Die Linke: Computerspiel-Förderung geht am Ziel vorbei
Förderungswürdig sei hingegen die Einrichtung von Studiengängen für Game Design und Spieleentwicklung an öffentlichen Hochschulen. "Bislang sind solche in Deutschland nur an wenigen privaten – und somit teuren – Studieneinrichtungen zu finden" , bemängelt Bisky. Auch Olaf Wolters, Geschäftsführer des Spielepublisher-Branchenverbands BIU, hatte sich in seinem Lob auf den Förderungsantrag "staatliche Unterstützung im Bereich der Medienkompetenzvermittlung sowie bei der Stärkung der für die Computer- und Videospiele-Industrie relevanten Ausbildungsbereiche" gewünscht.
Erfahrene Spieleentwickler sind ein rares Gut – selbst große Entwicklerstudios wie Crytek müssen längst international um Angestellte werben. Um das Problem zu lindern, ist Crytek deshalb eine Partnerschaft mit der Games Academy eingegangen, die nun auch in Frankfurt ausbildet. Crytek gilt mit seinen erfolgreichen Shootern Far Cry und dem in dieser Woche erschienenen Crysis als das bisher erfolgreichste deutsches Spielestudio – und mittlerweile dürfte es mit über 120 Angestellten auch das größte sein. Gegen die Anfeindungen aus dem politischen Lager hat Crytek wiederholt mit Abwanderung gedroht – "Killerspiel"-Verbotsrufe gibt es aber seitens Bisky nicht:
"Meine Damen und Herren, wenn Sie sowohl erfolgreiche Computerspiele als auch qualitativ hochwertige Produkte wollen, sollten Sie bedenken, dass die meisten international erfolgreichen Computerspiele in das Genre der so genannten 'Killerspiele' fallen. Die Linke lehnt einen prohibitiven Umgang mit gewalthaltigen Computerspielen ab. Wir wenden uns ausdrücklich gegen die immer noch vorhandene Diffamierung großer Teile der Entwicklerbranche und Hunderttausender von Nutzerinnen und Nutzer so genannter Killerspiele. Dass mir persönlich solche Killerspiele mehr als fremd sind, will ich dabei nicht verhehlen. Und zu einem humanistischen und solidarischen Menschenbild tragen sie mit Sicherheit nicht bei. Dennoch gilt: Die Freiheit von Kunst und Kultur ist ein hohes Gut" , betont Bisky.
Die Regelungen des Arbeitszeitgesetzes, des Arbeitsschutzes und ein sozial verantwortlicher Umgang mit den Beschäftigten seien in dieser Branche seit vielen Jahren außer Kraft gesetzt. Wenn die SPD und CDU/CSU eine stärkere Förderung der Computerspiele-Entwicklung wollen, müssen sie diese mit einer Sicherung der arbeitsrechtlichen Mindeststandards zwingend verknüpfen, mahnt Bisky. "Die Forderung nach 'Guter Arbeit' gilt auch für Entwickler und Entwicklerinnen von Computerspielen. Und darum schlage ich Ihnen vor, künftig ein 'Fair Work-Siegel' für Computerspiele zu verleihen, also etwas wie einen Umwelt-TÜV für Arbeitsbedingungen."
Durch unabhängige Kontrollen und die Einrichtung einer unabhängigen Beschwerde-Hotline könnten Bisky zufolge "wenigstens die Mindeststandards der Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und der frei Beschäftigten" gesichert werden. Bei der Auslobung des Computerspiel-Preises und als Bedingung für den Erhalt weiterer Fördermittel müsse das Siegel "als entscheidendes Kriterium mit aufgenommen werden."
"Liebe Kolleginnen und Kollegen, Sie haben es in Ihrem Antrag verpasst, die weitere zukünftige finanzielle Förderung der Branche mit einer Verbesserung der Beschäftigungssituation zu verknüpfen. Das aber scheint mir außerordentlich wichtig zu sein" , so Bisky zum Abschluss seiner Rede in Richtung Koalition.
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