Stadt von einem der zahlreichen Aussichtspunkte aus, das atmosphärische Flair im Zentrallager des Assassinen oder auf den Märkten und Gassen. Auch Sprachausgabe und Musik begeistern.

Assassin's Creed ist für Xbox 360 und PlayStation 3 bereits im Handel erhältlich. Die PC Version folgt 2008.

Fazit:
Das Urteil über Assassin's Creed variiert mit zunehmender Spieldauer: In den ersten Stunden möchte man die Entwickler in den Himmel heben auf Grund grandioser Atmosphäre, scheinbarer Handlungsfreiheit, toller Geschichte und schöner Optik. Je weiter man aber im Absolvieren der neun Morde in den neun Bezirken voranschreitet, desto mehr Monotonie macht sich breit in dem Hitman-Splinter-Cell-Prince-Of-Persia-Mix: Die Nebenmissionen ähneln sich stark, das prinzipielle Vorgehen bleibt immer dasselbe. Und so steht am Ende zwar einer der schönsten Stealth-Action-Titel des Jahres – aber eben doch längst nicht die Offenbarung, die man sich erhofft hatte.


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