Spieletest: Need For Speed Pro Street - Alles wird anders
Electronic Arts wagt Neustart – und riskiert viel. Die Need-For-Speed-Reihe gehört zweifellos zu den Klassikern der Videospielbranche – kein Wunder, dass sich trotz unterschiedlicher Schwerpunktsetzung in den letzten Jahren zahlreiche Ermüdungserscheinungen bemerkbar machten. Um diesen entgegenzuwirken, krempelte Electronic Arts das Konzept der Serie für Pro Street komplett um; eben das dürfte zahlreichen Rennspielfans allerdings alles andere als gefallen.
Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.
Freie Fahrten durch die Stadt sind anno 2007 ebenso Geschichte wie illegale Racing-Events, wilde Verfolgungsjagden durch die Stadt oder glitzernde nächtliche Straßen. Need For Speed Pro Street hat sich dafür dem Straßenrennen verschrieben: Auf abgesperrten Kursen, ohne Gegenverkehr oder sonstige überraschende Ereignisse tritt man als Nachwuchspilot Ryan Cooper an, dem großmäuligen Ryo die Krone der Szene streitig zu machen. Auf einer Weltkarte wird dafür ein Renntag nach dem anderen ausgewählt. Jeder einzelne von ihnen besteht aus mehreren Rennaufgaben, die wahlweise auch zunächst im Training geübt werden können.
Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.
Die Rennmodi sind mehr oder weniger allesamt bekannt – neben klassischen Platzierungsfahrten gibt es auch Zeitaufgaben, Radarfallen-Rasereien, Drift-Events oder Drag-Wettbewerbe; bei Letzteren müssen in einer Art Minispiel zunächst die Reifen aufgewärmt werden, danach gilt es, so akkurat wie möglich zu schalten. Für jeden Rennerfolg winken Preisgelder, die in Pro Street notorisch knapp sind – vor allem, weil man nicht nur für den Ausbau des eigenen Fuhrparks, sondern auch fürs Tuning oder dringend nötige Reparaturen Bares benötigt.
Eben diese Reparaturen deuten es schon an: Pro Street will sich ein gutes Stück vom Arcade-Ruf der Serie hin zur ernstzunehmenden Simulation bewegen. Das beginnt schon bei den drei anwählbaren Schwierigkeitsgraden: Im einfachsten gibt es Bremsassistenten und Ideallinie, in der King-Option hingegen wird es teils wirklich zur Herausforderung, die Wagen akkurat durch die Kurven zu führen. Allerdings haben die Entwickler den Simulationsaspekt nicht zu Ende gedacht: Das Spiel ist immer noch weit entfernt von der Feinfühligkeit eines Forza Motorsport, gleichzeitig aber fast schon zu anspruchsvoll, um für eine kurze und spaßige Runde zwischendurch herausgekramt zu werden.
Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.
Abgesehen vom etwas halbgaren Fahrmodell gibt es aber noch mehr Dinge, die enttäuschen. Eine zusammenhängende Story etwa fehlt diesmal; zwar waren die recht klischeebeladenen Zwischensequenzen etwa aus NfS Underground nicht jedermanns Sache, die jetzt verwendeten kleinen Videos und Ansagen rund um den Rennzirkus und die Kommentare nach den Siegen wollen aber beim besten Willen keine Atmosphäre aufkommen lassen. Auch optisch ist Need For Speed Pro Street – weder auf PC noch auf Xbox 360 – eine wirkliche Augenweide: Die neue Farblosigkeit mag dem gestiegenen Realismus geschuldet sein, der die knalligen Leucht- und Spiegeleffekte früherer NfS-Titel hätte überzogen wirken lassen. Aber auch abgesehen davon hätte das Schadensmodell mehr Details, die Strecken mehr Objekte gebrauchen können.
Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.
Zugegebenermaßen gewinnt Pro Street mit steigender Spieldauer an Faszination: Spätere Fahrzeuge steuern sich deutlich interessanter als die trägen Anfangsboliden wie etwa der Golf GTI, die Streckenvielfalt – vom Tokioter Stadtkurs bis zu deutschen Autobahnen – halten einige Abwechslung bereit, der Tuning-Teil ist riesig ausgefallen und lässt kaum Wünsche offen. Der Multiplayer-Part hingegen zieht eher Frust denn andauernde Motivation nach sich – Verbindungsschwierigkeiten und Lags sorgen hier derzeit für viel Unmut.
Need For Speed Pro Street ist neben den hier getesteten Versionen für PC und Xbox 360 (bei denen die Xbox 360 dank besserer Optik eher zu gefallen weiß) auch für die PlayStation 3, PlayStation 2 und Nintendo Wii erhältlich.
Fazit: Man muss Electronic Arts durchaus Respekt zollen, dass sie das Konzept der Need-For-Speed-Reihe für Pro Street komplett auf den Kopf gestellt haben. Das Endergebnis dürfte allerdings polarisieren: Weder das irgendwo zwischen Arcade und Simulation angesiedelte Fahrgefühl noch die zurückhaltende Präsentation wissen wirklich zu begeistern; vor allem Anhänger der letztjährigen NFS-Titel werden wohl nicht so schnell mit diesem Spiel warm werden.