Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Spieletest: World In Conflict - Kalter Krieg der Extraklasse

Massive beeindruckt mit gelungenem Multiplayer-Modus. Wenn es um die Hintergrundgeschichte geht, sind Entwickler von Echtzeit-Strategiespielen meist nicht sonderlich einfallsreich - im Normalfall sind es immer dieselben Kriegsszenarien, die einem geboten werden. Die Entwickler von Massive setzen bereits hier an und schrieben für "World In Conflict" einfach mal die Geschichte der letzten 20 Jahre um. Aber auch abseits der Story hat der Titel einiges zu bieten, was PC-Strategen zusagen dürfte.
/ Thorsten Wiesner
75 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)

In World In Conflict wird die Frage aufgestellt, wie eine alternative Version des Kalten Krieges wohl ausgesehen hätte - anstelle des Falls der Berliner Mauer gibt es hier einen Angriff der Sowjetunion auf die USA Ende der achtziger Jahre. Erdacht wurde die Geschichte von Autor Larry Bond, und der hat, abgesehen von etwas zu viel Pathos, durchaus gute Arbeit geleistet - sein Skript wurde von den Entwicklern von Massive jedenfalls für eine zwar kurze, dafür aber wirklich intensive Einzelspieler-Kampagne verwendet.

World In Conflict punktet vor allem mit viel Action und zahlreichen überraschenden Skriptereignissen, was die Kampagne äußerst lebendig, für Anfänger aber auch fast schon wieder zu hektisch gestaltet. Dem Spieler obliegt es, auf Seiten der USA den sowjetischen Angriff zurückzuschlagen, innerhalb der Missionen ändern sich die Haupt- und Unterziele aber des Öfteren recht schnell und überraschend. Muss zunächst noch eine Stellung eingenommen werden, gilt es im nächsten Moment schon wieder, den Rückzug anzutreten, um einem Bombardement zu entgehen; dann wieder müssen Geschütze zerstört, Kollegen befreit, Nachschub geordert und zahlreiches anderes mehr bewerkstelligt werden.

Für Spannung und Atmosphäre sorgen zusätzlich gelungene Zwischensequenzen und Charaktere mit Tiefgang - anstelle von namenlosen Soldaten wurde hier (recht erfolgreich) versucht, die einzelnen Entscheidungsträger in den Schlachten mit Leben zu füllen. Parallelen zu Command & Conquer sind da nicht von der Hand zu weisen - und in Sachen Spannung darf sich World in Conflict mit dem Platzhirsch durchaus messen.

Das Gameplay ist generell auf hohes Tempo und schnelle, nichtsdestotrotz taktisch wohl überlegte Aktionen ausgelegt; Basenbau und Ressourcensammeln entfallen, dafür müssen Infanterie, Panzer und Helikopter (die allesamt sowohl Angriffs- als auch Defensivaufgaben ausführen können) geschickt gesteuert, Nachschub geordert und teils mehrere Krisenherde gleichzeitig beherrscht werden. Trotzdem werden geübte Strategen recht schnell die Kampagne siegreich beenden - diverse hämische Forumskommentare, die in diesem Zusammenhang von einem "besseren Tutorial" sprechen, mögen da unberechtigt sein, etwas umfangreicher hätte das Ganze aber zweifelsohne ausfallen dürfen. Und auch von den typischen Strategiespielproblemen bleibt World In Conflict nicht verschont - die KI etwa lässt manchmal zu wünschen übrig, vor allem die Wegfindung zehrt immer mal wieder an den Nerven.

Über mangelnde Dauermotivation muss sich trotzdem nicht beschwert werden - der Multiplayer-Modus hält nämlich fast alles, was man sich im Vorfeld erhoffen durfte. Großer Wert wird hier auf Teamplay gelegt: Der Spieler kämpft als Infanterist, Panzerfahrer, im Helikopter oder als unterstützender Pionier, spannende Modi wie Domination sowie Angriff und die Möglichkeit, auch in bereits laufendende Partien einzusteigen und den Gegner mit massivem Waffeneinsatz bis hin zur Atombombe zu bekämpfen, sorgen für äußerst kurzweilige Partien. Schade allerdings: Im Multiplayer dürfen neben den Amerikanern zwar auch die russischen Truppen dirigiert werde, die spielerischen Unterschiede sind aber auf Grund praktisch identischer Einheiten zu vernachlässigen.

World in Conflict - Trailer Rule the World
World in Conflict - Trailer Rule the World (02:18)

Optisch überzeugt World In Conflict mit einer bestens zum Spiel passenden Inszenierung - spektakuläre Explosionen, dichter Kugelhagel, erschreckend große Atompilze und vieles mehr sorgen für ein immens dichtes Spielerlebnis. Auch die Soundkulisse ist gelungen, wenn hier auch sicherlich noch ein paar Effekte mehr möglich gewesen wären.

World In Conflict ist im Handel in mehreren Versionen erhältlich - neben einer Standard-USK-16- gibt es auch eine USK-18-Version in Standard- und Collectors-Edition-Variante. Die Unterschiede zwischen den Versionen sind vor allem kosmetischer Natur und schlagen sich unter anderem in der Benennung der Atombombe nieder.

Fazit:
Wer will, findet an World In Conflict einiges zu kritisieren: Die spielerischen Parallelen zum Massive-Titel Ground Control 2 sind teils doch deutlich, die Kampagne ist recht kurz und sehr pathosgeladen, die beiden Teams im Multiplayer-Modus kaum unterschiedlich. Und trotzdem ist der Titel in Sachen Atmosphäre, Spannung und Inszenierung mit das Beste und Beeindruckendste, was es im Strategie-Genre in diesem Jahr bisher zu sehen gab; wer Taktik am liebsten mit viel Action genießt, sollte hier definitiv zugreifen.


Relevante Themen