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Fedora 8 alias Werewolf im Test

Drei zusätzliche Spins verfügbar. Red Hats Community-Projekt hat Fedora 8 (Codename "Werewolf") freigegeben. In der neuen Version sind wieder mehr sichtbare Neuerungen zu finden – etwa der neue Soundserver und ein neues System zur Druckerkonfiguration. Zudem gibt es zusätzliche Spins, also angepasste Fedora-Versionen, einen davon speziell für Spieler. Entwickler bekommen ein Eclipse-Paket mit einigen Erweiterungen vorgesetzt und können ebenfalls einen speziellen Spin nutzen.
/ Julius Stiebert
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Mit Fedora 7 hob das Projekt die Trennung zwischen den Repositorys "Core" und "Extras" auf und vereinte diese. Passend dazu wurde die Build-Struktur angepasst, um künftig so genannte "Spins" zu erstellen, Varianten der Distribution, die eine für einen bestimmten Einsatzzweck zusammengestellte Paketauswahl enthalten. Die Änderungen lagen also eher unter der Haube – bei Fedora 8 zeigt sich schon auf den ersten Blick eine Veränderung.

Anstatt weiterhin auf Clearlooks zu setzen, verwendet Fedora nun das neue Nodoka-Theme(öffnet im neuen Fenster) . Dessen Entwicklung ziele darauf ab, ein neues Theme zu erstellen, das zwar den gesamten Desktop einheitlich aussehen lässt, aber dennoch immer subtil und beruhigend wirkt und – nicht "zu blau" ist. Passend dazu gibt es ein neues Hintergrundbild, um das neue – natürlich individuell anpassbare – Erscheinungsbild abzurunden.

Abseits von optischen Veränderungen hat sich jedoch noch mehr in der auf Linux 2.6.23.1 basierenden Distribution getan. Zu den größten Neuerungen gehört Pulse Audio(öffnet im neuen Fenster) , ein Soundserver mit ausgeprägter Netzwerkfunktion. Er ähnelt dem Enlightened Sound Daemon (ESD) von Gnome, ist aber als leistungsfähigerer Ersatz für diesen gedacht.

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Pulse Audio verfügt über eine Plug-In-Architektur, um Erweiterungen auch dynamisch und automatisch laden zu können. Das funktioniert auch mit Modulen, so dass Plug-and-Play für USB-Audiogeräte wie Headsets möglich wird und der Soundserver einen Audio-Stream sofort darauf umleitet. Die Lautstärke lässt sich unabhängig für einzelne Anwendungen regeln. Auch dies ist automatisch möglich, um beispielsweise während eines VoIP-Telefonates die Musikwiedergabe leiser werden zu lassen.

Audiostreams können während der Wiedergabe auf ein anderes Gerät verschoben werden. Zeroconfig unterstützt Pulse Audio ebenfalls. So lassen sich Soundserver im Netzwerk aufspüren und ein laufender Audiostream auf einen anderen Rechner umlenken. Übrigens kein Zufall, denn der Pulse-Audio-Entwickler Lennart Poettering arbeitet auch am Zeroconf-System Avahi.

In erster Linie soll Pulse Audio die heute oft auftretenden Probleme bei simultaner Ein- und Ausgabe beseitigen. Der Soundserver bietet aber noch mehr – die Tatsache, dass er von Poettering auf der diesjährigen Gnome-Entwicklerkonferenz Guadec als " Compiz for Sound(öffnet im neuen Fenster) " bezeichnet wird, gibt eine Idee, in welche Richtung diese Funktionen gehen.

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Pulse Audio funktioniert gut; in den Genuss kommt aber leider nur, wer Fedora 8 frisch installiert. Wer hingegen ein Update vornimmt, muss Pulse Audio selbst einrichten. Und auch wenn die meisten Programme sofort mit Pulse Audio funktionieren sollten, kann es durchaus zu Problemen kommen – etliche Tipps dazu gibt es im Wiki des Projektes(öffnet im neuen Fenster) . Normale Gnome-Anwendungen sind in der Regel unkritisch, da Soundserver und GStreamer zum Umgang mit Codecs voneinander getrennt sind, Pulse Audio kann also ESD transparent ersetzen. Problematisch wird es unter Umständen bei Programmen, die ein anderes System nutzen.

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Passend zum neuen Soundserver ist mit CodecBuddy(öffnet im neuen Fenster) ein Assistent enthalten, der es schon in Fedora 7 hätte schaffen sollen. Da das Fedora-Projekt aufgrund rechtlicher Bedenken unter anderem keine mit Patenten belasteten Multimedia-Codecs ausliefert, können mit einer neuen Fedora-Installation beispielsweise keine MP3-Dateien abgespielt werden. CodecBuddy soll helfen, indem beim Öffnen einer solchen Datei der Codec-Download angeboten wird. Fedora arbeitet dabei allerdings mit Fluendo zusammen. Die Codecs der spanischen Firma sind lizenzrechtlich unbedenklich , aber bis auf den MP3-Codec nicht kostenlos. Viele Nutzer dürften daher auch weiter die Pakete aus dem Livna-Repository(öffnet im neuen Fenster) bevorzugen – die müssen aber weiterhin manuell über den Paketmanager installiert werden.

Immerhin gab es bei der Paketverwaltung Änderungen. Die Yum-Oberfläche Pirut enthält nämlich einen Repository-Editor, mit dem sich Softwarequellen hinzufügen, ändern und löschen sowie aktivieren und deaktivieren lassen. Die wichtigsten externen Repositorys bieten freilich RPM-Dateien an, die den nötigen Eintrag automatisch vornehmen. Darüber hinaus soll die Paketverwaltung abermals schneller arbeiten.

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Fedora 8 bringt auch einen Vorgeschmack auf den vom Gnome-Projekt geplanten Online-Desktop mit. Wer sehen will, was sich dahinter verbirgt, muss allerdings selbst Hand anlegen und die "online-desktop"-Pakete installieren. Anschließend finden sich verteilt durch die Menüs einige Verknüpfungen mit Online-Diensten wie Google Mail und Flickr, aber auch zu Red Hats eigenem sozialen Netzwerk Mugshot. Darüber hinaus kann über den Anmeldemanager die "Online-Desktop-Demo" gestartet werden.

Theoretisch sollte hier die Seitenleiste Big Board angezeigt werden, um lokale Programme und Online-Dienste zu präsentieren, und es sollte nur ein Panel am unteren Bildschirmrand geben. Ferner sollte ein Firefox starten, über den man sich auch bei online.gnome.org(öffnet im neuen Fenster) anmelden kann – bei unserem Test erschien allerdings nur das Panel, Seitenleiste und Firefox blieben verborgen und damit auch die Möglichkeit, sich anzumelden. Gedacht ist der Online-Desktop aber ohnehin nur als Vorschau.

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Beachten sollte man dabei die Konfigurationshinweise(öffnet im neuen Fenster) des Online-Desktop-Teams. Denn in diesen steht, es würde mittlerweile genügen, die Sitzungsart bei der Anmeldung wieder umzuschalten, allerdings reichte dies bei Fedora nicht und man muss GConf bemühen, um den normalen Gnome-Desktop wieder zu bekommen.

Für die Anzeige ist in Fedora 8 weiterhin der X.org-Server 1.3 zuständig, freie Treiber für ATI- und Nivida-Karten – sowohl der Standard "nv"-Treiber als auch der neue Nouveau-Treiber – sind in der Distribution enthalten, proprietäre Treiber liefert das Fedora-Projekt nicht mit. Compiz 0.6.2 ist gemeinsam mit Aiglx für grafische Effekte auf dem Desktop zuständig, mit dem freien Radeon-Treiber funktioniert das wunderbar – Nvidia-Besitzer müssen sich den proprietären Treiber nachinstallieren.

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Wer sich mehr Effekte wünscht, als das Standard-Compiz bietet, kann zusätzlich Compiz Fusion installieren. Neben allerlei Effekten, die nett anzusehen, aber kaum nützlich sind, gibt es so beispielsweise alternative Programmumschalter sowie "Annotate", um mit der Maus auf dem Desktop zu malen. Eingeschaltet sind die Desktop-Effekte standardmäßig aber nicht, dies könnte sich mit Fedora 9 ändern. Auch ist das Programm zur Konfiguration noch nicht ideal, vor allem zu eingeschränkt, so dass in vielen Fällen doch wieder GConf herhalten muss – Ubuntu liefert ein deutlich umfangreicheres Werkzeug mit.

Zur einfachen Netzwerkkonfiguration ist wie schon zuvor der Network Manager des Gnome-Projektes dabei, nun in der Version 0.7. Diese wurde in großen Teilen neu geschrieben, um eine solidere Architektur zu schaffen, die dann in künftigen Versionen um neue Funktionen erweitert werden kann. Aktuell soll Network Manager 0.7 erst einmal die Sicherheit erhöhen, indem Passwörter für WPA-gesicherte Netzwerke im Gnome-Keyring gespeichert werden. Ein neues D-Bus-API erleichtert außerdem die Integration in andere Programme.

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Die Unterstützung für drahtlose Netzwerke verbessert Fedora 8 gleich auf zwei Feldern. Zum einen sind neue Treiber für WLAN-Karten enthalten, die auf dem noch recht frischen Wireless-Stack Mac80211 aufsetzen. Zum anderen wurde die Bluetooth-Integration verbessert. Die BlueZ(öffnet im neuen Fenster) -Funktionen wurden in den Gnome-Phone-Manager und Gnokii integriert, mit denen sich unter anderem Kurznachrichten über ein Mobiltelefon versenden lassen.

Die Fedora-Entwickler versprechen zusätzlich eine bessere Notebook-Unterstützung. Den Tickless-Kernel, der häufiger in den Ruhezustand verfallen kann, brachte Fedora 7 schon für x86-Systeme mit, nun gibt es ihn auch für x86-64-Computer. Für eine bessere Energieverwaltung und eine bessere Unterstützung von Sondertasten auf Notebooks wurden weitere Quirks(öffnet im neuen Fenster) eingebaut. Sehr begrüßenswert ist im Zusammenhang mit der Energieverwaltung auch, dass sich die Fedora-Entwickler nicht auf ihren Tickless-Kernel verlassen, sondern versuchen, Programme zu identifizieren, die die CPU unnötig aus dem Schlaf reißen, um diese Probleme zu beheben. Läuft ein Notebook im Akkubetrieb, deaktiviert Fedora 8 auch alle Cronjobs.

Die Druckerkonfiguration erleichtert die neue Fedora-Ausgabe ebenso. Wird ein Gerät angeschlossen, richtet die Distribution es automatisch ein – vorausgesetzt, ein passender Treiber ist vorhanden. Das System soll aber so intelligent sein, im Notfall den Treiber für ein verwandtes Gerät zu nutzen. Ist gar nichts zu finden, wird ein einfacher Texttreiber eingebunden. Kleine Hinweise unterhalb des oberen Panels informieren den Anwender darüber. Wer die aktuelle Ubuntu-Version 7.10 ausprobiert hat, kennt das System schon – die Ubuntu-Entwickler hatten das von Fedora entwickelte System übernommen.

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Administratoren können in Fedora 8 ein neues grafisches Werkzeug benutzen, um eine einfache Firewall einzurichten. Zumindest die grundlegenden Funktionen wie ein Paketfilter und Masquerading lassen sich hierüber einstellen.

Mit PolicyKit liefert die Distribution des Weiteren ein neues Werkzeug, um Nutzern die notwendigen Rechte für einzelne Aktionen zuzuweisen. Normale Nutzer können also auf Geräte zugreifen oder Funktionen aufrufen, für die an sich Root-Rechte erforderlich sind. Bei den Sicherheitsfunktionen gibt es zudem Zuwachs in Form eines Kiosk-Modus(öffnet im neuen Fenster) via SELinux und die enthaltene Glibc 2.7 unterstützt SHA256 sowie SHA512 für Passwörter. Mit den in Fedora enthaltenen Werkzeugen lassen sich die Hashs allerdings noch nicht für neue Passwörter verwenden.

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Wer Xen oder KVM nutzt, kann auf die virtuellen Maschinen über die von Red Hat entwickelte Libvirt nun per SSL/TLS und x509-Zertifikate sicher zugreifen. Der VNC-Server für Xen und KVM unterstützt darüber hinaus VeNCrypt, um komplette Sitzungen verschlüsselt ablaufen zu lassen. Der Virt-Manager wurde bereits so angepasst, dass der sichere Zugriff auf virtuelle Maschinen möglich ist.

Entwickler können sich über eine angepasste Eclipse-Distribution auf der Basis von Eclipse 3.3 freuen, die mehrere Erweiterungen wie Java- und C/C++-Development-Tools mitliefert und auch PHP unterstützt. Mit IcedTea ist zudem ein freies JDK in Fedora, das im Unterschied zum OpenJDK keine proprietären Teile mehr enthält.

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Fedora 8 bringt natürlich auch aktuellere Versionen der wichtigsten Komponenten mit. Gnome ist nun in der Version 2.20 enthalten, KDE in der Version 3.5.8 – die Entwicklungsbibliotheken aus KDE 4.0 lassen sich bereits aus dem Repository installieren, der komplette Desktop kommt aber frühstens in Fedora 9. Firefox 2.0.0.8, Thunderbird 2.0.0.6, OpenOffice.org 2.3, Pidgin 2.2.2 und Gimp 2.4 sind in Fedora, darüber hinaus unter anderem der Webserver Apache 2.2.6, PHP 5.2.4 und Perl 5.8.8.

Für das Protokoll der Systemaktivität ist nun Rsyslog zuständig, das sich etwa sicher über das Netzwerk ansprechen lässt und ein Datenbank-Backend für MySQL enthält. Damit Fedora flotter arbeitet, wurde der Schriftenserver XFS abgeschaltet und die Schriftpakete entsprechend angepasst.

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Mit Fedora 7 wurden die bereits erwähnten Spins eingeführt. Neben dem Standard-Spin für Workstation- und Server-Systeme und dem KDE-Spin gibt es nun in Fedora 8 drei weitere: eine Live-DVD mit verschiedenen Spielen(öffnet im neuen Fenster) , einen Entwickler-Spin(öffnet im neuen Fenster) , der ebenfalls auf einer Live-DVD etliche Programmierwerkzeuge vereint, und das Elektroniklabor(öffnet im neuen Fenster) , das etwa Programme zum Platinen-Design und für Schaltkreissimulationen mitliefert.

Fazit:
Gegenüber Fedora 7, das eher grundlegende Änderungen unter der Haube mitbrachte, enthält Fedora 8 wieder deutlich mehr sichtbare Neuerungen. Wie bei den im Halbjahresrhythmus erscheinenden Linux-Distributionen üblich, sind jedoch keine revolutionären neuen Funktionen dabei. Vielmehr macht es die Masse. Pulse Audio dürfte noch am ehesten für eine breite Anwenderschar interessant sein, viele der weiteren Neuerungen – die Drucker- oder die Firewall-Konfiguration – machen das Leben leichter.

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Kritische Funktionen wie der noch nicht richtig funktionierende Online-Desktop oder auch das schon länger enthaltene Compiz aktivieren die Entwickler nicht standardmäßig. Wer mehr möchte, kann, aber niemand muss. Schade nur, dass dies beim Udpate auch auf Pulse Audio zutrifft. Gerade im Bereich der Notebook-Unterstützung tut sich viel – wer aktuell Probleme mit Linux auf seinem mobilen Rechner hat oder nur versuchen möchte, seine Akkulaufzeit zu verlängern, für den könnte sich ein Update lohnen.

Ansonsten bleibt es dabei: Die Fedora-Entwickler haben eine solide neue Version vorgestellt. Wer etwas von den neuen Funktionen nutzen möchte, kann umsteigen, wer lieber noch wartet, braucht sich ebenfalls keine Sorgen zu machen: Fedora 7 wird noch bis einen Monat nach Erscheinen von Fedora 9 unterstützt – und das erscheint im Mai 2008.

Fedora 8 steht ab sofort in verschiedenen Varianten für x86, x86-64 und PPC zum Download(öffnet im neuen Fenster) bereit.


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