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Spieletest: ET Quake Wars - Das beste aus drei Welten?

Multiplayer-Shooter bleibt hinter Erwartungen zurück. Der Multiplayer-Shooter Enemy Territory genießt auch Jahre nach seiner Veröffentlichung noch große Popularität – warum also nicht das Konzept wiederbeleben und dann das Ganze mit der Geschwindigkeit von Quake und dem taktischen Tiefgang von Battlefield kombinieren? So oder zumindest so ähnlich müssen die Überlegungen für "Enemy Territory: Quake Wars" (ETQW) bei den Entwicklern von Splash Damage ausgesehen haben; die Erwartungen der PC-Spieler waren jedenfalls dementsprechend hoch. Vielleicht zu hoch – vollkommene Begeisterung kann der Titel jedenfalls nicht auslösen.
/ Thorsten Wiesner
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Hintergrundgeschichten sind für Entwickler von Multiplayer-Shootern bekanntlich meist nur störender Ballast, insofern verwundert es nicht, dass auch Enemy Territory Quake Wars da keine Ausnahme macht: Eine feindliche Alien-Allianz mit Namen Strogg greift die Erde an, die Menschheit setzt ihre Streitkräfte der Global Defense Force (GDF) entgegen; mehr braucht es nicht, um einen gewaltigen Krieg zu rechtfertigen. Immerhin warten die einzelnen Karten mit unterschiedlichen Misisonszielen überall auf dem Erdball auf; da gilt es dann etwa, Brücken zu bauen, Strogg-Basen auszuheben oder Dörfer zu befreien.

Natürlich verfügen beide Seiten über diverse Waffentypen und mehrere Einheiten-Klassen wie Soldaten und Techniker, wobei – mal abgesehen von den Spezialfähigkeiten – letztendlich jedem GDF-Grad mehr oder weniger ein Strogg-Typ entspricht. Völlige Gleichberechtigung herrscht allerdings trotzdem nicht, da beim Balancing ein wenig Feintunig fehlt: Insgesamt wirken beispielsweise die meisten Menschen-Waffen mächtiger und scheinen leichter zu bedienen zu sein.

Ein weiteres Problem: Die unterschiedlichen Klassen sollen taktischen Tiefgang in die Gefechte bringen und das Teamplay forcieren, sind aber nicht bis zum Ende gedacht: Die Rolle des Sanitäter etwa ist nahezu überflüssig, da das schnelle Gameplay inklusive kurzer Respawn-Intervalle seine Dienste kaum erfordert.

Überhaupt ist der Vergleich mit der Battlefield-Reihe nur begrenzt sinnvoll: Zwar sind auch hier Fahrzeuge wie Panzer oder Quads zu bedienen, insgesamt ist das Gameplay aber viel hektischer – letztendlich kämpft doch fast jeder für sich selbst, Team-Abstimmung findet nur in geringem Umfang (etwa in bestimmten, konkret darauf abzielenden Missionsaufgaben) statt, und auf vielen öffentlichen Servern wird eher chaotisch um sich geschossen. Auch die Übersicht leidet oft: Nicht immer ist etwa ersichtlich, von wem der entscheidende Schuss kam, der einen das Pixelleben gekostet hat. Immerhin: Erfolgreiche Aktionen und gute Leistungen bringen den Spielern in begrenztem Umfang Belohnungen fürs jeweilige Gefecht; etwa leistungsfähigere Waffen oder eine höhere Laufgeschwindigkeit.

Für die Optik ist eine erweiterte Doom-3- bzw. Quake-4-Engine zuständig, die recht ansehnliche Szenarien auf den Schirm zaubert – zumindest in den Außen-Arealen; hier warten die 12 Karten etwa mit gelungenen Wald- oder Schnee-Szenerien auf. Die Innenlevel, zum Beispiel in einem Industriekomplex, wirken hingegen recht einfallslos und detailarm. Die Soundeffekte hingegen geben kaum Grund zur Klage.

Enemy Territory: Quake Wars ist für Windows-PCs bereits im Handel erhältlich, sie dient als Basis für die noch ausstehende Linux-Version des Shooters. Auch für Spielekonsolen wurde der Shooter angekündigt, für die Xbox-360-Version zeichnet Nerve Software verantwortlich, die PlayStation-3-Version entwickelt Activision Foster City (AFC). Das Spiel hat eine USK-Freigabe ab 16 Jahren erhalten.

Fazit:
An sich eine gute Idee, das Team-Konzept von Battlefield mit der Geschwindigkeit von Quake zu verknüpfen; schade nur, dass das Endergebnis alles andere als rund wirkt. Die Team-Möglichkeiten wirken oft eher aufgesetzt und nicht wirklich intelligent integriert, das hohe Tempo hingegen wird durch die teils trägen Waffen und die Unübersichtlichkeit konterkariert. Am Ende bleibt ein unkomplizierter, Einsteiger-freundlicher Multiplayer-Shooter – der es angesichts solcher bevorstehenden Veröffentlichungen wie Unreal Tournament 3 schwer haben wird, länger in Erinnerung zu bleiben.


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