Warner-CEO Bronfman singt den DRM-Blues

Kopierschutzspezialist Macrovision kauft All Media Guide

Der Strukturwandel in der Musikindustrie geht weiter. Anfang November hat der Kopierschutz- und DRM-Spezialist Macrovision den All Media Guide eingekauft. Universal Music unternimmt in Großbritannien erste Gehversuche mit DRM-freien MP3-Titeln und Warner-CEO Edgar Bronfman Jr. gibt öffentlich zu, dass die Kopierschutz-Strategie der Musikindustrie gescheitert ist.

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Macrovision, Spezialist für Kopierschutz- und DRM-Lösungen für Musik und Film, ist auf Einkaufstour. Nicht nur wurde gerade die SPDC-Technik (Self-Protecting Digital Content) für Blu-ray Disc von Cryptography Research erworben. Anfang des Monats hatte Macrovision bereits die Übernahme des 1991 gegründeten All Media Guide (AMG) für eine unbekannte Summe bekanntgegeben. AMG ist nach dem mittlerweile zu Philips Content Identification gehörenden Gracenote und Audible Magic der drittgrößte Anbieter von Metainformationen für Medieninhalte.

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Zu den Kronjuwelen von AMG zählt neben den Datenbanken mit Metadaten die Medien-Identifikationslösung LASSO, die zu CDs, DVDs und einzelnen Musiktiteln durch Fingerprinting die zugehörigen Metadaten ermittelt und so unter anderem die Verwaltung von Medieninhalten in Client-seitigen Datenbanken ermöglicht.

In einer Zeit, in der immer mehr Plattenfirmen, kleine wie große, auf den Einsatz von Kopierschutz und DRM zugunsten des kompatiblen MP3-Formats verzichten, erscheint der Kauf von AMG durch Macrovision aus Unternehmenssicht nur logisch.

EMI hatte den Anfang gemacht, Universal Music folgt vorsichtig. In Großbritannien hat das nächste große Major-Label den Schritt in die DRM-Freiheit gewagt - vorläufig noch als Feldversuch. Universal Classics and Jazz (UCJ) bietet seit kurzer Zeit seinen Katalog mit klassischen und Jazz-Aufnahmen im eigenen Online-Musikladen classicsandjazz.co.uk an. Dieser Schritt erfolgte nach eigener Aussage als Antwort auf "die Nachfrage der Verbraucher nach DRM-freien, offenen MP3s, die sich auf vielen unterschiedlichen Abspielgeräten [...], darunter Mobiltelefone und iPods, abspielen lassen". Dickon Stainer, Verwaltungsdirektor von UCJ, erklärte dazu weiter: "Indem wir unseren ganzen Katalog im offenen MP3-Format bereitstellen, bekommen wir die Möglichkeit, die Nachfrage und die Auswirkungen auf den Download-Markt für Musik zu beurteilen - und natürlich auch, ob wir ein Piraterie-Problem bekommen."

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Während Universal Music so in die Offensive geht, räumte einer der schärfsten Verfechter des "Kriegs gegen die Verbraucher", Warner-CEO Edgar Bronfman Jr., erstmals Fehler der Musikindustrie ein. Bisher wollte sich Warner in Fragen Kopierschutz und DRM partout nicht bewegen. Das sahen immer mehr Beobachter als Problem an. Schließlich wurde sogar die Warner-Aktie wegen des Beharrens auf DRM von einem Aktienanalysten herabgestuft.

Auf dem GSMA Mobile Asia Congress revidierte Warner-CEO Bronfman nun seine Position. Er sagte laut BetaNews: "Wir dachten, unsere Inhalte waren perfekt, so wie sie waren. Wir erwarteten, dass unsere Geschäfte wie gewohnt weiterlaufen würden, während die Welt der Interaktivität, der permanenten Verbindungen und des Filesharings explosionsartig wuchs. Wir hatten natürlich Unrecht."

Mit diesen aktuellen Aussagen widersprach Bronfman allem, was er in der Vergangenheit zu den Problemen der Musikindustrie zu sagen hatte. Bisher waren immer die Verbraucher - die "Piraten" - und Apple mit iPod und iTunes Music Shop Schuld an den Problemen. Eher würde "die Hölle zufrieren", als dass Warner seine Musik ohne Kopierschutz anbieten würde, hatte Bronfman früher verkündet.

Noch vor wenigen Wochen hatte Warner überdies mitgeteilt, den Ende des Jahres auslaufenden Vertrag mit Apple über die Vermarktung des Warner-Kataloges nicht zu verlängern, wenn Apple sich nicht auf eine flexiblere Preisgestaltung einlassen würde. Apple hat nicht nachgegeben. Nun singt Bronfman nicht nur den DRM-Blues, sondern auch das Hohelied auf Apple: "Man muss gar nicht weiter als bis zu Apples iPhone schauen, um zu erkennen, wie schnell brillant geschriebene Software auf einem wunderschön gestalteten Gerät mit einem spektakulären Benutzer-Interface alle bisher gültigen Vorstellungen über Preisgestaltung, Abrechnung und Markentreue schlicht aus dem Fenster befördert".

Angesichts der jetzt erfolgten Kehrtwende sah sich Wired denn auch prompt veranlasst, zu titeln: "Hell Freezes Over: Warner Music Claims iTunes is Digital Music Done Right".

Der Strukturwandel in der Musikindustrie geht ganz offenbar dynamisch voran. [von Robert A. Gehring]

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Captain 22. Nov 2007

ööööhm, wieso komm ich an die Videos von Linkin Park?

ThadMiller 21. Nov 2007

Die einen, die anderen werden immer reicher...

Rainer Tsuphal 21. Nov 2007

Schwanengesang wäre auch lustig, sogar erfreulicher.

Jay Äm 21. Nov 2007

Tja, und ich nicht. Höre da nämlich keinen Unterschied. Und ich vermute, der Masse gehts...



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