Interview: Robbie Bach über Xbox 360, Halo 3 und Zune

Robbie Bach: Richtig.
Golem.de: Dazu gehören Xbox 360, Windows Mobile, Zune, Games for Windows, Automotive. Erstmal zu Zune und Xbox 360 , über die mittlerweile in den USA auch kostenpflichtige Downloads von Filmen und Musik möglich sind. Welche Entwicklungen können wir da erwarten?
Robbie Bach: Ich denke, es gibt derzeit wirklich dramatische Veränderungen, insbesondere in den Bereichen Musik und Video usw. Dazu gehören das Fernsehen, Filme usw. Motor dieser Veränderungen ist der Wandel hin zu reiner Digitaltechnik. Mit dem technologischen Wandel hin zu reiner Digitaltechnik sind auch neue Geschäftsmodelle entstanden. Es haben sich neue Möglichkeiten eröffnet. Softwareprogramme haben an Bedeutung gewonnen. Webbasierte Services sind wichtiger geworden. Es tauchen neue Akteure auf - wie Microsoft, Apple und andere, die eine immer bedeutendere Rolle spielen. Die Content-Provider nehmen noch immer eine überaus bedeutende Stellung ein. Das wird sich auch nicht ändern. Aber deren Geschäftsmodell, die Art und Weise, wie sie mit anderen in diesem Ökosystem agieren usw. - das hat sich geändert und meiner Ansicht nach generell im positiven Sinne für die Eigentümer von Content und die Verbraucher.
Robbie Bach: Bei DRM sollte man eines nicht vergessen: Keiner sollte eigentlich diese drei Buchstaben kennen. Die Tatsache, dass unter Verbrauchern, in Veröffentlichungen, in Zeitungen usw. das Bedürfnis besteht, DRM zu thematisieren, ist nicht gut. Die echte Herausforderung, die wohl größte Herausforderung für uns besteht darin, die Technik aus dem Bewusstsein der Verbraucher zu verdrängen. Kein Verbraucher sollte sich darüber Gedanken machen müssen.
Golem.de: Davon sind wir noch weit entfernt.
Robbie Bach: Das ist auch meine Meinung. Ich denke, da gibt es noch einiges zu tun. Heute steht eher die Technik im Vordergrund - mehr als dies notwendig wäre. Sie ist nicht "freundlich", spiegelt die tatsächlichen Erfahrungen der Leute nicht in dem Maße wider. Gleichzeitig müssen die Verbraucher aber erkennen, dass es sich hier um geistiges Eigentum handelt, das geschützt werden muss. Wir müssen daher bei der Technik Wege finden, mit denen sich geistiges Eigentum schützen lässt. Denn das verdienen unsere Content-Partner. Gleichzeitig müssen wir den Verbrauchern eine Erfahrung bieten, die natürlich ist, die sinnvoll ist. An diesem Punkt sind wir - und auch andere - noch nicht. Die technische Entwicklung ist diesem Ansatz nicht gefolgt.
Robbie Bach: Das ist natürlich ein Ziel - ganz sicher. Dafür müssen sich aber eine ganze Reihe von Umständen ändern. Es ist nicht so sehr ein technisches Problem. Die Technik ist nicht so kompliziert. Komplizierter ist das Drumherum, das Geschäftsmodell, die Strategie, d.h. die Content-Provider müssen zufrieden sein.
Diese Veränderung braucht Zeit. Sie wird kommen. Das wird aber dauern. Kleine Ansätze sind hier und da schon zu erkennen. Wir werden die Sache weiter vorantreiben. Im technischen Bereich werden wir neue Entwicklungen einführen und die Content-Provider müssen verstehen, wie sie damit mehr Geld verdienen können als mit dem, was heute zur Verfügung steht.
Golem.de: Noch gibt es aber nur ein zerstückeltes Content-Angebot für Microsofts Plattformen.
Robbie Bach: Das hat sich schon verändert. Ein Beispiel: Bei Xbox Live und Zune kommt dieselbe Technologie zum Einsatz. Die Benutzer-ID ist dieselbe. Die Sicherheitsdatei funktioniert auf beiden Plattformen. Wir bewegen uns ganz sicher auf den Punkt zu, an dem die Leute erkennen, dass es einen Service gibt, der ihnen Media- und Entertainment-Content zur Verfügung stellt, über den sie Freunde treffen und so auf sozialer Ebene Erfahrungen sammeln können usw. Dabei ist es unerheblich, ob sie dafür die Xbox, Zune, den PC oder irgendein anderes Gerät nutzen. Wichtiger ist, dass sie den Service nutzen. Geschieht das so, als ob man einen Schalter umlegt, jemand etwas einschaltet, und wie von Zauberhand erscheint es überall? Die Antwort ist nein. Wir werden das nach und nach, schrittweise umsetzen.
Zune war die nächste Phase [...] und mit der Zeit werden noch weitere kommen.
Golem.de: Wie wichtig sind übergeordnete Marken, die immer wieder erkannt werden? Apple hat seine Marke iTunes überall präsent - zu Hause und unterwegs. Nicht nur mit dem Mac, PC und iPod, sondern nun auch mit dem iPhone. Die Nutzer müssen sich über die Plattform nicht viele Gedanken machen.
Robbie Bach: Richtig. [...] Wenn Sie auf den Markenaspekt abheben, muss man sich vergegenwärtigen, dass dies bei "Live", d.h. Windows Live, Xbox Live, Office Live, als unternehmensübergreifende Marke von Microsoft eine zentrale Rolle im Hinblick auf unseren gesamten Online-Serviceansatz spielen wird. Es hat sich gezeigt, dass unser Ansatz in der Tat umfassender ist als beispielsweise der von Apple. Apple konzentriert sich mehr auf Media-Content für iTunes und sie haben auch etwas, was nicht unter den Begriff iTunes fällt, nämlich Productivity-Content.
Golem.de: Und der Kommunikationsbereich wie Instant Messaging usw.?
Robbie Bach: Ja, der Bereich Kommunikation. Sie haben dafür unterschiedliche Bezeichnungen. Für uns ist Live eine Marke, die alles verbindet. Mit der Zeit werden die Leute verstehen, dass sie, wenn sie Windows Live sehen, bestimmte Merkmale erwarten können, bestimmte Gemeinsamkeiten. Bei Xbox Live erwarten sie diese Merkmale und Gemeinsamkeiten eben auch. In jedem Fall muss alles einzigartig für den Markt und die Zielgruppe sein. Xbox Live muss einzigartig sein, was Spiele angeht. Und gerade weil es ein Live-Service ist, gibt es Merkmale mit einem Wiedererkennungswert.
Golem.de: Also Dienste, die sich in jeder dieser Live-Versionen nutzen lassen?
Robbie Bach: Korrekt. Messenger ist heute ein Beispiel dafür. Mit "see your messenger friends" kann man seine Freunde auf Xbox Live sehen. Bei Windows Live Messenger gibt es die Liste mit Freunden. Man möchte mit ihnen über Xbox Live kommunizieren. Das geht jetzt. Das ist ein weiteres Beispiel für: "Das ist live. Ich kann damit das und das tun." Und wir machen genau das möglich.
Robbie Bach: Sie sprechen hier viele Dinge an. Lassen Sie uns versuchen, diese etwas zu ordnen. Die Vorstellung ist sicherlich, dass die Leute Videos an beliebigen Orten sehen möchten. Ich denke, das ist die Realität. Und Sie werden sehen, dass wir uns weiter darauf konzentrieren. Wir haben jetzt bei der Xbox damit angefangen - mit Xbox Live und unserem damit verbundenen Video-Service. Wir werden in diesem Jahr diesen Video-Service in Europa anbieten. Das ist die Erweiterung dazu. Es gibt ganz klar noch andere Orte, an denen wir diese Art Service anbieten können. Wir werden das untersuchen und entscheiden, wie wir das mit der Zeit umsetzen. Es gibt kleine Beispiele dafür bei unserer Media-Room-Technologie, die von der Deutschen Telekom, British Telekom und anderen eingeführt wird. Hier tut sich etwas und es wird noch mehr kommen - keine Frage.
Golem.de: Die Deutsche Telekom setzt bei T-Home auf Microsofts IPTV-Servertechnik. Die Xbox 360 wird bereits von Microsoft als Set-Top-Box für Internetfernsehen vorbereitet. Wann wird es denn so weit sein, dass die Xbox 360 auch für T-Home-Zuschauer als Empfänger dient?
Robbie Bach: Ich möchte mich nicht zu bestimmten Kunden äußern. In den nächsten zwölf Monaten werden wir zusammen mit anderen einiges umsetzen. Was ist denn bei Media-Room und IPTV passiert? Unseren Partner ist es sehr wichtig, ihr Serviceangebot zu skalieren. Die Deutsche Telekom möchte ihr Serviceangebot zehntausenden, hunderttausenden, Millionen von Anwendern zur Verfügung stellen. Das gilt ebenso für AT&T in den Vereinigten Staaten, für British Telekom, für Swisscom. Diese Unternehmen konzentrieren sich sehr stark darauf, ihr Serviceangebot zu skalieren. Wir kommen nun an einen Punkt, an dem sie verstehen, was sie tun. Bis zum Ende unseres Geschäftsjahrs im Juni 2008 werden wir bei unserer Media-Room-Technologie zwischen 1,5 und 2 Millionen Anwender haben.
Das wird passieren. Wenn wir an diesem Punkt sind, werden unsere Partner anfangen, zu Phase 2 überzugehen und sich fragen: "Wie können wir Mehrwert bieten? Wie können wir differenzieren? Wie bieten wir unseren Video-Kunden neue Services, neue Funktionen?" Dann kommen die Leute zu uns und sagen: "Ich interessiere mich für die Xbox, habe allerdings noch abgewartet. Jetzt sollten wir reden." Ich denke, wir kommen an diesen Punkt.
Golem.de: Nochmal zur Xbox 360 für Video-Streaming aus dem Web - ohne Umweg über ein Windows-Vista-System. Ist daran gedacht?
Robbie Bach: Heute laden wir Videos herunter. Wir laden etwas herunter, um es zu besitzen und zahlen nach dem Pay-per-View-Prinzip. Der nächste Schritt hin zu webbasiertem Streaming ist sicherlich technisch machbar. Unsere kleine Herausforderung bei der Xbox [360] ist das Managed Enviroment, das wir schaffen. Die Frage ist, wie gelingt uns der Ausgleich zwischen dem Nutzen, den der Kunde von einem Managed Environment hat, und dem, was grundsätzlich im Web und nicht in einem Managed Environment verfügbar ist. Wir werden uns weiter damit beschäftigen und es ist sicherlich möglich. Wir haben aber nichts in petto, über das wir hier sprechen könnten.
Golem.de: Ist das auch ein Grund dafür, dass es keinen Microsoft-Browser für die Xbox 360 gibt?
Robbie Bach: Den gibt es zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Mit der Xbox 360 kommt man nicht ins Netz. Wer weiß, was die Zukunft bringt. Heute haben wir keinen [Browser].
Golem.de: Nur wegen der kontrollierten Umgebung? Oder möchten Sie es einfach richtig machen?
Robbie Bach: Das hat verschiedene Gründe. Grundsätzlich ist es ja nicht so, dass die Leute von ihrem Sofa aus ins Netz gehen. Das ist so. Videos sind eine kleine Ausnahme. Die Leute suchen vielleicht nach einem Video. Im Normalfall sitzen sie auf ihrer Couch und es fällt ihnen ein, dass sie ihre E-Mails abrufen möchten, sich einen neuen Mantel kaufen wollen, ein Paar neue Schuhe brauchen. Dann suchen sie danach. In der Regel machen sie das von ihrem PC aus.
Robbie Bach: Das könnte sich ändern. Der Unterschied ist, dass Fernsehen eine soziale Komponente hat. Messaging ist da sinnvoll. Wenn Sie etwas kaufen, ist das anders. Man nimmt sich dafür ganz anders Zeit. Man hat eine Tastatur, eine Maus - das ist einfacher.
Ich denke, es geht doch einerseits darum, was der Kunde braucht, und andererseits darum, sicherzustellen, dass ein sauberes Managed Environment vorhanden ist. Hier muss eine gewisse Ausgeglichenheit bewahrt werden. Bei einer Revolution sollte man niemals nie sagen. Stimmt doch? Während eines solchen Umbruchs bieten sich neue Chancen, es entstehen neue Kundenwünsche und man beginnt, die Dinge in einem anderen Licht zu sehen.
Golem.de: Wie sieht es denn bei der Xbox 360 derzeit aus - nach dem Desaster mit der Hardwarequalität?
Robbie Bach: Ich denke, wir haben hier gute Fortschritte gemacht. Für uns ist es aufregend zu sehen, dass die Kunden das Produkt lieben. Da die Kunden zufrieden sind und das Produkt gerne weiterempfehlen, genießt die Xbox 360 eine sehr hohe Akzeptanz - die höchste, die ich jemals bei einem Produkt, an dem ich gearbeitet habe, erlebt habe. Gut 90 Prozent empfehlen die Xbox [360] weiter.
Die Leute lieben das Produkt wirklich. Natürlich macht sich Enttäuschung breit, wenn es ein Problem gibt. Aus diesem Grund haben wir auch die Garantiezeit verlängert. Wir haben ihnen gesagt: "Ihr liebt das Produkt, wir lieben es auch, stehen dahinter und kümmern uns." Das hat dazu geführt, dass der Markt Vertrauen gewonnen hat. Man kann das Produkt, das man liebt, getrost weiterempfehlen, ruhigen Gewissens kaufen.
Deutlich wurde dies für uns in den Verkaufszahlen. Seit wir die Änderungen bei der Garantiezeit angekündigt haben, gibt es einen noch größeren Run auf das Produkt. Zum Teil ist das, offen gesagt, saisonbedingt. Ein wenig hat es auch mit dem geänderten Preis zu tun. Zurückzuführen ist es gleichfalls auf den umfassenden Content. Es gibt viele Gründe. Wir verkaufen in immer kürzerer Zeit und das Geschäft läuft weiterhin gut.
Derzeit arbeite ich in erster Linie daran, wie schnell wir eine Konsole reparieren und wieder an den Kunden zurückschicken können. Diese Kritik hören wir am häufigsten: "Ich liebe meine Konsole. Danke, dass ihr sie kostenlos repariert, aber könnt ihr mir sie schneller zurückschicken?" Natürlich achten wir darauf, dass wir die Konsolen gut reparieren. Ganz klar. Hier müssen wir einen Mittelweg finden.
Golem.de: Was wurde denn getan, um die Gerätereparaturen von vornherein zu vermeiden?
Robbie Bach: Bei den neuen Konsolen haben wir unzählige Fortschritte gemacht. Die Lager bei den Händlern werden immer wieder neu gefüllt. Heute bekommt man Konsolen zu kaufen, die qualitativ sehr viel besser sind. Wir sind sehr stolz, sie zu verkaufen.
Golem.de: Was wurde verändert? Wie steht es um das Hardware-Redesign?
Robbie Bach: Natürlich wäre es für mich jetzt einfach zu sagen: "Das Teil mit der Nummer 37 war kaputt." Das war aber nicht das Problem. Vielmehr war es ein Problem des Zusammenspiels des gesamten Umfelds, des Zusammenspiels verschiedener Teile, unterschiedlicher Teile von unterschiedlichen Zulieferern und unterschiedlicher Teilekombinationen in der Box und des Designs insgesamt. Die Änderungen, die wir vorgenommen haben, waren eher Änderungen am Design als an bestimmten Komponenten. Und wir haben das Design verändert. Die Box wird tatsächlich immer günstiger. Das Design ändert sich also immer ein bisschen. Einige, spezifische Designänderungen waren aber auch unsere Reaktion auf Rückmeldungen von Kunden.
Robbie Bach: Die Leute sollten wirklich wissen, dass das Produkt, das es heute zu kaufen gibt, ein sehr gutes Produkt ist. Wir haben Änderungen vorgenommen. Wir haben zusammen mit den Händlern die Lagerbestände bereinigt. Unser Umsatz entwickelt sich so schnell, dass sich die Lager von selbst umschlagen.
Aus unserer Sicht kann man die Xbox 360 heute wirklich getrost kaufen. Wenn aus irgendeinem Grund ein Problem auftaucht, wissen die Kunden, dass Microsoft in jedem Fall hinter ihnen steht.
Dieser psychologische Ansatz trägt Früchte. Natürlich war ich angenehm überrascht, als die Stückzahlen nach der Ankündigung unseres Schutzprogrammes ganz schön angestiegen sind.
Golem.de: Für die Leute ist es wichtig zu wissen, dass ein Hersteller für seine Fehler geradesteht.
Robbie Bach: Wir haben eine schmerzvolle, d.h. kostspielige Erfahrung gemacht. Aber es war das Richtige für die Kunden. Und wir bekommen auch die Rückmeldung, dass dieser Schritt richtig war.
Golem.de: Die PlayStation 2 verkauft sich weiterhin sehr gut in Deutschland und in Japan herrscht Überraschung über den großen Erfolg von SingStar hierzulande. Auch Nintendos Spielekonsole Wii spricht eher die Masse an als die Xbox 360 es bisher vermag. Was wird Microsoft tun, um das zu ändern?
Robbie Bach: Sie dürfen nicht vergessen, dass derzeit eine ganze Reihe von Dingen passiert. Ich werde das im Einzelnen erläutern.
Wir müssen uns in erster Linie darauf konzentrieren und tun es bereits, viel mehr Software anzubieten. Das ist der wichtigste Aspekt, der bestimmt, wer die Konsole kauft. Wenn man sich die Xbox 360 anschaut, in dieser Feriensaison: Sie bietet eine unheimlich große Plattform. Wir haben eine Unmenge an Konsolenspielen. Es gibt ein neues Spiel von Microsoft unter dem Namen "Scene It?" mit einem 4-Tasten-Controller, das ganz einfach zu spielen ist.
Es ist ein lustiges, kleines Spiel. Unterhaltsam - ein tolles Spiel.
Dann haben wir unsere Arcade-Produkte auf Live, die einfach zu bedienen sind. Der Download ist ein Kinderspiel. Die Spiele sind schnell und machen viel Spaß.
"Guitar Hero" war ein Riesenerfolg auf der Xbox 360. Bei meiner Familie ist das Spiel bei weitem die Nummer 1. Ich habe einen Sohn und zwei Töchter. Alle drei spielen es. Das ist die große Veränderung.
Man wird erstens sehen, dass wir das Angebot weiter ausbauen. Der zweite Punkt, der sich hier auswirkt, ist der Preis.
Vergessen Sie nicht, dass sich Nintendo gegen leistungsstarke Hardware entschieden hat. Der Einstiegspreis ist viel niedriger. Und Nintendo verkauft an eine Kundenzielgruppe, die wir nach und nach auch erreichen, wenn nämlich unsere Preise gesunken sind. An diesem Punkt sind wir noch nicht. Daher verkaufen wir heute an Kunden, denen es mehr darauf ankommt, welchen Gegenwert sie für ihr Geld bekommen. Mit der Zeit wird sich das ändern.
Die PS2 verkauft sich, weil man sie schon für 100,- Euro bekommt. Das ist aber ein anderer Kunde. Das ist eine ganz andere Art von Kunde. Welches Spiel kauft dieser Kunde? Ich denke, er kauft logischerweise SingStar. Man könnte fast annehmen, dass die meisten PS2 wegen SingStar gekauft werden. Die Leute kaufen, weil sie die PS2 wollen. Sie kaufen sie wegen SingStar. Die PS2 kostet gerade mal 99 Dollar. Deshalb wird sie gekauft.
Diese Kunden werden wir später in unserem Produktlebenszyklus erreichen. Es gibt unterschiedliche Konsolen für unterschiedliche Zielgruppen. Die Herausforderung für Nintendo ist: Was ist nach zwei, drei oder vier Jahren? Was passiert, wenn sich der Hype um den Controller gelegt hat, wenn die Leute anfangen, mehr auf Spielgenuss zu achten, wenn sie nach Möglichkeiten suchen, Spiele online zu spielen. Wenn die Leute all das machen? Meiner Meinung nach läuft das Geschäft für Nintendo gut, aber nur in einem bestimmten Marktsegment.
Was passiert bei der Xbox [360]? Wir werden unser Content-Portfolio ausbauen und mehr Gemeinsames mit der Wii haben. Die Preise werden sich, wie das immer der Fall ist, mit der Zeit nach unten bewegen. Wir können so neue Kunden erreichen. Unser Vorteil besteht in den Video-Downloads. Es ist möglich, Fotos zu zeigen, die Box an den PC anzuschließen, Spiele online zu spielen und Spielgenuss in HD zu erleben. Die Zielgruppe ist eine andere als bei Nintendo. Es wird zwar Überschneidungen geben, aber meiner Meinung nach wird die Weiterentwicklung anders aussehen. [...]
Bei Nintendo fiel die Entscheidung, etwas ganz Bestimmtes zu tun, und sie haben es gut gemacht. Gute Arbeit. Ich selbst würde das, was wir tun und getan haben, nicht ändern, denn letztendlich ist unser Markt viel größer.
Robbie Bach: Nein.
Golem.de: Sie hätten damit eine eigene Konsole für rund 100,- Euro haben können.
Robbie Bach: Die Xbox 1 ist nicht als Niedrigpreisprodukt entwickelt worden. Grundsätzlich kann man beim Design die Kosten sehr stark senken. Das trifft allerdings bei der Xbox 360 nicht zu. Wir hatten mehr Zeit und sind, was das grundlegende Design der Konsole angeht, gewiefter. Die Xbox 1 war nie ein Produkt, das für 99,- Dollar angeboten werden sollte. Sie ist ein gutes Produkt. Wir lieben es, verkaufen noch immer Software dafür. Sie ist gut, hatte aber nicht dieselbe Dynamik wie die PS2.
Golem.de: Wie gut macht sich die Elite Xbox 360?
Robbie Bach: [Die] Elite ist faszinierend. Elite ist sehr erfolgreich, viel erfolgreicher als erwartet. Das meinte ich, als ich über die Fülle unseres Angebots sprach. Sie können mit der Basisversion [ohne Festplatte] anfangen, hoch bis zur Version mit einer 20-GByte-Festplatte gehen und weiter bis auf 120 GByte. Unterschiedliche Kunden entscheiden sich für unterschiedliche Produkte. Die Reaktion auf Elite war sehr, sehr positiv. Dies liegt zum großen Teil daran, dass diejenigen, die Filme herunterladen, Spiele speichern, sonstige Inhalte auf ihrer Festplatte speichern, Elite als ein Media-Gerät sehen, das mehrere Zwecke erfüllt und auch noch für Spiele genutzt werden kann. Für sie ist es eine High-Definition-Unterhaltungskonsole und nicht nur eine HD-Spielekonsole. Die Zielgruppe, die wir wohl auch an uns binden können, ist riesig und für Nintendo einfach unerreichbar.
Golem.de: Und was ist mit einer "Super-Elite" mit eingebautem HD-DVD-Laufwerk?
Robbie Bach: [lacht] Nun, HD-DVD und Blu-ray sind eine wirklich interessante Herausforderung. Wenn es um Spiele geht, bringt ein HD-DVD-Laufwerk nichts. Spiele müssen sich noch immer auf jeder Konsole spielen lassen, d.h. auf einem Standardlaufwerk. Daher kann ich nicht zu Electronic Arts sagen: "Ich habe hier dieses HD-DVD-Laufwerk mit 25 GByte. Das könnt ihr nehmen." Sie können es aber nicht. Mit den 12 oder 13 Millionen Konsolen, die wir bereits verkauft haben, geht es nicht. Bei Spielen bringt es nicht viel. Im Videobereich haben wir ein HD-DVD-Laufwerk. Man kann es kaufen und es wird gekauft. Es ist eine schöne Sache. Wer es haben möchte, kann es nutzen. Der Unterschied zwischen uns und Sony ist, dass bei Sony jeder dafür zahlen muss.
Golem.de: Das verwundert mich, denn gerade seitens der Entwickler ist zu hören, dass eine Spiel-DVD bei Next-Generation-Spielen einfach nicht mehr genug Platz bietet.
Robbie Bach: Wir haben Entwickler, die zu uns kommen und sagen, dass sie mehr Speicherplatz brauchen. Wir zeigen ihnen dann Techniken, wie sie mehr aus der Disk herausholen können, und sie sind dankbar dafür. Halo 3 ist ein wahnsinnig komplexes Spiel. Ein tolles Spiel. Ich denke, es wird mit der Zeit recht erfolgreich werden.
Golem.de: Allerdings gibt es Spielestudios wie Epic Games, id Software und Rockstar Games, die wegen der geringen DVD-Kapazität darüber nachdenken, Multi-Disk-Spiele für die Xbox 360 zu entwickeln. Grand Theft Auto 4 soll auf der Xbox 360 einige Probleme wegen des Spielumfangs machen.
Robbie Bach: Mal sehen, was passiert. [...] Ich bin recht zuversichtlich, dass die beste Version auf der Xbox 360 laufen wird. Keine Frage.
Golem.de: Dennoch bleibt die Beschwerde - es gibt zu wenig Speicherplatz und damit weniger Inhalte.
Robbie Bach: Lassen Sie es mich so sagen: Von denjenigen, die diese Spiele spielen, wird man hören, dass die Xbox [360] die umfassendste und beste Erfahrung bietet. Bei diesen Spielen zählt nicht die Menge an Inhalten. Natürlich kann man diese Spiele auf drei oder vier Disks ausbauen. Den Leuten kommt es im Wesentlichen auf den Spielgenuss an. Schauen Sie sich die Spiele an, die wir heute ausliefern. In den Staaten "Man of Football" - zweifelsohne die beste Version auf der Xbox 360. Es ist unerheblich, wie groß die Disk ist. Alle sind sich einig, dass das die beste Version für dieses Spiel ist. Nehmen wir FIFA. Wenn Sie hier Vergleiche anstellen, dann bekommen Sie die Antwort, dass die beste Version dieses Spiels die für die Xbox 360 ist.
Golem.de: Weil es die Hauptplattform für die Entwicklung ist.
Robbie Bach: Weil die Entwicklung einfach ist und die Tools sind es auch. Der Plattenspeicher ist einer von 20 Faktoren, den der Entwickler in Betracht ziehen muss. Ein anderer Entwickler fragt, wie er mehr Speicherplatz bekommt. Sony muss hier 19 Fragen beantworten, warum es bei seiner Plattform Tools für X, Y, Z gibt. Bei den Entwicklern wird Folgendes passieren: Sie nehmen die 360 als Basis, da die Entwicklung viel einfacher, die Installationsbasis größer, die Online-Struktur besser ist und Microsoft einen besseren Support anbietet.
Also beginnen sie damit. Entwickeln ihre Spiele zuerst dafür. Und wenn sie dann ein PS3-Spiel entwickeln, erfolgt die Portierung auf diese Plattform. Verlage kritisieren bei der PS3 hauptsächlich die Installationsbasis.
Robbie Bach: Was da in den Staaten passierte, ist wirklich komisch. Sie begannen die Juli-Zahlen zu veröffentlich - hatten den Preis gesenkt - und sagten, dass die Daten wohl eine Überraschung in sich bergen würden, dass man wohl Fortschritte gemacht habe. Die Juli-Zahlen kamen heraus und trotz der Preissenkung lagen sie nur an dritter Stelle.
Tatsache ist, dass es gar keine Preissenkung gab. Das ist, was alle übersehen. Was war der günstigste Preis für eine PS3 vor der Preissenkung? 499,- Dollar. Was war der günstigste Preis für eine PS3 nach der Preissenkung? 499,- Dollar. Bei einer Preissenkung stellt sich die Frage, wo lag der Preis und wo liegt der neue Preis? Sie können nun sagen, dass eine größere Festplatte für weniger Geld angeboten wird. Gut. Das verstehe ich. 499,- Dollar ist viel Geld für eine Spielekonsole. Wenn man jetzt noch berücksichtigt, dass die Qualität der Spiele nicht so hoch ist wie bei der 360 oder der Wii...
Golem.de: Allerdings darf nicht vergessen werden, dass die PS3 später als die Xbox 360 auf den Markt kam, die Entwickler müssen erst die Technik beherrschen lernen.
Robbie Bach: Für den Kunden stellt sich die Frage: Was bekomme ich für mein Geld? Wofür zahle ich? Ich denke, das ist ein wichtiger Aspekt, wenn es darum geht, was derzeit auf dem Markt los ist.
Golem.de: Was ist mit der Xbox-360-Festplatte - wie wichtig ist sie? Die Spiele werden immer umfangreicher.
Robbie Bach: Man muss sich vor Augen führen, dass wir viele unterschiedliche Kunden haben. Es gibt Kunden, die nicht mit Xbox Live arbeiten, die ein Spiel möchten, das Spaß macht - wahrscheinlich für ihre Kinder. Sie haben ein bestimmtes Budget zur Verfügung und kaufen die Basisversion [Xbox 360 ohne Festplatte, Anmk. der Red.]. Wir verkaufen heute etwa 20 Prozent unserer Produkte in der Basisversion. Je nach Land ist der Anteil höher. Manche Länder reagieren etwas sensibler auf Preise. Und diese Kunden kaufen die Xbox [360]. Vielleicht möchten sie am Ende eine größere Festplatte, wenn sie feststellen, dass sie Filme herunterladen können. Und Papa möchte das tun. Sie kaufen dann die Festplatte nicht später. Das ist das Schöne daran, wenn man die Wahl hat. Die Leute können selbst wählen, unsere Produktpalette rauf- und runtergehen.
Golem.de: Gerade die Xbox-360-Festplatten sind aber eine kostspielige Wahlmöglichkeit. Im Vergleich sind herkömmliche USB-Festplatten günstiger.
Robbie Bach: Und dann passt die Standard-USB-Festplatte nicht in die Box. Das sind alles Dinge, mit denen man umgehen muss, an denen man arbeiten muss. Wichtig ist, dass unsere Kunden wählen können.
Golem.de: Halo 3 ist ein Spiel für Erwachsene geworden. Die USK-Einstufung liegt bei 18 Jahren ("Keine Jugendfreigabe") - und nicht bei 16 Jahren. Was bedeutet das für den Markterfolg?
Robbie Bach: Die Auswirkungen werden nicht so groß sein. Halo ist eine interessante Spielereihe. Es ist ganz sicher ein "Ballerspiel". Wenn man es philosophisch betrachtet, dann ist es eher eine Fantasy- als eine Abenteuerspielereihe. Es gibt einen großen Unterschied zwischen Halo und einem ganz harten Ballerspiel. Es ist ganz anders. Klar, auch bei Halo gibt es Schießereien. Keine Frage.
Deshalb wurde es so eingestuft, wie es eingestuft wurde. Es geht doch aber wirklich eher darum, mit Freunden zu spielen, um den Fantasy-Aspekt, um die Geschichte. Darum, was im Spiel passiert. Ich denke, die Auswirkungen werden nicht so groß sein. Als wir die erste Fassung von Halo auf den Markt brachten, hatten wir die Hoffnung, dafür die Freigabe "T" [Teen] zu bekommen - also 13 bis 17. Es war hart an der Grenze. Wir bekamen die vorläufige Einstufung "T" und dann entschied die für Freigaben zuständige Behörde auf "M" [Mature]. Wir waren darüber etwas beunruhigt, weil wir jetzt bei 17+ waren und die Zielgruppe sich ändern könnte. Dann war es das Spiel, das sich bislang am besten auf dieser Plattform verkauft hat.
Altersfreigaben sind sehr wichtig. Sie sind für Eltern ein wichtiges Indiz. Wichtig, um in der Familie kontrollieren zu können, was die Kinder spielen. Die Leute wissen das auch und treffen die richtige Entscheidung für ihre Kinder.
Golem.de: Wie sieht es bei den Einnahmen mit Merchandise aus. Stichwort: Halo...
Robbie Bach: Meinen Sie das Merchandising der Marke Halo?
Golem.de: Ja, wann kommen die Halo-Werbeprodukte, was ist geplant - vielleicht so etwas wie Halo-Unterhosen?
Robbie Bach: Ich glaube, bislang haben wir keine Unterhosen mit Halo drauf.
Golem.de: Schade. Könnte interessant sein.
Robbie Bach: Ich werde das einmal prüfen. Am besten noch irgendwie verstärkt, oder? [lacht] Merchandising ist meiner Ansicht nach für das Marketing wichtiger als für die finanzielle Seite. Ja, wir verdienen damit Geld. Das ist aber nicht das Wichtigste. Wichtiger ist es, die Spielereihe Halo weiter auszubauen, die Leute weiter für Master Chief, die Geschichte, für das, was in der nächsten Folge kommt, zu begeistern. Wann kommt die Fortsetzung? Kann ich es mit meinen Freunden spielen usw. Uns geht es vielmehr um die Vermarktung der Marke.
Golem.de: Gilt das auch für den Halo-Film?
Robbie Bach: Für den Film gilt das ganz klar auch. Aus diesem Grund, werden wir auch erst dann den Film machen, wenn wir sicher sind, dass er großartig wird. Wir werden keinen schlechten Film zu Halo machen. [...] Wenn jemand käme und uns das große Geld garantieren würde, würden wir nicht sagen: "Gut, fang an und produziere, was immer du willst."
Golem.de: Was wäre, wenn Uwe Boll kommt?
Robbie Bach: [grinst] Das kommentiere ich besser nicht... Wir möchten einen Film machen, der unterstreicht, wie stark die Marke ist, wie viel sie wert ist. [...] Ich war froh, als sie [Universal und Fox] sagten: "Hey, wir wollen nicht weitermachen." Das ist besser als weiterzumachen und das Ergebnis ist dann schlecht. Wir warten lieber auf jemanden, der sich engagiert und über die Möglichkeiten verfügt, etwas Großartiges zu schaffen, [...].
Robbie Bach: Ja, er liegt auf Eis. Wir führen weiter Gespräche. Es gibt noch ein paar kleine Dinge zu tun. Dinge, die wir tun können. Dinge, die andere tun können. Von der Idee haben wir uns nicht verabschiedet. Sie kommt wieder, wenn wir den richtigen Partner gefunden haben.
Golem.de: Nochmal zu Micosofts iPod-Konkurrenten Zune - der lief bisher nicht so erfolgreich. Die letzte Zahl, von der ich hörte, war 10 Prozent Marktanteil in den USA.
Robbie Bach: Absolut gesehen ist es wenig. Wir haben einen Marktanteil von 10 bis 15 Prozent, sind aber gerade mal neun Monate damit auf dem Markt.
Golem.de: Was ist schief gelaufen? Was können Sie tun? Kommt so etwas wie ein "Zune Mobile", in Anlehnung an das iPhone und Windows Mobile?
Robbie Bach: Ich denke, bei Zune läuft alles nach Plan. Wir haben einen Zeitraum von drei, vier, fünf Jahren eingeplant. Das erste Jahr ist noch nicht zu Ende und ich bin mit den bisherigen Fortschritten recht zufrieden. Es wird weitere Produktverbesserungen geben - bei der Software, den Services, der Hardware usw. Ich bin mit dem Erreichten zufrieden. Wir werden weitere Fortschritte machen und weiter daran arbeiten. Der Schwerpunkt liegt auch in Zukunft auf der Musik. Das ist sozusagen der "Hearbeat". Wir werden hier weiter Fortschritte machen. Ich hoffe, wir können es in Zukunft auch nach Deutschland und Europa bringen. Wir möchten sicherstellen, dass das Geschäftsmodell, das Produkt, das Verfahren in einem Markt zusammenpasst. Dann gibt es Chancen für eine Erweiterung.
Golem.de: Also ist es noch eine Testphase in den USA?
Robbie Bach: Es ist keine Testphase.
Golem.de: Also kommt Zune dann bald auch in andere Regionen ?
Robbie Bach: Komischerweise ist es ein ziemlich kompliziertes Produkt, weil die Inhalte auf die lokalen Märkte abzustimmen sind, die jeweiligen Abrechnungssysteme müssen funktionieren. Da gibt es viel zu tun, um auf vielen Märkten erfolgreich zu sein. Wir wollen die Zeit haben zu lernen, es aufzubauen und dann auch auf anderen Märkten zur Verfügung zu stellen.
Golem.de: Auch wenn die Zeit knapp ist und wir schon überzogen haben, eine Frage bat mich ein Kollege noch zu stellen: Wann gibt es einen wirklich guten Browser für Windows Mobile?
Robbie Bach: Sie werden sehen, dass wir da Fortschritte machen. Wir wissen, dass es Dinge gibt, die wir verbessern können, und die Teams müssen sich darauf konzentrieren. Das ist wirklich wichtig.
Golem.de: Wir danken für das Gespräch.



