Sun soll Open-Source-Projekt unter Druck gesetzt haben

Unternehmen wollte angeblich Kontrolle über Projekt

Ein ehemaliger Sun-Mitarbeiter wirft seinem früheren Arbeitgeber vor, mit Ellbogentaktik gegen ihn vorgegangen zu sein, um die Kontrolle über ein Open-Source-Projekt zu behalten. Laut Sun stellt sich der Fall aber etwas anders dar.

Artikel veröffentlicht am , Julius Stiebert

Neil Wilson arbeitete bis vor kurzem noch bei Sun am Verzeichnisserver OpenDS, zu dessen Leitung er zählte. In einem offenen Brief an die OpenDS-Community und an Sun erzählt Wilson, wie sich Sun in den vergangenen Monaten verhielt. Nachdem er und weitere Projektmitglieder entlassen wurden, schreibt Wilson, wären sie noch zwei Monate formal bei Sun geblieben und hätten dort zwar nicht mehr gearbeitet wie früher, sich aber entschieden, trotz des Arbeitsplatzverlustes weiter in dem Projekt aktiv bleiben zu wollen.

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Da alle vier Projektleiter entlassen wurden, wollten sie einen fünften hinzuholen, der noch bei Sun arbeitet, so Wilson. Sun teilte den vier allerdings mit, dass sie die komplette Kontrolle über das Projekt abgeben sollten. Laut Wilson wurde damit gedroht, dass sie sofort entlassen und keine Abfindung erhalten würden, sollten sie sich weigern. Sie selbst hätten jedoch nur im Sinne der Community vorgehen wollen, schreibt Wilson.

Um "Vergeltungsmaßnahmen" seitens Sun zu verhindern, habe er mit seinem offenen Brief gewartet, bis er kein Sun-Angestellter mehr sei, so Wilson, der damit gleichzeitig seine Beteiligung am OpenDS-Projekt beendet. Wilson bemerkt allerdings auch, dass er dieses Verhalten nicht für repräsentativ hält, sondern davon ausgeht, dass insbesondere Sun-Mitarbeiter wie CEO Jonathan Schwartz und Open-Source-Chef Simon Phipps nicht nur eine ehrliche Open-Source-Strategie verfolgen, sondern auch von diesen Vorfällen nichts gewusst haben dürften.

Allerdings erzählt Wilson laut Sun nicht die gesamte Geschichte. So stellte Simon Phipps in einem Kommentar auf den offenen Brief klar, dass Sun zuvor schon als "Project Lead" eingetragen war, die Projektleitung dies aber gelöscht habe. Dies hätte einfach nur rückgängig gemacht werden sollen. Wilson antwortet darauf allerdings, dass diese Änderung eine offizielle Entscheidung bei Sun gewesen sei. Auch Phipps Frage, warum Wilson sich nicht an Suns Open-Source-Ombudsmann gewandt habe, beantwortet Wilson damit, dass er dies getan, jedoch keine Antwort erhalten habe.

Wilson geht davon aus, dass Sun lieber die absolute Kontrolle über das Projekt haben wollte, anstatt ein durch die Community geführtes Projekt zu unterstützen. Phipps bot Wilson zwar an, ihn direkt zu kontaktieren, um der Sache auf den Grund zu gehen - doch Wilson lehnte dies ab. Er sehe darin keinen Sinn und habe den Eindruck, Phipps würde seine Position nutzen, um Wilsons Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen und sei zudem ohnehin nur um Schadensbegrenzung für Sun bemüht.

Phipps antwortete auch darauf wieder und bat Wilson, die Sache direkt mit ihm zu klären, zumal er eine Kopie einer öffentlichen Anschuldigung nicht als richtigen Kontaktversuch mit dem Ombudsmann ansehe. Persönlich ließe sich das Problem lösen, ohne dass eine der Parteien im Nachhinein ihr Vorgehen bereuen müsse, so Phipps.

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