Studie: Internet-Fernsehen kostet zu viel
Voraussetzung für IPTV ist ein DSL-Anschluss. Für einen DSL-Pauschaltarif inklusive Telefonie zahlt der Kunde im Schnitt 45,- Euro, die Digital-TV-Kabelgebühr schlägt mit etwa 17,- Euro im Monat zu Buche. Damit betragen die Gesamtausgaben für Internetzugang, Telefonie und Fernsehen 62,- Euro. Wer lieber das kostenlose DVB-T nutzt, zahl hingegen deutlich weniger.
Alice Home TV ohne optionales PayTV kostet nebst DSL-Flatrate rund 45,- Euro und bietet für Kabelkunden immerhin einen kleinen Preisanreiz, auf die neue Technik umzusteigen. DVB-T-Nutzer werden die darin eingerechneten rund 10,- Euro Aufpreis für Standard-Fernsehprogramm wohl eher vermeiden. Die Telekom verlangt mit T-Home hingegen rund 60,- Euro. Wer Zugang zu PayTV oder auch das schnellere VDSL haben will, kommt auf 70,- bis hin zu 85,- Euro und liegt damit weit über dem durchschnittlichen Budget der Anwender.
Ein Preisrutsch könnte eintreten, wenn zwei weitere Anbieter in den Markt drängen: Arcor will bis zum zweiten Quartal 2008 IPTV mit mehr als 50 Free-TV-Programmen sowie über 70 Pay-TV-Sendern in mindestens 50 deutschen Städten starten. O2 hat aufgrund von Schwierigkeiten bei seiner DSL-Vermarktung den Start von IPTV vorerst verschoben, jedoch nicht aufgehoben.
Derzeit wollen IPTV-Dienstleister wie auch Inhalteanbieter zunächst am Konzept des linearen Fernsehens festhalten. Linear bedeutet, dass der Nutzer die Reihenfolge des Programms nicht beeinflussen kann. Das dürfte zum Teil aber auch daran liegen, dass die Anbieter mit Video-on-Demand-Shops Geld verdienen wollen. Gerade die Vorteile von IPTV wie Timeshift TV, Video on Demand oder Network-based Personal Video Recorder (nPVR), die eine individuelle Programmgestaltung ermöglichen, werden von den Verbrauchern (noch) nicht nachgefragt, stellte Deloitte fest.
Neben der Scheu der Kunden vor neuen Funktionen und dem hohen Preis warnt das Beratungsunternehmen vor weiteren Stolpersteinen: Sowohl die Übertragungsqualität als auch die Qualität der Inhalte müsse stimmen. Dabei sieht Deloitte die Möglichkeit, neue Einnahmequellen zu erschließen, beispielsweise indem die Inhalte-Anbieter dem Nutzer Special-Interest-Programme anbieten, für die er extra zu zahlen bereit ist. Weiter fordert das Beratungsunternehmen, die Beziehung zwischen Inhalteanbieter und IPTV-Technikdienstleister für den Endverbraucher transparent zu gestalten. Und schließlich sollte IPTV am besten möglichst intuitiv zu bedienen sein.
Deloitte hat für die IPTV-Analyse im Sommer 2007 Fernsehsender, Film- und Fernsehproduzenten, Multimediafirmen und Branchenverbände befragt.
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