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Spieletest: Half Life 2 Episode Two - Trotzdem gut

Valve Software erzählt seine Shooter-Serie weiter. Die Geschichte der Half-Life-Spieleserie ist noch nicht vorbei – nachdem im ersten Spiel eine außerirdische Invasion startet, ist die Erde im zweiten Spiel vom "Combine" bereits überrannt und die Menschheit bis auf wenige Widerständler unterjocht. Die jüngst erschienene Half Life 2 Episode Two erzählt die Geschichte um Gordon Freeman und seine Mitstreiter weiter – spannend, aber leider ohne viel Neues.
/ Christian Klaß
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In Half Life 2 musste Freeman die Combine-Hochburg City 17 in die Luft jagen und in der Episode One gelingt ihm die wilde Flucht aus der dem Untergang geweihten Stadt – aus deren Grab ein gigantisches Wurmloch entsteht. In Episode Two muss Freeman deshalb wieder ran, denn das Wurmloch muss zerstört werden, da es voraussichtlich eine zweite Invasionswelle ausspucken könnte. Der ersten Invasion konnten die Menschen gerade mal 7 Stunden standhalten, einer weiteren hätten sie nicht einmal 7 Minuten etwas entgegenzusetzen, wie es einer der Mitstreiter im Verlauf der Episode Two ausdrückt.

Die Wissenschaftler im Widerstand wollen deshalb das von den Combine kontrollierte Wurmloch ausschalten – allerdings läuft ihnen die Zeit davon, auch weil der Gegner alles daran setzt, die geheime Basis auszuschalten. In seiner Rolle als Gordon Freeman ist der Spieler immer mittendrin im Geschehen, erst muss er seiner Mitstreiterin Alyx helfen, dabei Riesenkäfer abwehren. Zu Fuß und im Auto gilt es dann zur Basis des Widerstands zu reisen, dabei Kopfkrabben- und Combine-Angriffe zu überleben und wieder einmal den Wissenschaftlern bei ihrem Plan zur Rettung der Welt zu helfen.

Neue Waffen gibt es nicht, Freeman muss sich mit der Ausrüstung begnügen, die auch schon aus Half Life 2 und Episode One bekannt ist. Immerhin bekommt er für sein Auto aber eine Art Radar, mit dem er versteckte Ausrüstung aufspüren kann. Es heißt ansonsten wie gehabt, dem vorgegebenen Pfad durch Höhlensysteme, Gebäude und über Straßen zu folgen, kleinere Physik- und Logik-Rätsel zu lösen, Ausrüstung zu sammeln und die Gegner mit den bekannten Waffen auszuschalten.

Die Gravity Gun spielt erneut eine Rolle, denn um die unangenehmen Strider auszuschalten, reicht diesmal der Raketenwerfer nicht. Stattdessen gilt es, den turmhohen laufenden Geschützten mittels Gravity Gun eine runde Anti-Strider-Mine auf den Kopf zu werfen – was aufgrund der Ballistik etwas Übung erfordert. Ein Schuss auf die noch am Strider klebende Kugel und sie zerreißt den übermächtigen Gegner.

Dummerweise ist der Strider-Geleitschutz in Form von kleineren Robotern sehr effektiv – sie schießen nicht nur auf Freeman sondern auch auf die Kugeln, damit sie gar nicht erst auf dem Strider-Kopf landen. Es wird also im letzten Gefecht von Episode Two sehr hektisch, denn wenn ein Strider die Basis erreicht und sie beschießt, dann ist der Kampf verloren und das Spiel vorbei. Außerdem wird irgendwann die Munition knapp und die Anti-Strider-Minen müssen erst aus nicht gerade schnell arbeitenden Geräten geholt werden – falls selbige nicht schon mitsamt dem sie schützenden Gebäude in die Luft geflogen sind.

Neben Alyx trifft Freeman im Verlauf der Episode Two auch wieder auf deren übergroßen Roboterhund, der erneut der Retter in der Not wird. Dazu kommen u.a. noch weitere bekannte Protagonisten wie Alyx Vater, die Vortigaunts und nicht nur ein sondern gleich zwei verkorkste Wissenschaftler. Wie nicht anders zu erwarten, treibt auch der G-Man wieder sein Unwesen.

Die Geschichte ist auch in der Episode Two wieder recht spannend erzählt, es gibt dramatische Wendungen sowie hektische, lustige und traurige Momente. Nicht immer nämlich kommen Freeman oder seine Freunde rechtzeitig – und es gibt Rückschläge und Verluste.

Obwohl das Gebiet nun weiträumiger wirkt, bleibt der Weg durch die Episode Two weitgehend linear – es gibt zwar einige Landstriche, die zum Erforschen einladen, doch letztlich geht es darum, eine vorgegebene Route zu nehmen. Das fällt mal mehr, mal weniger stark auf, stört im Spiel nicht weiter und dient der Erzählung der Half-Life-2-Geschichte – würde aber den Wiederspielwert anheben. Da es am Ende des Spiels eine Auswertung gibt, die versteckte Ziele wie "Hat alle Larven im Höhlensystem beseitigt" oder "Hat Combine-Roboter mit seiner eigenen Munition zerlegt" beschreibt, versucht Valve den Spieler aber dennoch zum erneuten Spielen anzuregen und die eigenen Ergebnisse zu verbessern. Am Spielverlauf ändert das allerdings nichts.

Toneffekte, Musik und englische Sprachausgabe sind wieder sehr gut gelungen und tragen zur Endzeitatmosphäre der Geschichte bei. Dazu kommt eine weiter verbesserte Source-Engine, die für hübschere Effekte und stimmungsvolle Grafik im typischen Half-Life-2-Stil sorgt. Zwar kommt das Spiel damit nicht an Crysis heran, wirkt aber auch alles andere als altbacken – trotz der Verspätung um ein Jahr.

Während Alyx und Co. meist als glaubwürdige Charaktere mit ihren Eigenarten dargestellt werden, bewegen sie sich jedoch weiterhin nicht immer flüssig. Dennoch laden die computergesteuerten Personen rund um Gordon Freeman zum näheren Betrachten ein, Alyx schneidet z.B. gern einmal Grimassen oder gibt Kommentare von sich. Wer beispielsweise in der Basis des Widerstands kurz innehält, kann zudem einen Aufschneider miterleben, der den Soldaten unter anderem weismachen will, Combine-Truppen in seiner Heimatstadt mit bloßen Händen zerlegt zu haben.

Shooter-Profis werden das Spiel vermutlich in vier bis fünf Stunden durchspielen können, wer sich etwas mehr Zeit lässt und versucht, möglichst viel vom Spiel zu sehen, der wird bis zu 6 Stunden brauchen. Vor allem der Endkampf gegen die vielen Strider hat es dabei in sich – und erfordert häufiges Speichern.

Derzeit ist die Episode Two für Windows-PCs nur als Download über Steam zu beziehen – entweder einzeln für 35,64 US-Dollar (inkl. Mehrwertsteuer) oder in der "Orange Box" im Paket mit dem Netzwerk-Shooter "Team Fortress 2" (TF2) und dem Half-Life-2-Minispiel "Portal". In den deutschen Handel kommt die Spielsammlung aber am 18. Oktober 2007 für unter 50,- Euro und ist von der USK für Erwachsene freigegeben.

Half-Life-2-Besitzer können die in der Orange Box enthaltene Half-Life-2- und Episode-One-Lizenz übrigens via Steam weiter verschenken, wenn sie die Spiele schon zuvor hatten. Man darf gespannt sein, wie lange die Episode Three auf sich warten lässt – die dritte und letzte Episode, mit der die Geschichte von Half Life 2 dann abgeschlossen sein soll.

Fazit:
"Half Life 2: Episode Two" mag zwar spielerisch im Vergleich mit Half-Life 2 und der Episode One nicht viel Neues bieten, das Valve-Team zeigt damit jedoch wieder einmal, dass auch Computerspiele fesselnde und emotional mitreißende Geschichten erzählen können. Das tröstet dann auch darüber hinweg, dass die Aufgaben größtenteils die gleichen sind und sich am Waffenarsenal nichts geändert hat – wer sich geschickt anstellt, kann dafür einen Strider selbst mit einer Pistolenkugel effektvoll ins Jenseits befördern. Half-Life-Fans bekommen also eine ordentliche Fortsetzung der Geschichte geboten und für Half-Life-2-Neulinge lohnt sich einmal mehr der Blick auf die Spieleserie.


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