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Chinas Surfer leben den digitalen Lifestyle

Mehr Onlinesüchtige als in den USA. Eine Studie in den USA kommt zu einem erstaunlichen Ergebnis: Junge Chinesen sind ihren amerikanischen Altersgenossen beim digitalen Lifestyle weit voraus. Allerdings hat die intensive Internetnutzung nicht nur Vorteile.
/ Werner Pluta
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Trotz der Maßnahmen der Regierung in Peking, das Internet zu regulieren, hat sich in China eine rege Online-Kultur entwickelt. Nach einer Studie des amerikanischen Medienkonzerns IAC/InterActiveCorp und der amerikanischen Werbeagentur JWT nutzen junge Chinesen das Internet sehr viel intensiver als ihre Altersgenossen in den USA. So gaben beispielsweise fast zwei Drittel der befragten Chinesen (61 Prozent) an, ein paralleles Leben im Netz zu führen. Das sind fast fünfmal so viele wie in den USA (13 Prozent).

Ziel der Studie mit dem Titel "Young Digital Mavens(öffnet im neuen Fenster)" (etwa: Junge digitale Experten) war es, herauszufinden, wie sich die Einstellung junger Amerikaner und Chinesen gegenüber digitalen Medien entwickelt. Das erstaunliche Ergebnis: Für die jungen Chinesen scheint die digitale Welt eine größere Bedeutung zu haben als für Amerikaner. Zwar bejahten diesseits wie jenseits des Pazifiks eine große Mehrheit der Befragten, dass die digitale Technik unverzichtbarer Teil ihres Lebensstils sei. Allerdings fühlen sich nur 12 Prozent der Amerikaner ohne das tägliche Surfen im Netz unwohl; in China sind es doppelt so viele. Noch deutlicher sind die negativen Auswirkungen des digitalen Lebens: 42 Prozent der befragten Chinesen fühlten sich zeitweise abhängig vom digitalen Leben, verglichen mit nur 18 Prozent der Amerikaner.

Das mag daran liegen, dass die Chinesen das Internet stärker für soziale Aktivitäten nutzen. Mehr als drei Viertel von ihnen haben Freunde über das Internet gefunden – gegenüber 30 Prozent der Amerikaner. Besonderer Beliebtheit bei den Surfern in Fernost erfreuen sich Online-Spiele: 77 Prozent der Chinesen fanden Spiele gegen Online-Gegner attraktiver, während die Amerikaner offensichtlich das Spiel allein gegen den Computer bevorzugen: Nur 30 Prozent macht das Spiel gegen die Online-Gegner mehr Spaß.

"Die Chinesen scheinen den Amerikanern weit voraus sein, wenn es darum geht, ein digitales Leben zu führen", sagte IAC-Chef Barry Diller am Freitag auf einer Veranstaltung an der Universität Peking und unterstrich die positiven Auswirkungen für China: "Mehr Online-Aktivitäten bedeuten besser angebundene und entwickelte Arbeitkräfte – genau das, was China braucht auf seinem Weg von der Werkstatt der Welt zu einer entwickelten, eigenständigen Wirtschaft."

Für Chinas Surfer gibt es schließlich noch einen weiteren Grund, sich häufig im Internet zu bewegen. Anders als in den westlichen Demokratien gibt es in China nur eingeschränkt die Möglichkeit, seine Meinung oder Kritik zu äußern. Deshalb nutzen viele die Anonymität des Internets: Knapp 80 Prozent der befragten Chinesen schätzen die Möglichkeit, ihre ehrliche Meinung anonym im Internet äußern zu können.

Tatsächlich hat sich im chinesischen Internet in den letzten Jahre eine lebendige Szene von Diskussionsforen entwickelt. Eines der größten und beliebtesten Foren wird sogar von der regierungsoffiziellen "Renmin Ribao" ("Tägliche Volkszeitung") betrieben. Nicht immer scheint das, was online geschrieben wird, auch konform mit der herrschenden Meinung: Immerhin 73 Prozent der jungen Chinesen gaben zu, dass sie online Dinge sagen oder tun, die sie im realen Leben nicht sagen oder tun würden. In den USA spielen diese beiden Aspekte ein deutlich geringere Rolle (42 und 32 Prozent Zustimmung).

Für die Studie hatten die Befrager im November 1.079 Amerikaner und 1.104 Chinesen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren interviewt.

Nach Angaben des China Internet Network Information Center (CNNIC) hatten im Juni dieses Jahres 162 Millionen Chinesen Zugang zum Internet. Damit ist China nach den USA (rund 200 Millionen Nutzer) die zweitgrößte Internetnation. Während jedoch bereits 70 von 100 Amerikanern online sind, sind es in China nur 12. Das CNNIC erhebt zwei Mal im Jahr die Nutzerzahlen in China. Ende 2006 waren 137 Millionen Chinesen online.


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