Interview: Web 2.0 verändert die Gesellschaft fundamental
Golem.de: Ich würde gern noch auf einen ganz anderen Aspekt zu sprechen kommen: Du beschäftigst Dich unter anderem viel mit AIR und Flash. Warum brauchen wir solche Plattformen wie AIR und Silverlight, die Webapplikationen wieder auf den Desktop bringen. Reicht der Browser als Plattform nicht aus?

AIR: Kuler
Nickull: Wir wollen den Browser nicht ablösen. Adobe macht Werkzeuge für Entwickler und hört diesen zu, um herauszufinden, was sie wollen. Die Entwickler schildern uns ihre Probleme und erwarten Lösungen von uns. Eines der Probleme, die Entwickler heute haben, ist die Kluft zwischen umfangreichen und schwergewichtigen Desktop-Applikationen und der RIA-Welt innerhalb des Browsers, die durch dessen Sicherheitsmodell eingegrenzt wird. Entwickler wollen aber über einfache Symbol-Interfaces wie Webseiten hinausgehen und dabei ihre RIA-Fähigkeiten nutzen, insbesondere ihr Können in Sachen Ajax, HTML, CSS, Flash und Flex. Sie wollen mehr machen als im Browser möglich ist.
Unsere Antwort ist, den Flash-Player aus dem Browser zu lösen und direkt mit dem Betriebssystem sprechen zu lassen statt mit dem Browser, der seinerseits mit dem Betriebssystem spricht. Damit beseitigen wir eine Hürde, denn auch wenn man Ajax-Applikationen schreibt, kommt man nicht umhin, diese in jedem Browser und jeweils auch in unterschiedlichen Versionen eines Browsers zu testen. Mit Flash und Flex kann man dem aus dem Weg gehen, da sich der Flash-Player darum kümmert. Mit AIR bekommt man nun ein bisschen mehr Möglichkeiten dabei. Auf den Adobe-Labs-Seiten finden sich einige unglaubliche Beispiele, die zeigen, was mit AIR möglich ist.
Golem.de: Ist das nicht trotzdem wieder ein Schritt zurück zu proprietären Technologien, die den Browser ersetzen? Viele betrachten Flash als eine proprietäre Technologie, auch wenn Du in Deinem Blog argumentierst, Flash sei offen?
Nickull: Das habe ich nie gesagt, ich habe nur gefragt, ob "Flash wirklich offen ist". Bei AIR stimme ich Dir zu, das ist heute eine proprietäre Technologie. Aber wir bieten das Flex SDK als Open Source an und es kommen Techniken wie ActionScript 3, HTML, CSS und PDF zum Einsatz - allesamt offene Standards.

AIR: AdobeMediaPlayer
Wir haben PDF an die ISO übergeben und ich war einer der stärksten internen Befürworter. Adobe entwickelt Softwarewerkzeuge und ist keine Standardisierungsorganisation und wollen das auch nicht werden, soweit ich das sagen kann. Mit PDF haben wir eine Technik entwickelt, bei der wir an den Punkt kamen, wo wir nicht mehr bestimmen konnten, in welche Richtung sich die Technik künftig entwickeln soll. Daher haben wir uns nach einer Infrastruktur umgeschaut, der wir die künftige Entwicklung anvertrauen konnten.
Ich habe mich über zehn Jahre mit der Entwicklung von Standards auseinander gesetzt und war an der Entwicklung von Standards beteiligt, die nie wirklich genutzt wurden. Ich war aber auch an Entwicklungen beteiligt, die zu einem De-facto-Standard wurden, weil sie jeder eingesetzt hat. Es bedarf hier eines Gleichgewichts. Ein Standard ist für mich offen - und das ist jetzt meine ganz persönliche Definition -, wenn er zunächst einmal eine offene Spezifikation hat, es einen Prozess gibt, über den sich Leute an dessen Entwicklung beteiligen können, der keine großen Lasten mit sich bringt, so dass er überhaupt nur von einem Unternehmen umgesetzt werden kann und auch von mehr als einem Unternehmen unterstützt wird wie beispielsweise PDF, für das unterschiedliche Implementierungen existieren. Zudem bedarf es vermutlich einer gewissen demokratischen Struktur, wenn es um die künftige Entwicklung geht.
Die Zukunft des Web 2.0 wird auf offenen Standards und Spezifikationen basieren, die für alle zugänglich sind. Die Leute werden nicht zulassen, dass ein einzelnes Unternehmen eine zentrale Kontrolle ausübt.
Golem.de: Bleibt die Frage, warum Adobe mit AIR einen proprietären Ansatz verfolgt, zumal Adobe dabei nicht allein ist, denn Microsoft verfolgt mit Silverlight einen ähnlichen Ansatz?

AIR: ScreenPlay
Nickull: Schauen Sie sich um. All diese Leute hier auf der Web 2.0 Expo werden keinen Tag länger warten als unbedingt notwendig ist. Die Leute sitzen jetzt in einem Vortrag und danach schreiben sie eine Applikation. Niemand wartet, das alles geht sehr schnell.
Wenn wir dazu erst einen Standard schaffen - sagen wir, wir schreiben den Standard in der Rekordzeit von einem Monat -, wird es dennoch zwei bis drei Jahre dauern, um herauszufinden, ob alle Hersteller diesen Standard in gleicher Art und Weise unterstützen. Welche Probleme es dabei geben kann, zeigen die unterschiedlichen Browser heute, die die Standards alle leicht unterschiedlich interpretieren. Daher kann man sich manchmal nicht auf Standards verlassen, denn die Art und Weise, wie Standards implementiert werden, ist das Problem.
Dennoch, wir konzentrieren uns auf Standards. Ich bin als Standardentwickler zu Adobe gestoßen und wir haben ein großes Team, das sich um das Thema kümmert. Wir lieben Standards. Alles, was wir tun, basiert auf Standards. Wenn wir die Wahl zwischen einem proprietären Ansatz und einem auf offenen Standards haben, setzen wir auf Standards.
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unter dem begriff "web2.0" werden gesellschaftliche strömungen der medialen welt...
Ja stimmt schon, ich meinte das auch eher in dem Sinne, der sog. P2P Programme wie skype...
Wenn diese Entwicklung angeblich neue Werte definiert, dann kommt der Verstand wieder...
So wird das auch mit dem "Web 2.0" sein. Ich schlage mich seit ca. 7 Jahren durch Foren...