Michael Tiemann fordert Nobelpreis für Richard Stallman

Friedensnobelpreis für den Kampf gegen Softwarepatente?

Wenn der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore den Friedensnobelpreis für seine Aufklärungsarbeit über den Klimawandel erhalten kann, dann hat Richard Stallman ihn für seinen Kampf gegen Softwarepatente verdient. Diese Auffassung vertritt zumindest Michael Tiemann, Vorsitzender der Open Source Initiative und Vizepräsident für Open-Source-Angelegenheiten bei Red Hat.

Artikel veröffentlicht am , Julius Stiebert

Richard Stallman
Richard Stallman
Al Gore sei schließlich kein Wissenschaftler, der die Konsequenzen des CO2-Ausstoßes entdeckt, vorausgesagt oder eine Theorie dazu verfasst habe. Er habe stattdessen Wissenschaftlern - auch früheren Nobelpreisträgern - zugehört, ihre Theorien als wahr akzeptiert und sich entschlossen, das Thema in die Politik zu bringen, schreibt Michael Tiemann in seinem Blog bei der Open Source Initiative.

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Gore habe das Wissen über den Klimawandel bei der Allgemeinheit vergrößert und Grundlagen für den Kampf gegen die Veränderung gelegt, hieß es von dem für den Friedensnobelpreis zuständigen Komitee anlässlich der Verleihung des diesjährigen Preises, der auch an den UN-Klimarat ging.

Im heutigen rechtlichen Klima habe die Konzentration von Softwarepatenten zur Folge, dass das wichtigste Innovationsmodell in der Softwarewelt, Open Source, bedroht werde, so Tiemann. Dazu führt er zwei Beispiele an: Sun, die sich Tiemanns Meinung nach zu einer Open-Source-Firma gewandelt haben und mit dem Dateisystem ZFS viel Aufmerksamkeit erregten und daraufhin von NetApp verklagt wurden.

Das zweite Beispiel ist Tux2, ein in der Linux-Community geschriebenes Dateisystem, das 2002 aus Angst vor möglichen Patentverletzungen nicht weiterentwickelt wurde. Tiemann schreibt, er könne nicht beurteilen, ob nun Sun oder NetApp ihre Patente unfairer einsetzen. Klar sei hingegen, dass Tux2 - obwohl seiner Ansicht nach eventuell innovativer als ZFS - aufgrund der möglichen Bedrohung durch jedes existierende Softwarepatent nie kommerziell verwendet wurde.

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Somit habe Stallman absolut Recht, wenn er Softwarepatente mit Landminen vergleiche - beide würden noch lange Schaden anrichten, nachdem sie ausgelegt wurden. Außerdem könne der Schaden vollkommen unabhängig von der Absicht und Vertrauenswürdigkeit des Besitzers sein. So seien zwar weder Sun noch NetApp per se eine Bedrohung für die Open-Source-Community, ihre Haltung gegenüber Softwarepatenten füge dem Open-Source-Ökosystem dennoch große Schäden zu, schreibt Tiemann. Anders würden sich beispielsweise das Open Innovation Network und sein Arbeitgeber Red Hat verhalten, die versprechen, ihre Patente nicht gegen freie Software zu verwenden. Es brauche mehr solcher Firmen, die sich innovativen Entwicklungsmodellen öffnen und ihre Softwarepatente entwaffnen, fordert Tiemann.

Die Zeit, über den Nutzen oder Schaden von Softwarepatenten zu diskutieren, sei zu Ende. Es gehe nun darum, aktiv zu werden, das Open-Source-Modell bekannter zu machen und ein Patentsystem zu demontieren, das es so nie hätte geben dürfen - andernfalls würden wir noch unter einem Klimawandel rechtlicher Natur leiden, mit düsteren Auswirkungen auf den Teil der Menschheit, der Software schreibt, unterstützt oder benutzt. Sofern man ein Mitglied des Nobelpreiskomitees kenne, solle man ihm daher seine Empfehlung schicken - und den Friedensnobelpreis für Richard Stallman fordern, schließt Tiemann.

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