iPhone in Deutschland - Vodafone befürchtet Monopol (Update)
Im Gespräch mit der Berliner Zeitung(öffnet im neuen Fenster) begründete Friedrich Joussen, seines Zeichens Chef von Vodafone Deutschland, den Rechtsstreit mit T-Mobile um die Vermarktung des iPhones in Deutschland. "Bei der juristischen Auseinandersetzung geht es darum, die Spielregeln für den deutschen Handy-Markt zu klären." Gesetze und die Mobilfunk-Lizenzen würden vorschreiben, dass ein Mobiltelefon grundsätzlich in jedem Netz funktionieren muss. Dies sei erstmals bei dem iPhone nicht der Fall, weil es mit SIM-Lock angeboten wird und somit nur im Netz von T-Mobile funktioniert.
Joussen bemängelt außerdem, dass das iPhone vor der durch Vodafone erwirkten einstweiligen Verfügung nicht ohne Mobilfunkvertrag zu bekommen war. Seine Forderung lautet: "Nicht nur das iPhone für wenige, sondern das iPhone für alle.
Nach Joussens Ansicht habe das Vertriebsmodell des iPhones nichts mit den Angeboten von subventionierten Mobiltelefonen in Verbindung mit einem 2-Jahres-Vertrag zu tun. Hier seien diese Bindungen an die Verträge nötig, weil sich die Subvention der Geräte ansonsten nicht rechne. Dann würden Mobiltelefone jedoch auch immer ohne SIM-Lock zu haben sein und die Mobiltelefone seien ohne Mobilfunkvertrag erhältlich.
Vor Gericht hatte T-Mobile eingeräumt , dass Apple an den Mobilfunkumsätzen beteiligt wird, die mit dem iPhone erzeugt werden. Entsprechende Vermutungen machen bereits länger die Runde, eine offizielle Bestätigung von Apple oder einem der betreffenden Netzbetreiber gab es bislang aber nicht. Wie hoch diese Beteiligung ist, wollte T-Mobile nicht verraten. Nach Auffassung von T-Mobile sei das gleichzusetzen mit der Subventionierung eines Mobiltelefons, wie es marktüblich ist. Dem widerspricht Vodafone vehement, denn der iPhone-Preis sei nicht subventioniert.
Das Marktmodell von T-Mobile mit dem iPhone ist ein Präzedenzfall, der neue Monopole zu Lasten des Kunden schafft" , meint Joussen. Der Markt werde von Apple und T-Mobile wettbewerbswidrig geändert. Nach Joussens Einschätzung erhalte Apple schätzungsweise 30 Prozent der Mobilfunkumsätze, die iPhone-Käufer über das Netz von T-Mobile generieren. "Ich möchte bloß vermeiden, dass Apple mir sagt, wie der Markt zu funktionieren hat" , begründet Joussen das juristische Vorgehen. Er wolle den Fall von einem Gericht geklärt wissen. Davon verspricht er sich Planungssicherheit.
Vodafone hatte seinerzeit auch mit Apple darüber verhandelt, das iPhone in Deutschland exklusiv zu vertreiben. Joussen erklärt das Ende der Verhandlungen unter anderem damit, dass frühzeitig bemerkt wurde, "dass wir mit dem von Apple verlangten Exklusivvertrag juristisch angreifbar geworden wären" . Zudem habe Vodafone die Verhandlungen abgebrochen, "weil die von Apple verlangte Umsatzbeteiligung und das Mitspracherecht beim Vertrieb für uns nicht akzeptabel waren" .
Gegenüber der Wirtschaftswoche(öffnet im neuen Fenster) gab Joussen einen Ausblick auf den künftigen Mobilfunkmarkt. Der Vodafone-Chef erwartet für die Zukunft, dass die Tarife im Mobilfunk nicht mehr viel weiter fallen werden. Stattdessen würden die Gesprächskosten auf dem jetzigen Niveau bestehen bleiben. Deutschland gehöre in Europa bereits zu den Ländern mit den niedrigsten Tarifen, meint Joussen.
Nachtrag vom 3. Dezember 2007 um 12:23 Uhr:
Wie die Nachrichtenagenturen dpa(öffnet im neuen Fenster) und AP(öffnet im neuen Fenster) übereinstimmend berichten, hat das Hamburger Landgericht die Entscheidung zum iPhone-Gerichtsstreit auf Dienstag, den 4. Dezember 2007, vertagt. Die Zivilkammer des Gerichts habe noch keine abschließende Entscheidung getroffen.