Interview: Creative Commons sind zu unflexibel
Golem.de: Das könnte man damit lösen, dass man einen entsprechenden Lizenztext entwirft, auf den dann verlinkt wird.
Iannella: Ja, sicher. Aber dann hat man nicht das grundlegende Problem gelöst, dass es Wünsche in der CC-Community gibt, die von den Lizenzen nicht abgebildet werden können.
Golem.de: Etwa?
Iannella: Nehmen Sie die BBC. Der Sender möchte über das sogenannte "Creative Archive" viele Inhalte unter CC-Lizenzen zugänglich machen. Aber er darf sie nach dem Staatsvertrag nur Briten zur Verfügung stellen, weil sie die BBC mit ihren Gebühren finanzieren. Diese geografische Beschränkung lässt sich mit CC nicht abbilden. Ein anderes Beispiel komt aus Australien, wo ein Anbieter von Unterrichtsmaterial Lehrern dieses Material kostenlos zur Verfügung stellen möchte, damit sie dieses in ihrem Unterricht verwenden können. Aber diese Inhalte sollen nur ein Jahr zur Verfügung stehen, etwa um sie in einem Schuljahr zu nutzen. Auch da gibt es mit Creative Commons keine Möglichkeit, diese Zeitbeschränkung zu verwirklichen. Der Anbieter hat dann stattdessen AES Share verwendet, eine australische Lizenz für "offene Inhalte".
Golem.de: Nun würde aber ein Vertreter von CC sicher antworten, dass sie genau diese Inflation verschiedener Möglichkeiten auch gar nicht wünschen, weil sie dann am Ende so unüberschaubar wären wie die Situation vor CC. Der große Erfolg rührt aber sicher auch daher, dass die Lizenzen so einfach zu verstehen und zu nutzen sind.
Iannella: Zwischen der Möglichkeit, nur sehr wenige verschiedene Lizenzen zu wählen, die den Wünschen der potenziellen CC-Nutzer nicht entsprechen, und dem Szenario, dass alles völlig unübersichtlich wird, liegt aber ein weites Feld. Selbstverständlich muss man eine Balance finden zwischen der derzeit vorhandenen Auswahl und einer Lizenz, in der alle denkbaren Optionen möglich sind. Aber CC muss die Praktiken derjenigen abbilden, die die Lizenzen nutzen wollen. Sonst können sie sie nicht nutzen. Mit ODRL wäre es sehr einfach auszudrücken, dass man einen Inhalt nur räumlich oder zeitlich eingeschränkt nutzen darf. Und die jeweils betroffenen Communities könnten das dann ihren Wünschen entsprechend verwalten.
Golem.de: Wie hat denn Creative Commons auf diese Vorschläge reagiert?
Iannella: Anfangs sehr gut. Die ODRL-Initiative gibt es schon länger als CC. Sofort als Creative Commons gegründet wurde, sind wir auf sie zugegangen und haben vorgeschlagen, ODRL dafür zu verwenden. Da gab es überhaupt noch keine maschinenlesbaren Lizenzen. Wir hatten dann einige interessante Gespräche mit dem CC-Gründer Lawrence Lessig und seinen Kollegen, aber irgendwann setzte sich dort die Ansicht durch, dass sie entweder RDF nehmen oder gar nichts. Wahrscheinlich, weil alle geblendet waren von der Idee des "Semantic Web", das mit RDF verwirklicht werden sollte.
Golem.de: Und wie geht es nun weiter? Verhandeln Sie noch?
Iannella: Nein, leider nicht. Die Creative-Commons-Leute haben offenbar beschlossen, uns zu ignorieren.
[Das Interview führte Matthias Spielkamp]
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Was mich vor allem wundert ist, wieso angeblich diese Beschränkungen nicht in RDF...
Bestimmten Gruppen etwas für einem bestimmten Zeitraum zugänglich machen? Der Nachteil...
Soll es etwa nicht möglich sein, eine CC-Lizenz für ein Werk zu verwenden und dann noch...
Ich glaube mal CC versucht den Nutzern möglichst simpel die Möglichkeit zu geben ihre...