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Spieletest: Call Of Duty 4 - Kurz, aber heftig

Infinity Ward mit neuem Action-Highlight. Neben Crysis war Call Of Duty 4 wohl der mit Abstand am meisten erwartete Shooter in diesem Jahr – nach den Glanzleistungen der Vergangenheit traute man dem Entwicklerteam von Infinity Ward auch diesmal wieder ein Action-Highlight zu. Die Vorfreude war glücklicherweise auch diesmal voll und ganz berechtigt.
/ Thorsten Wiesner
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Der Zweite Weltkrieg hat ausgedient: Nachdem sich wohl fast jeder Spieler gelangweilt über das überstrapazierte WW2-Szenario geäußert hatte, wurde umgesattelt – Call Of Duty 4 ist nicht mehr in der Vergangenheit angesiedelt, sondern im Hier und Jetzt. Ein russischer Terrorist sorgt in seinem Heimatland und im Nahen Osten für Unruhe und als Spieler muss man sowohl in die Rolle eines britischen SAS-Soldaten als auch in die eines US-Marine schlüpfen, um den Frieden zu sichern. Schauplätze und Charaktere sind allesamt fiktiv, Parallelen zum aktuellen politischen Weltgeschehen natürlich trotzdem nicht von der Hand zu weisen.

Das prinzipielle Gameplay hat sich – trotz verändertem Szenario – natürlich nicht geändert. Immer noch gilt es, in einer Mission nach der anderen die feindliche Übermacht zurückzuschlagen, Stellungen zu halten, Gebäude zu infiltrieren, sich in zerbombten Gebäuden zu verschanzen oder in Außenarealen ausufernde Feuergefechte zu bestreiten. Das Kriegsgerät ist dafür natürlich ungleich moderner: Neben diversen Feuerwaffen (zwei dürfen jeweils gleichzeitig mitgeführt werden) und Granaten rücken auch immer wieder moderne Fahrzeuge dem Spieler zuleibe.

Sowohl die KI der Kontrahenten als auch die der Kameraden überzeugt größtenteils – man kann sich einerseits sicher sein, dass die Kontrahenten intelligent und gezielt schießen, andererseits darf man sich in brenzligen Situationen auch darauf verlassen, dass das eigene Team weiter vorrückt, Deckung gibt oder die Gegnerschar dezimiert. Die eigentliche Stärke von Call Of Duty 4 ist allerdings nicht unbedingt das taktische Vorgehen der KI, sondern die explosive, atmosphärisch immens dichte Inszenierung – von der ersten bis zur letzten Minute wird hier ein Action-Feuerwerk losgelassen, wie man es in dieser Intensität bisher kaum erleben durfte.

Egal, ob der Spieler zu Beginn einer Mission mit dem Hubschrauber zum Einsatzort geflogen wird und sich bereits nach wenigen Sekunden im Kugelhagel wiederfindet, möglichst lautlos über ein Feld schleichen muss, auf dem gerade die gesamte feindliche Armee auf einen zurollt, in auswegloser Situation in einem kleinen Dorf die Stellung halten oder sich als Scharfschütze beweisen muss – die Spannung ist hier fast immer direkt spürbar. Überraschende Skript-Ereignisse lassen kaum Luft zum Atmen; die Ziele ändern sich innerhalb der Missionen oft recht überraschend, angesichts der meist ohrenbetäubenden Feuergefechte wäre an längere Verschnaufpausen aber ohnehin nicht zu denken.

Eben diese nahezu perfekte Inszenierung tröstet auch ein wenig darüber hinweg, dass die Solo-Kampagne ebenso heftig wie schnell vorbei ist – nach etwa sieben Stunden ist schon wieder Schluss. Wie schon in der Vergangenheit darf sich aber auch hier wieder mit einem umfassenden Multiplayer-Modus getröstet werden – und der ist besser denn je. Neben zahlreichen Modi und Maps sorgen vor allem die zahlreichen, durch erfolgreiche Mehrspieler-Partien freischaltbaren Extras für lang anhaltende Motivation: Neue Spielerklassen, neue Ausrüstungsgegenstände, neue persönliche Stärken – den Entwicklern ist es äußerst gut gelungen, nach und nach immer mehr Extras zu bieten und die Spieler für besonders erfolgreiche Partien auch mit einigen wirklich netten Boni zu belohnen.

Sowohl auf dem PC als auch auf der Xbox 360 sieht Call Of Duty 4 hervorragend aus (die PS3-Version lag uns nicht vor) – grandiose Zwischensequenzen, stimmige Animationen, detaillierte Szenerien und beeindruckende Effekte verwöhnen das Auge. Auch die Akustik gibt keinen Grund zur Klage; Besitzer großer Lautsprecheranlagen können sich auf ein wahres Feuerwerk von mächtigen Explosionen, Gesprächsfetzen und herumzischenden Kugeln sowie eine wirklich dramatische Musikuntermalung freuen.

Call Of Duty 4 ist für PlayStation 3, Xbox 360 und PC bereits im Handel erhältlich; das Spiel hat von der USK keine Jugendfreigabe erhalten.

Fazit:
Call Of Duty 4 ist – betrachtet man nur die Einzelspieler-Kampagne – ein recht kurzes Vergnügen. In den gebotenen sieben Stunden hat man allerdings mehr Spaß als in vielen anderen Shootern zusammen: Wilde Feuergefechte warten ebenso auf den Spieler wie spannende Schleichmissionen; Abwechslung, Atmosphäre und Intensität suchen ihresgleichen. Der hervorragende Multiplayer-Modus tut zudem ein Übriges dazu, Call Of Duty 4 zu einem der besten Shooter des Jahres zu machen – und die Klasse des Entwicklerteams Infinity Ward wieder einmal deutlich werden zu lassen.


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