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Körperscan in einer Minute

Ein neues Bild des Menschen. Auf der Tagung der amerikanischen Radiologen hat Philips einen neuen Computertomographen vorgestellt. Dieser liefert nicht nur bessere Bilder aus dem menschlichen Körper, sondern setzt auch den Patienten einer geringeren Strahlendosis aus.
/ Werner Pluta
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Ein Blick in das Innere des menschlichen Körper war lange nur mit dem Skalpell möglich. Erst die Erfindung von Wilhelm Conrad Röntgen, für die er 1901 den ersten Physiknobelpreis bekam, erlaubte es, einen Körper mit radioaktiven Strahlen zu durchleuchten. Allerdings mit Nebenwirkungen für den Durchleuchteten: Die Dosis ist zwar gering, dennoch schädigen radioaktive Strahlen das menschliche Gewebe. Auch die Ergebnisse waren nicht befriedigend: Mit einer Röntgenaufnahme können nicht alle Gewebearten abgebildet werden.

Neue Verfahren wie die Computertomographie (CT) liefern da erheblich bessere Bilder von der menschlichen Anatomie. Diese Woche hat Philips auf dem Jahrestreffen(öffnet im neuen Fenster) der Radiological Society of North America (RSNA)(öffnet im neuen Fenster) in Chicago einen neuen Computertomographen mit dem Namen "Brilliance iCT" vorgestellt, der blitzschnell Bilder des Körpers in bisher nicht gekannter Schärfe macht. Innerhalb von nur zwei Schlägen tastet das Gerät das Herz ab. Der Scan des ganzen Körpers nimmt nicht einmal eine Minute in Anspruch.

Anders als beim herkömmlichen Röntgen, wo die Strahlen den Körper durchdringen und auf eine zweidimensionale Fotoplatte treffen, umkreist bei der Computertomographie die Röntgenquelle den Patienten. Bei dem neuen Philips-Gerät rotiert die Röntgenquelle gleich vier Mal in der Sekunde um den Patienten. Das ist deutlich schneller als bisherige Systeme. Vorteil für den Patienten ist, dass er eine laut Philips wesentlich geringere Strahlendosis abbekommt. Außerdem erlaubt die hohe Geschwindigkeit höher auflösende Aufnahmen.

Während die Röntgenquelle den Patienten umkreist, nimmt sie den Körper aus allen Perspektiven auf. Diese Bilder setzt der Computer dann zu einem dreidimensionalen Bild des Körpers oder einzelner Organe zusammen. Der Arzt kann dann ein Organ von verschiedenen Seiten und aus verschiedenen Perspektiven betrachten und genauere Diagnosen stellen.

Die ersten CT-Scanner wurden unabhängig voneinander Anfang der 70er-Jahre in England und den USA entwickelt. Wie ihr Vorgänger Röntgen erhielten die beiden Erfinder, Sir Godfrey Newbold Hounsfield und Allan McLeod, einen Nobelpreis. Allerdings nicht in Physik: Sie teilten sich 1979 den Nobelpreis für Medizin.

Mit einem Computertomographen kann man übrigens nicht nur lebendige Menschen durchleuchten: 2005 durchleuchteten europäische und ägyptische Wissenschaftler die Mumie des Pharao Tutanchamun. Dabei konnten sie die lange gültige Meinung widerlegen, der Pharao sei durch einen Schlag auf den Hinterkopf ermordet worden.


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