Test: Ubuntu 7.10 mit 3D-Desktop

Hinzu kommen die Varianten: Wer kein Gnome als Desktop-Oberfläche nutzen möchte, greift zu Kubuntu mit KDE oder Xubuntu mit Xfce als Desktop. Edubuntu ist eine für Schulen angepasste Version und erstmals gibt es auch die Variante Gobuntu. Diese enthält ausschließlich freie Software, verzichtet also etwa auf proprietäre Hardware-Treiber und Software wie Adobe Flash.
Die Basis ist allen Varianten gemeinsam und so verwendet die neue Ubuntu-Version den Linux-Kernel 2.6.22 mit eingeschalteten dynamischen Ticks. Dadurch kann ein unausgelasteter Rechner häufiger in den Energiesparmodus gehen und so die Leistungsaufnahme senken, was also vor allem für Notebooks interessant ist. Allerdings klappt dies natürlich nur, wenn die CPU nicht ständig durch Anwendungen aus dem Schlaf gerissen wird. Die Redakteure der Webseite Phoronix.com haben bereits den Energieverbauch von Gutsy Gibbon gemessen(öffnet im neuen Fenster) , wobei eine Beta-Version teilweise sogar schlechter abschnitt als die Vorgängerversionen. Die Aussagekraft dieses Tests ist allerdings beschränkt.
Weiterhin verwendet Ubuntu 7.10 den GCC 4.2.1, enthält aber auch ältere Versionen wie 4.1.2 und 3.3.6. Die Glibc ist in der aktuellen Version 2.6.1 enthalten.
Der Start des installierten Systems nimmt dafür nur noch sehr wenig Zeit in Anspruch. Nachdem sich der Anwender angemeldet hat, weist Ubuntu sofort auf eventuell vorhandene proprietäre Treiber hin, die über einen Assistenten nachinstalliert werden können - interessant vor allem bei Grafik- und WLAN-Treibern. In der neuen Ubuntu-Version übernimmt der Assistent dabei auch die Installation solcher Treiber, die an sich frei sind, jedoch ein proprietäres Firmware-Image voraussetzen, um zu funktionieren.
Wer ältere Hardware verwendet, braucht jedoch nicht zu fürchten, dass er Ubuntu 7.10 aufgrund von Compiz nicht mehr verwenden kann. Vielmehr deaktiviert die Distribution die 3D-Effekte automatisch, wenn die Hardware diese nicht unterstützt. Auf unserem Testsystem ergab sich dabei auch ein anderes Problem: Compiz war mit der verwendeten ATI-Grafikkarte nicht zur Arbeit zu bewegen, da Ubuntu beim ersten Start vorschlug, den proprietären Fglrx-Treiber einzuspielen. Der ist jedoch nicht mit der OpenGL-beschleunigten X-Erweiterung Aiglx kompatibel und man muss die Alternative Xgl daher manuell einrichten. Die daraufhin eingebaute Nvidia-Karte funktionierte mit Compiz auf Anhieb.
Derselbe Dialog wird auch im normalen Betrieb verwendet, um etwas an den Einstellungen zu ändern, beispielsweise wenn ein zweiter Monitor hinzugefügt werden soll. Xinerama und ein gedrehtes Bild unterstützt Ubuntu nun ebenfalls. Dank der X.org-Erweiterung RandR 1.2 klappt dies nun auch dynamisch. Bei der automatischen Konfiguration des X-Servers muss allerdings in der Regel noch die Auflösung angepasst werden, da Ubuntu die höchstmögliche Auflösung wählt, was zumindest auf Röhrenmonitoren nicht immer erwünscht ist.
Der enthaltene Firefox 2.0.0.6 kommt mit einem verbesserten Plug-In-Assistenten daher, mit dem sich als Ubuntu-Paket verfügbare Plug-Ins wie der Flash-Player einfach nachträglich installieren können. Im Fall von Flash bietet Ubuntu neben der Adobe-Version auch die freie Alternative Gnash , die mit Webseiten wie YouTube bereits funktioniert, bei anderen Webseiten mit Flash allerdings noch kein befriedigendes Ergebnis liefert.
Über den Firefox-Erweiterungsdialog lässt sich nun ferner der Ubuntu-Applikations-Installer aufrufen, um als Paket verfügbare Erweiterungen einzurichten. Verfügbar sind unter anderem Adblock und Beagle.
Zwar mag die aufgeräumte und kategorisierte Oberfläche des Installers für Linux-Einsteiger leicht zu nutzen sein, letztlich ist die Aufteilung auf zwei verschiedene Programme zur Paketverwaltung aber so verwirrend und umständlich, dass man lieber gleich zu Synaptic greifen sollte. Vor allem dann, wenn beispielsweise in einem Schritt eine neue Anwendung installiert, eine andere aber entfernt werden soll - meist klappt dies mit dem einfachen Installer nämlich nicht.
Für Desktop-Anwender ist die automatische Druckerkonfiguration interessant, für die es reicht, den Drucker anzuschließen und einzuschalten. Voraussetzung bleibt natürlich, dass der Drucker prinzipiell unter Linux verwendet werden kann. Das Problem mit GDI-Druckern wird hierdurch also nicht gelöst. Fedora-Anwender kennen das System übrigens schon länger, denn es wurde aus Red Hats Community-Distribution übernommen.
Für den Einsatz auf Servern bietet Ubuntu 7.10 vor allem zwei neue Funktionen. Den Anfang macht AppArmor, das sich in Ubuntu 7.04 bereits über das Universe-Repository nachinstallieren ließ. AppArmor ist ein, bis vor kurzem unter dem Dach von Novell entwickeltes, Sicherheits-Framework, das die Befugnisse einzelner Applikationen regelt, um das System vor externen und internen Angriffen zu schützen. AppArmor wird beispielsweise auch in OpenSuse bzw. Suse Linux und in Mandriva Linux eingesetzt, es gilt vor allem als einfache Alternative zu der von der NSA entwickelten Sicherheitserweiterung SELinux, die allerdings Teil des offizillen Kernels ist.
Eine weitere Neuerung für Server sind die zusätzlichen Installationsprofile. Administratoren können, neben vorkonfigurierten LAMP- und DNS-Servern, nun auch Mail-, File-, Print- und Datenbank-Server komplett konfiguriert einrichten lassen. Durch das Python-Skript Auth-Client-Config(öffnet im neuen Fenster) sollen sich zudem Authentifizierungs-Server leichter aufsetzen lassen. Neues in Sachen Virtualisierung bringt Gutsy Gibbon nicht: Xen muss auch weiter manuell nachinstalliert werden.
Für das schon früher enthaltene Linux Terminal Server Projekt (LTSP), zum Anlegen von Thin-Client-Umgebungen, verspricht die neue Version der Linux-Distribution vor allem eine Geschwindigkeitssteigerung durch den Einsatz von komprimierten Images. Der Thin-Client-Anmeldemanager LDM unterstützt nun außderdem die automatische Anmeldung, mehrere Server und unverschlüsselte Grafikübermittlung über das Netzwerk, um eine höhere Geschwindigkeit zu erreichen. LTSP ist vor allem in Edubuntu nützlich, da sich so Klassenzimmer mit einem Server und Thin Clients, für die alte Hardware reicht, bestücken lassen.
Fazit:
Ubuntu 7.10 enthält vor allem kleinere Neuerungen, die zudem für Nutzer anderer Distributionen kaum etwas Neues darstellen. So ist Compiz auch in Ubuntu schon länger verfügbar, nun aber erstmals standardmäßig aktiv. Zwar sind einige der so verfügbaren Effekte durchaus nützlich, beispielsweise der Exposé-Modus, die meisten der gebotenen Grafikschmankerl dürften sich bei der Arbeit allerdings schnell als lästig entpuppen. Auch die neu integrierten Funktionen wie Tracker und das Applet zum schnellen Kontowechsel sind teilweise schon von anderen Distributionen bekannt und zwar nützlich, aber nur als kleine Erweiterungen anzusehen.
Für den Server-Einsatz - ein Thema, das auch Ubuntu-Hauptsponsor Canonical wichtig zu sein scheint - sind die vorkonfigurierten Profile eine nützliche Erweiterung. AppArmor hingegen ist in diesem Zustand nur teilweise interessant, da der Administrator letztlich selbst Profile schreiben muss. Auch die zusätzlich verfügbaren Profile nutzen nur den "Complain"-Modus, warnen also nur, anders als die "Enforce"-Profile, wie das einzig direkt enthaltene für CUPS, die die festgelegten Regeln tatsächlich erzwingen.
Damit ist Ubuntu 7.10 ein durchaus solides Update geworden, dessen Verbesserungen aber eben eher im Detail liegen und das keine großen Neuerungen mitbringt. Zudem ist auch die Integration von Compiz noch nicht hundertprozentig zufriedenstellend gelöst.
Ubuntu(öffnet im neuen Fenster) , Kubuntu(öffnet im neuen Fenster) , Xubuntu(öffnet im neuen Fenster) , Edubuntu(öffnet im neuen Fenster) und Gobuntu(öffnet im neuen Fenster) stehen ab sofort zum Download in der Version 7.10 bereit.



