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OpenStreetMap - Open-Source-Version von Google Maps & Co

Lückenhafte, aber teils genauere Daten als bei der Konkurrenz. Mit OpenStreetMap (OSM) arbeitet seit einiger Zeit ein Projekt daran, einige Nachteile des populären Google Maps oder anderer Kartendienste zu beseitigen. Aktuelle Kartendaten, wie bei Wikis direkte Kontrolle durch die Nutzer und freie Benutzung des Materials sind die Ziele von OpenStreetMap. Auch wenn das Projekt noch in einem frühen Stadium ist, können sich viele Karten dank tatkräftiger Community und gespendeter Daten bereits sehen lassen.
/ Andreas Sebayang
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"OpenStreetMap hat es sich zum Ziel gesetzt, freie geographische Daten wie zum Beispiel Straßenkarten zu erstellen und allen zur Verfügung zu stellen, die sie brauchen können" , so stellt sich das Projekt selbst vor, das seit 2004 daran arbeitet, eine freie Version eines Kartendienstes aufzubauen.

Das Projekt befindet sich noch in einer sehr frühen, aber durchaus brauchbaren Phase. Stichproben ergeben, dass insbesondere Großbritannien und die Niederlande - zum Teil durch Spenden von Daten - recht gut erfasst worden sind. Auch die deutschen Karten können sich durchaus sehen lassen. Je höher die Bevölkerungsdichte, desto genauer sind anscheinend die Daten. Es gibt jedoch auch Gebiete und sogar ganze Länder, bei denen sich noch nicht viel tut. Der Bekanntheitsgrad von OpenStreetMap ist offenbar noch nicht sehr hoch, auch wenn Teilnehmer des Projekts regelmäßig auf Konferenzen darüber sprechen. Als Nächstes etwa auf der Web 2.0 Expo in Berlin.

Zum Teil sind die Daten sogar aktueller als bei Google Maps. Der Screenshot zeigt etwa bereits die Eisenbahn-Verbindung Genshagener Heide Bhf (roter Punkt links unten) - Großbeeren (oben, mittiger roter Punkt). Google Maps ist die direkte Verbindung zwischen dem Berliner Außenring und der Anhalter-Bahn noch nicht bekannt, auch wenn die Kurve bereits einige Zeit existiert. Die Wegführung Berliner U-Bahn-Linien kann man bei Google Maps ebenfalls lange suchen. OpenStreetMap hat dagegen viele Linienführungen erfasst.

Auf der anderen Seite finden sich aufgrund des frühen Projektstadiums natürlich einige Lücken. Während Berlin etwa recht gut erfasst wurde, sieht es beispielsweise in Brandenburg eher mager aus. Außerdem neigt die Datenerfassung bzw. Kartographierung dazu, eher populäre Gebiete oder Strecken aufzunehmen.

Die ganze Weltkugel betrachtend hat man das Gefühl, dass in einigen Ländern praktisch noch niemand etwas von dem Projekt weiß und die Daten eher von Urlaubern stammen als von lokalen Aktivisten. Zu den eher schlecht abgedeckten Ländern gehören auch Hochtechnologie-Länder, etwa in Skandinavien, Japan oder Singapur.

Länder der Dritten Welt, Schwellenländer oder Staaten, die die Bevölkerung nicht unbedingt ins Internet lassen, haben ebenfalls Lücken auf der Karte. Dies ist eher der unzureichenden Infrastruktur bzw. den jeweiligen Regimen anzulasten. Hier sind Kartendienste wie Google Maps aufgrund der satellitengestützten Erfassung auf längere Zeit im Vorteil. Nichtsdestotrotz finden sich selbst in solchen Ländern die ein oder anderen Datenspuren. Wer auf die Suche geht, findet die ein oder andere unerwartete Kuriosität. Dazu gehören etwa Pyongyang (Nordkorea) oder Teheran (Iran).

Gesammelt werden die Daten mit Hilfe des Global Positioning Systems (GPS), dargestellt werden sie mit zwei wählbaren Karten-Render-Engines ( Osmarender(öffnet im neuen Fenster) und Mapnik(öffnet im neuen Fenster) ). Mitmachen(öffnet im neuen Fenster) kann also praktisch jeder. Dazu sammelt man mit einem GPS-Empfänger Daten und lädt diese bei OpenStreetMap hoch oder verarbeitet die bereits hochgeladenen Daten von anderen Teilnehmern und von Firmen/Organisationen gespendeten bzw. genutzten Daten(öffnet im neuen Fenster) . Ein Übungsmodus hilft zudem bei den ersten Schritten in OpenStreetMap, denn das Manipulieren von Karten ist nicht so einfach wie das Editieren der Wikipedia.

Video: OSM-Mapping-History "uk070711" über die letzten drei Jahre. Die "Blitze" zeigen die jeweils aufgezeichneten GPS-Wege.

Ein GPS-Empfänger ist also nicht unbedingt notwendig, um dem Projekt zu helfen. Beim Hochladen alter GPS-Daten sollte man im Übrigen vorsichtig sein: Wer in seinem Empfänger eine "Snap to Road"-Einstellung eingeschaltet hatte, stellt eher ungenaue Daten zur Verfügung, warnt das Projekt und verletzt zudem das Urheberrecht, da ein Abbild der im Gerät vorhandenen Karte vorliegt.

Wer sich bei OpenStreetMap engagieren will, findet am besten im deutschen(öffnet im neuen Fenster) oder englischen Wiki(öffnet im neuen Fenster) einen Einstieg. Eine Liste der Veranstaltungen(öffnet im neuen Fenster) bietet Gelegenheiten, bei Mappingpartys mitzumachen, sich Vorträge anzuhören oder sich einfach nur zur Planung zu treffen.

Schließlich soll auch die jährliche Konferenz The State of the Map(öffnet im neuen Fenster) der Verbreitung und Organisation von OpenStreetMap helfen. Wo diese im nächsten Jahr stattfinden wird, ist jedoch noch nicht bekannt, die Veranstalter suchen derzeit einen geeigneten Ort und engagierte Helfer.

Noch sind die Daten von OpenStreetMap ganz allgemein verglichen mit kommerziellen Diensten äußerst lückenhaft, dank tatkräftiger Hilfe sieht es in einigen Bereichen aber anders aus und es liegen äußerst detaillierte Daten vor. Dabei werden die Daten nicht nur von Freiwilligen gesammelt, auch Unternehmen, die mit GPS arbeiten, spenden ihre gesammelten Daten. Der ein oder andere Kurierdienst hat somit das Projekt mit einer Fülle von Daten versorgt, die noch eingepflegt werden müssen.

Kartenmaterial in Form von Satellitenfotos oder Luftaufnahmen existiert noch nicht. Hier setzt das am Anfang stehende OpenAerialMap-Projekt(öffnet im neuen Fenster) ein, das entsprechende Daten sammeln und koordinieren will.

Der Einsatz für dieses Projekt ist jedoch deutlich kostenintensiver: Statt eines GPS-Empfängers am Boden müssen die Daten in luftiger Höhe gesammelt werden. Sieht man von Gelegenheiten in Form von Funktürmen oder Ähnlichem ab, bleibt nur der Einsatz eines Fluggeräts. Als noch am ehesten bezahlbare Lösung schlägt das Projekt etwa den Open-Source-Mikrokopter(öffnet im neuen Fenster) vor (450,- bis 750,- Euro). Entsprechende Flugkünste und eines gute Versicherung vorausgesetzt, lassen sich so Bilder in luftiger Höhe schießen.


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