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Test: PCMark Vantage - Anwendungs-Benchmarks unter Vista

Neuer Benchmark von Futuremark bewertet PC-Gesamtleistung. Nach über zwei Jahren hat Futuremark seinen auf real existierenden Anwendungen basierenden Leistungstest "PCMark" runderneuert. Der Nachfolger des "PCMark 05" läuft nur noch unter Windows Vista und lastet dabei Mehrkern-Prozessoren vollständig aus. Als Ergebnis erhält man, wie beim 3DMark, auf Wunsch eine einzelne Zahl – die ist jedoch allein nicht immer aussagekräftig, wie erste Tests zeigen.
/ Nico Ernst
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Der Schritt, nach PCMark 05 nur noch auf Vista zu setzen, ist mutig – aber auch nachvollziehbar. Bisher fehlte ein vollständiger Anwendungs-Test, der unter Microsofts neuem Betriebssystem alle Komponenten eines Rechners einbezieht und dabei nicht nur auf synthetische Tests setzt. PCMark Vantage setzt unter anderem auf den Media Player 11, Internet Explorer 7 mit Tabbed-Browsing und verschiedene Verschlüsselungs-Algorithmen – sogar das gute alte Wordpad ist Teil des Tests. Die minimalen Voraussetzungen sind Windows Vista in 32- oder 64-Bit-Version, 1 GByte Arbeitsspeicher und ein Prozessor mit SSE2.

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Anders als noch beim PCMark 05 müssen für Vantage keine Anwendungen, wie der Windows Media Encoder, von Hand installiert werden, der 664 MByte schwere Download bringt alle Komponenten bereits mit. Bei der Installation wird seltsamerweise auch eine neue DirectX-Runtime installiert, obwohl derzeit von Microsoft noch kein Update für die Spiele-Schnittstelle unter Vista erschienen ist. Das ebenfalls installierte Paket für Visual C++ 2005 braucht der Benchmark offenbar für seine eigenen Routinen.

Nach der Installation hat der Nutzer die Qual der Wahl. Zwar ist der Benchmark nach wie vor kostenlos benutzbar, dann aber mit großen Einschränkungen. Gegen die einmalige Registrierung per E-Mail erhält man einen – ebenfalls nur einmal benutzbaren – Schlüssel, der einen Durchlauf erlaubt. Dabei wird dann aber nur der "PC Mark Score" ermittelt, die Einzeltests stehen nicht zur Verfügung. Was passiert, wenn man diese E-Mail-Adresse mehrfach verwendet, konnten wir noch nicht testen, da die entsprechende Registrierungs-Seite von Futuremark vor Erscheinen dieses Tests noch nicht freigeschaltet war.

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Eine weitere Vantage-Version ist "Basic", wobei ebenfalls nur der PC Mark Score getestet werden kann. Das kostet 6,95 US-Dollar, erlaubt aber eine unbegrenzte Nutzung. Sinnvoller erscheint da schon die Version "Advanced" für 19,95 US-Dollar. Erst sie erlaubt es, auch Einzeltests durchzuführen. Zudem steht dann auch der "Online-Result-Browser" (ORB) zur Verfügung, mit dem die eigenen Ergebnisse direkt mit denen anderer verglichen werden können. Der ORB gibt dabei auch aus, mit welchen Komponenten die jeweils schnellsten Rechner bestückt waren – und gibt gleich Direkt-Links an, wo man diese Hardware kaufen kann.

Alle bisher genannten Versionen stellen nur Lizenzen für private Nutzung dar. Unternehmen müssen mit 495,- US-Dollar für die Ausgabe "Professional" tiefer in die Tasche greifen. Eine derartige Lizenz schließt nur einen Arbeitsplatz ein, erlaubt aber auch den direkten Export der Ergebnisse in Excel-Dateien sowie die Automatisierung durch Skripte und beinhaltet technische Unterstützung durch Futuremark. Für PC-Hersteller bietet sich eine solche Nutzung wohl vor allem für Stabilitäts- und Kompatibilitäts-Tests an.

Testkonfiguration

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Der Benchmark selbst erschreckt nach dem ersten Start und der Auswahl aller Tests zunächst mit einer geschätzten Laufzeit von 1 Stunde und 32 Minuten. Tatsächlich war der Durchlauf auf unserer Testplattform, die sonst für Grafikkarten-Benchmarks zum Einsatz kommt, aber nach 55 Minuten beendet. Dabei handelt es sich um einen Core 2 Extreme X6800 (2,93 GHz, Dual-Core) mit DDR2-800-Speicher (Timings 5-5-5-15) auf einem Intel-Mainboard 975XBX ("Bad Axe") sowie einer SATA-Festplatte HD321KJ. Der reine PCMark-Score benötigt nur rund 20 Minuten.

Die Speichermenge variierten wir, um zu sehen, ob PCMark Vantage auf den bekanntermaßen großen Speicherhunger von Vista reagiert, als Grafikkarte kam stets eine GeForce 8800 GTS mit 640 MByte samt aktuellem zertifiziertem Treiber 163.69 von Nvidia zum Einsatz. Leistungsfressende Dienste wie die Systemwiederherstellung und die Datenträger-Indizierung schalteten wir – auch den Empfehlungen von Futuremark folgend – ab.

Das zweite Testsystem war das MSI-Notebook PR-200 mit einem mobilen Core 2 Duo T7100 (1,8 GHz) samt 1 GByte DDR2-667-Speicher. Das RAM läuft jedoch in der Werks-Ausstattung nur im Single-Channel-Modus, diese Ausrüstung ist für viele Santa-Rosa-Notebooks dennoch typisch. Die Grafik steuerte der Chipsatz 965GM bei.

Auch mit dem aktuellen Intel-Treiber 7.14.10.1320 (auf der Intel-Webseite auch 15.61 genannt) stürzte der PCMark Vantage jedoch reproduzierbar beim Test "Memories 2" ab, wobei per GPU Bilddateien manipuliert werden. Das wundert nicht, setzt der Benchmark dafür doch eine Grafikkarte mit Shader Model 3.0 voraus, was Intel offenbar noch immer nicht vollständig implementiert hat.

Schwerpunkt auf Multi-Threading

Der PC Mark Score ließ sich jedoch auf dem auch sonst stabil laufenden Notebook zuverlässig ermitteln. Auch bei diesem Test geht Vantage Alltags-Aufgaben durch, wie das Ein- und Auspacken von JPEG-Dateien, die Wiedergabe von HD-Videos und auch einen simulierten Einkauf in einem Musik-Shop namens "BuyTunes", wobei MP3-Dateien nach WMA transkodiert werden.

Dazu kommen noch Text-Formatierungen mit Wordpad, die Umwandlung von Videos mittels Windows Media Player und die sichere Übertragung von Webseiten mit verschiedenen Verschlüsselungen wie AES. Alles praxisnahe Aufgaben, die sich jedoch allein auf mitgelieferte Anwendungen von Vista stützen müssen. Das kann man als Schwäche oder als Stärke sehen: Immerhin belastet Vantage so die Betriebssystem-Bibliotheken, auf die sich auch andere Anwendungen verlassen.

Wie mit dem Task-Manager überprüft, wurden während der gesamten Tests die jeweils zwei Kerne unserer Testsysteme zu über 90 Prozent ausgelastet. Laut Futuremark werden bei einigen Tests bis zu drei Threads gestartet, dazu kommen noch die Threads des Betriebssystems. So ist es auch zu erklären, dass die auf unserer Testplattform maximal erzielten 3.011 Punkte von anderen Testern mit Quad-Core-CPUs mit bis zu 5.800 Punkten deutlich geschlagen wurden.

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Eine Besonderheit stellen die "Gaming"-Tests dar: Hier hat Futuremark den Teil "Firefly Forest" aus 3DMark06 recycelt, die Animation läuft dabei aber in einem Fenster und nicht im Vollbild ab. Das gilt auch für die anderen Grafik-Tests, je nachdem, welche Auflösung man dem Benchmark vorgibt. Standardmäßig sind für die Fenster 1024 x 768 Punkte vorgesehen, das Anti-Aliasing ist ausgeschaltet.

Für die Festplatten-Tests lässt sich zudem auch ein anderes als das System-Laufwerk wählen – das ist praktisch, um etwa auf frisch formatierten Datenträgern die Leistung zu testen, wenn nur der Benchmark mit seinen simulierten Aufgaben Zugriff darauf hat. Da Vantage bei seinen Tests auch das Startverhalten von Vista simuliert, kann bei mehreren Festplatten möglicherweise ermittelt werden, welche sich besser für eine Aufrüstung des Rechners eignet.

Viel Speicher hilft nicht viel

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Als größter Flaschenhals von Windows Vista gilt bei bisherigen Tests die Menge des verfügbaren Hauptspeichers. Darauf geht PC Mark Vantage laut unseren Ergebnissen jedoch kaum ein. Die Testplattform mit der schnellen Dual-Core-CPU erreichte mit 1 GByte RAM schon 2.858 Punkte, mit 2 GByte waren es 2.872 Punkte, und mit 3 GByte 2.822 Punkte. Diese mehrfach wiederholten und gemittelten Messungen liegen aber alle im Rahmen der Messgenauigkeit. Leicht schneller wurde der Rechner – zumindest laut PCMark – erst, als die ohnehin frisch installierte Festplatte gründlich vom Vista-eigenen Programm defragmentiert wurde: 3.011 Punkte ließen sich so erreichen.

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Auch das durch Single-Channel-Betrieb und die deutlich langsamere Festplatte eigentlich benachteiligte Notebook kam immerhin auf 2.058 Punkte – obwohl die integrierte Grafik ein Mehrfaches langsamer ist, als eine GeForce 8800 GTS. Der zudem über 1 GHz schnellere Prozessor der Testplattform verhilft dem System damit nur zu einem rund 40 Prozent höherem Score. Der Overall-Wert des Vantage ist somit nach bisherigem Stand nur zur groben Einordnung von Leistungsklassen brauchbar.

Ein Blick in die Einzelergebnisse zeigt jedoch, dass der neue PCMark durchaus auf verschiedenen Speicherausbau reagiert, wenn auch offenbar nur durch den Festplatten-Cache von Vista. Mit 1, 2 und 3 GByte Speicher ergaben sich 2.728, 2.973 und 3.240 Punkte für die "HDD Suite". Das Gesamtergebnis für den "PCMark Score" ändert sich durch den Speicherausbau aber, wie oben beschrieben, nur geringfügig.

Fazit:
Insgesamt erscheint der PCMark Vantage gelungen. Das Programm arbeitet zwar nicht mit anspruchsvollen Anwendungen wie Office 2007 und den Adobe-Produkten, die viel Leistung benötigen, stresst aber Vista selbst und Mehrkern-Prozessoren recht kräftig. Die jetzt noch niedrig erscheinenden Werte – bisher erreichte unter den Vorab-Testern laut den Online-Ergebnissen noch niemand 6.000 Punkte – versprechen ein spannendes Rennen unter System-Tunern um die ersten 10.000 Punkte. 3DMark lässt an dieser Stelle schön grüssen.

Beim Vergleich der PCMark Scores, also des Gesamt-Wertes, den auch die kostenlose Version ausgibt, ist jedoch immer ein genauer Blick auf die Systemkonfiguration nötig. Ein schneller Prozessor oder viel Arbeitsspeicher allein reichen noch nicht. Dass Vantage gerade auf wenig RAM auch nur wenig anspricht – die Ausnahme ist hier der separate Festplatten-Test – erscheint jedoch als Schwäche. Im praktischen Einsatz ist auf einem Vista-System die Menge des Hauptspeichers deutlicher spürbar, als der PC Mark Vantage das suggeriert.


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