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Spieletest: Overclocked - Spannendes Psychiatrie-Adventure

Macher von The Moment Of Silence mit neuem Titel. Die Adventures der deutschen Entwicklerschmiede House Of Tales konnten sich bisher vor allem auf Grund ihrer ausgefeilten Storys vom Konkurrenzumfeld abheben - Titel wie The Moment Of Silence überzeugten eben vor allem durch spannende und tiefgründige Geschichten. Auch Overclocked bildet da keine Ausnahme: Charaktere und Schauplätze sind auch diesmal ebenso ungewöhnlich wie faszinierend ausgefallen.
/ Thorsten Wiesner
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Im Mittelpunkt des Geschehens steht der Psychiater David McNamara, der in einer heruntergewirtschafteten Anstalt fünf traumatisierte Jugendliche behandeln soll. Allen Patienten gemeinsam ist ihre Orientierungslosigkeit und ihr Gedächtnisverlust - keiner weiß so recht, was ihm widerfahren ist. McNamara obliegt es also, nach und nach in die Gedankenwelten der Heranwachsenden einzutauchen, wie bei so vielen anderen Psychiatern ist es allerdings auch um seine eigene mentale Gesundheit nicht gerade bestens bestellt; insofern muss also nicht nur mit fremden Problemen zurechtgekommen werden.

Einen Großteil der Spielzeit verbringt man folgerichtig damit, den Patienten Erinnerungsschnipsel zu entlocken, sie immer wieder damit zu konfrontieren und sie so dazu zu zwingen, immer neue Details ihrer Vergangenheit preiszugeben. "Overclocked" geht allerdings auch noch einen Schritt weiter: In diversen Rückblenden schlüpft der Spieler selbst nach und nach in die Rollen der einzelnen Jugendlichen und löst so chronologisch rückwärts ihre einzelnen Geschichten - und auch die Verbindung, in der die einzelnen Charaktere miteinander stehen.

Eine derartige Geschichte hätte prinzipiell sicherlich eine offene und alles andere als lineare Herangehensweise ermöglicht, die Entwickler haben sich allerdings zugunsten eines stringenten Spielablaufs für ein eng vorgegebenes Handlungskorsett entschieden; Möglichkeiten und Schauplätze sind zu jedem Zeitpunkt genau vorgegeben und recht eingeschränkt. Das kommt der Spannung der Geschichte zugute, nervt allerdings teils auf Grund kleinerer Gamedesign-Macken; so lassen sich manchmal offensichtliche Aktionen eben noch nicht durchführen, da vom Spiel zunächst ein Gespräch mit einer bestimmten Person zwanghaft vorgegeben wird.

Überhaupt ist das Rätseldesign sehr simpel ausgefallen: Wirkliche Knobeleien gibt es eher selten, lange Dialoge dafür umso mehr. Wer wirkliche Herausforderungen sucht, wird eher selten fündig - Overclocked ist sehr einsteigerfreundlich und spielt sich stellenweise fast mehr wie ein interaktiver Film denn wie ein wirkliches Knobelspiel.

Atmosphärisch ist der Titel voll und ganz gelungen, wäre da nicht die etwas enttäuschende Technik - die Animationen der Charaktere wirken steif und abgehackt, einige die unwirtlichen und düsteren Schauplätze hätten zudem ein paar Details mehr verdient. Wenig Grund zur Klage bieten dafür die stimmungsvolle Synchronisation sowie die unkomplizierte, genretypische Bedienung.

Overclocked ist bereits im Handel erhältlich und kostet etwa 35,- Euro. Das Spiel hat eine USK-Freigabe ab 16 Jahren erhalten.

Fazit:
Overclocked ist sicherlich nicht das beste Adventure 2007 - diesen Titel hat sich Jack Keane wohl bereits gesichert. Überzeugen kann der Titel trotz etwas enttäuschender Technik und striktem Spielablauf trotzdem; Story und Atmosphäre sind spannend und so ungewöhnlich, dass der Titel durchaus eine Empfehlung wert ist.


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