Fedora 8 alias Werewolf im Test
Anstatt weiterhin auf Clearlooks zu setzen, verwendet Fedora nun das neue Nodoka-Theme(öffnet im neuen Fenster) . Dessen Entwicklung ziele darauf ab, ein neues Theme zu erstellen, das zwar den gesamten Desktop einheitlich aussehen lässt, aber dennoch immer subtil und beruhigend wirkt und – nicht "zu blau" ist. Passend dazu gibt es ein neues Hintergrundbild, um das neue – natürlich individuell anpassbare – Erscheinungsbild abzurunden.
Abseits von optischen Veränderungen hat sich jedoch noch mehr in der auf Linux 2.6.23.1 basierenden Distribution getan. Zu den größten Neuerungen gehört Pulse Audio(öffnet im neuen Fenster) , ein Soundserver mit ausgeprägter Netzwerkfunktion. Er ähnelt dem Enlightened Sound Daemon (ESD) von Gnome, ist aber als leistungsfähigerer Ersatz für diesen gedacht.
Audiostreams können während der Wiedergabe auf ein anderes Gerät verschoben werden. Zeroconfig unterstützt Pulse Audio ebenfalls. So lassen sich Soundserver im Netzwerk aufspüren und ein laufender Audiostream auf einen anderen Rechner umlenken. Übrigens kein Zufall, denn der Pulse-Audio-Entwickler Lennart Poettering arbeitet auch am Zeroconf-System Avahi.
In erster Linie soll Pulse Audio die heute oft auftretenden Probleme bei simultaner Ein- und Ausgabe beseitigen. Der Soundserver bietet aber noch mehr – die Tatsache, dass er von Poettering auf der diesjährigen Gnome-Entwicklerkonferenz Guadec als " Compiz for Sound(öffnet im neuen Fenster) " bezeichnet wird, gibt eine Idee, in welche Richtung diese Funktionen gehen.
Immerhin gab es bei der Paketverwaltung Änderungen. Die Yum-Oberfläche Pirut enthält nämlich einen Repository-Editor, mit dem sich Softwarequellen hinzufügen, ändern und löschen sowie aktivieren und deaktivieren lassen. Die wichtigsten externen Repositorys bieten freilich RPM-Dateien an, die den nötigen Eintrag automatisch vornehmen. Darüber hinaus soll die Paketverwaltung abermals schneller arbeiten.
Theoretisch sollte hier die Seitenleiste Big Board angezeigt werden, um lokale Programme und Online-Dienste zu präsentieren, und es sollte nur ein Panel am unteren Bildschirmrand geben. Ferner sollte ein Firefox starten, über den man sich auch bei online.gnome.org(öffnet im neuen Fenster) anmelden kann – bei unserem Test erschien allerdings nur das Panel, Seitenleiste und Firefox blieben verborgen und damit auch die Möglichkeit, sich anzumelden. Gedacht ist der Online-Desktop aber ohnehin nur als Vorschau.
Für die Anzeige ist in Fedora 8 weiterhin der X.org-Server 1.3 zuständig, freie Treiber für ATI- und Nivida-Karten – sowohl der Standard "nv"-Treiber als auch der neue Nouveau-Treiber – sind in der Distribution enthalten, proprietäre Treiber liefert das Fedora-Projekt nicht mit. Compiz 0.6.2 ist gemeinsam mit Aiglx für grafische Effekte auf dem Desktop zuständig, mit dem freien Radeon-Treiber funktioniert das wunderbar – Nvidia-Besitzer müssen sich den proprietären Treiber nachinstallieren.
Zur einfachen Netzwerkkonfiguration ist wie schon zuvor der Network Manager des Gnome-Projektes dabei, nun in der Version 0.7. Diese wurde in großen Teilen neu geschrieben, um eine solidere Architektur zu schaffen, die dann in künftigen Versionen um neue Funktionen erweitert werden kann. Aktuell soll Network Manager 0.7 erst einmal die Sicherheit erhöhen, indem Passwörter für WPA-gesicherte Netzwerke im Gnome-Keyring gespeichert werden. Ein neues D-Bus-API erleichtert außerdem die Integration in andere Programme.
Die Fedora-Entwickler versprechen zusätzlich eine bessere Notebook-Unterstützung. Den Tickless-Kernel, der häufiger in den Ruhezustand verfallen kann, brachte Fedora 7 schon für x86-Systeme mit, nun gibt es ihn auch für x86-64-Computer. Für eine bessere Energieverwaltung und eine bessere Unterstützung von Sondertasten auf Notebooks wurden weitere Quirks(öffnet im neuen Fenster) eingebaut. Sehr begrüßenswert ist im Zusammenhang mit der Energieverwaltung auch, dass sich die Fedora-Entwickler nicht auf ihren Tickless-Kernel verlassen, sondern versuchen, Programme zu identifizieren, die die CPU unnötig aus dem Schlaf reißen, um diese Probleme zu beheben. Läuft ein Notebook im Akkubetrieb, deaktiviert Fedora 8 auch alle Cronjobs.
Die Druckerkonfiguration erleichtert die neue Fedora-Ausgabe ebenso. Wird ein Gerät angeschlossen, richtet die Distribution es automatisch ein – vorausgesetzt, ein passender Treiber ist vorhanden. Das System soll aber so intelligent sein, im Notfall den Treiber für ein verwandtes Gerät zu nutzen. Ist gar nichts zu finden, wird ein einfacher Texttreiber eingebunden. Kleine Hinweise unterhalb des oberen Panels informieren den Anwender darüber. Wer die aktuelle Ubuntu-Version 7.10 ausprobiert hat, kennt das System schon – die Ubuntu-Entwickler hatten das von Fedora entwickelte System übernommen.
Mit PolicyKit liefert die Distribution des Weiteren ein neues Werkzeug, um Nutzern die notwendigen Rechte für einzelne Aktionen zuzuweisen. Normale Nutzer können also auf Geräte zugreifen oder Funktionen aufrufen, für die an sich Root-Rechte erforderlich sind. Bei den Sicherheitsfunktionen gibt es zudem Zuwachs in Form eines Kiosk-Modus(öffnet im neuen Fenster) via SELinux und die enthaltene Glibc 2.7 unterstützt SHA256 sowie SHA512 für Passwörter. Mit den in Fedora enthaltenen Werkzeugen lassen sich die Hashs allerdings noch nicht für neue Passwörter verwenden.
Entwickler können sich über eine angepasste Eclipse-Distribution auf der Basis von Eclipse 3.3 freuen, die mehrere Erweiterungen wie Java- und C/C++-Development-Tools mitliefert und auch PHP unterstützt. Mit IcedTea ist zudem ein freies JDK in Fedora, das im Unterschied zum OpenJDK keine proprietären Teile mehr enthält.
Für das Protokoll der Systemaktivität ist nun Rsyslog zuständig, das sich etwa sicher über das Netzwerk ansprechen lässt und ein Datenbank-Backend für MySQL enthält. Damit Fedora flotter arbeitet, wurde der Schriftenserver XFS abgeschaltet und die Schriftpakete entsprechend angepasst.
Fazit:
Gegenüber Fedora 7, das eher grundlegende Änderungen unter der Haube mitbrachte, enthält Fedora 8 wieder deutlich mehr sichtbare Neuerungen. Wie bei den im Halbjahresrhythmus erscheinenden Linux-Distributionen üblich, sind jedoch keine revolutionären neuen Funktionen dabei. Vielmehr macht es die Masse. Pulse Audio dürfte noch am ehesten für eine breite Anwenderschar interessant sein, viele der weiteren Neuerungen – die Drucker- oder die Firewall-Konfiguration – machen das Leben leichter.
Ansonsten bleibt es dabei: Die Fedora-Entwickler haben eine solide neue Version vorgestellt. Wer etwas von den neuen Funktionen nutzen möchte, kann umsteigen, wer lieber noch wartet, braucht sich ebenfalls keine Sorgen zu machen: Fedora 7 wird noch bis einen Monat nach Erscheinen von Fedora 9 unterstützt – und das erscheint im Mai 2008.
Fedora 8 steht ab sofort in verschiedenen Varianten für x86, x86-64 und PPC zum Download(öffnet im neuen Fenster) bereit.
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