Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Neue Musikmärkte: Mobiltelefone und digitale Rechteprobleme

Popkomm diskutiert über die Bedeutung des Mobilfunkmarktes, DRM und China. Die Popkomm ist mit rund 15.000 Fachbesuchern eine der wichtigsten Musikmessen. Vom 19. bis zum 21. September 2007 diskutierten die Teilnehmer in verschiedenen Veranstaltungen über ungenutztes Potenzial in China, mobile Musik und Probleme mit Digital Rights Management.
/ Andreas Sebayang
17 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)

amazon Affiliate

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Musik für das Mobiltelefon soll die Zukunft werden. Mehr als eine Milliarde dieser kleinen Telefone sollen alleine dieses Jahr abgesetzt werden. Vorbei sind die Zeiten spezieller Klingeltöne für verschiedene Handy-Fabrikate, denn das Abspielen digitaler Musik meistern die meisten Geräte problemlos. Der Speicherplatz ist da, die Rechenleistung auch und dank immer günstiger werdender Datentarife lässt sich Musik auch mobil erwerben.

Darum ging es in der Veranstaltung "Let's talk mobile". Das Potenzial ist da, wird aber noch nicht ausgeschöpft: Eric Daugan, VP Digital Business von Warner Music International in Großbritannien, gab dazu einen Überblick: Mobiltelefone sind bereits ein dominierender Faktor, mobile Musik dagegen noch nicht. In Großbritannien haben nur etwa 12 Prozent der Handynutzer Musik auf ihrem Taschentelefon und knapp über 2 Prozent der Handybesitzer verwenden Portale, um Musik zu erwerben.

amazon Affiliate

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Um dieses Potenzial auszunutzen, muss mit den Telekommunikationsanbietern zusammengearbeitet werden. Die Bedienung muss einfacher werden und ohne günstige Datentarife passiert ebenfalls nichts. Außerdem müssen andere Vermarktungskonzepte her. Statt ein Album zuerst über Radiosender dem Publikum vorzustellen, ist es etwa möglich, zunächst exklusiv über einen Netzbetreiber einen Klingelton anzubieten. In Frankreich hat Warner dies schon äußerst erfolgreich praktiziert, auch wenn die Radiosender nicht sonderlich erfreut waren.

Bei einem waren sich die Redner im anschließenden Panel einig: Apple bewegt viel, sowohl bei digitaler Musik als auch bei den Vorstößen Apples in den Mobilfunkmarkt, trotz aller aus Sicht der großen Label der Musikindustrie negativen Einflüsse: Sie wurden nicht müde zu erklären, welche Marktmacht Apple samt iTunes auf den Musikmarkt ausübt und dass Apple-Kunden wegen DRM fest an Apples Geräte gebunden sind.

amazon Affiliate

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Dennoch entsteht nicht nur ein Markt für mobile Musik, Netzbetreiber sind zudem bemüht, so schnell wie möglich eigene und einfach bedienbare Produkte regelrecht aus dem Boden zu stampfen. Dabei spielt die Befürchtung eine große Rolle, Kunden an einen Netzbetreiber zu verlieren, der das iPhone anbietet.

Eines dieser Produkte hat Omnifone mit der lange angekündigten MusicStation entwickelt, das derzeit nur in Schweden über den Netzbetreiber Telenor und in Kürze in Großbritannien über Vodafone angeboten wird. Rob Lewis, CEO von Omnifone, ließ durchblicken, dass die Verhandlungen bereits seit langer Zeit liefen und erst Apples angekündigter Eintritt in den Markt von Großbritannien einen gewissen Druck zum Handeln ausübte.

amazon Affiliate

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Omnifone soll im November 2007 Musik im Abo-Modell für 2,99 Euro pro Woche anbieten. Gegenüber iTunes betonte Lewis den Vorteil der Geräteunabhängigkeit. Die Musik der "MusicStation" geht bei einem Austausch des Gerätes oder anderweitigem Verlust nicht verloren und kann einfach neu heruntergeladen werden.

Auch der heimische PC soll versorgt werden. Den bisher typischen Weg, zuerst die Musik via PC herunterzuladen und anschließend auf das Handy zu übertragen, geht der Dienst nicht. Vielmehr braucht es für die Abo-Musik ein Handy mit EDGE-, UMTS- oder besser HSDPA-Funktion und einen entsprechenden Datentarif. Die Musik wird mobil direkt auf das Handy übertragen und verweilt dort auch, so dass die Musik ohne Netzverbindung gehört werden kann.

Omnifone hat während Nutzertests herausgefunden, dass der Dienst auch Zielgruppen anspricht, die eigentlich nicht in das digitale Zeitalter wechseln wollen: Die Zielgruppe hat Geld, ist etwas älter, an Musik interessiert, hat jedoch kein Interesse an modernen Geräten. Trotzdem scheint Omnifones MusicStation diese Zielgruppe aufgrund der einfachen Bedienung ansprechen zu können.

Anfangs sollen rund eine Million Titel zur Verfügung stehen. Andere Länder sollen demnächst folgen, nähere Angaben wollte Lewis nicht machen. Offenbar gestalten sich die Verhandlungen immer noch schwierig.

Einen anderen Weg geht der Netzbetreiber Telenor in Norwegen – auch hier mit der Intention, Apples Marktmacht einzuschränken. Mit Track-basiertem Erwerben von Musik und Vermarktung bei Veranstaltern von Konzerten ist Telenor eigenen Angaben zufolge schon so erfolgreich, dass man iTunes bei digitalen Verkäufen in Norwegen bereits überholt hat. Rund 210.000 Nutzer hat Telenor für seinen Musikdienst Djuice bereits gewinnen können, von denen 75 Prozent mehr als drei Djuice-Titel ihr Eigen nennen. Insgesamt wurden über Djuice bereits 1,5 Millionen Songs abgesetzt.

amazon Affiliate

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Bei Telenor stellte sich zudem ein interessantes Nutzerverhalten heraus: So sind die Djuice-Kunden durchaus bereit, für Musik zu zahlen. Die Bereitschaft dafür ist vor allem für unabhängige oder regionale Musik vorhanden, große und berühmte Künstler können den Djuice-Nutzer dagegen nicht begeistern.

Sei es Vodafone mit Omnifone im Vereinigten Königreich oder Djuice in Norwegen – alle versprechen eine einfache Möglichkeit, Musik zu erwerben, ohne über Dutzende von Handyklicks seinen Wunschtitel zu hören. Einfach zu bedienen soll die neue Generation der mobilen Musik sein – so wie bei Apple. Natürlich mit Digital Rights Management (DRM) geschützt.

In der Diskussionsveranstaltung "DRM is dead – long live DRM" wurden die Probleme näher erörtert, die mit DRM gewachsen sind. Allerdings nicht nur aus Sicht der Kunden, sondern aus der Perspektive der Industrie. Probleme gibt es genug, vor allem bei der Infrastruktur:

amazon Affiliate

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Das reicht von unterschiedlichen Schutzmechanismen bis hin zu verschiedenen Rechten, die vergeben werden. So kann es bis zu sechs Monate dauern, bis das Geld beim Urheber landet. Auch unterschiedliche Beschreibungsformate der Musik und falsche Kennzeichnung der Musiktitel sorgen für Verdruss. Das kann sogar dazu führen, dass das Geld für ein Stück einen ganz anderen Empfänger erreicht.

Derartige Probleme sind etwa im Bankgewerbe kaum denkbar, in der Medienindustrie sind es jedoch Schwierigkeiten, die überwunden werden wollen. Einem gemeinsamen Datenformat zur Titelbeschreibung sollen jedoch Kartellbedenken im Wege stehen. Beim Abodienst Napster kann ein Titel durchaus in 16 Versionen vorliegen, teilweise sogar mit verschiedenen Rechteinhabern für Teile des Titels (Remixe). Da sind Fehler nicht ausgeschlossen.

Die Verwirrung auf Seiten der Endkunden durch DRM würden die Teilnehmer der Veranstaltung gerne beseitigen. Nicht jedoch, indem man DRM eine Absage erteilt, sondern mit einem DRM-Standard. Gerade DRM ist notwendig, so der Tenor, um die Rechte der Urheber und die Abrechnung zu verbessern – aber doch bitte mit einem gemeinsamen Format. Dazu wurden Parallelen zu Frachtcontainer-Systemen gezogen. Dieser Markt hat erst angezogen, nachdem sich ein System durchgesetzt hatte.

Wie auch bei mobiler Musik und der Konferenz Digital Right Strategies war der ein oder andere kritische Ton gegenüber Apple zu hören, die mit ihrem eigenen Digital Rights Management die Kunden verwirren und damit an iPods und iPhones gebunden sind.

Nicht nur DRM steht dem Boom digitaler Musik im Weg, auch die Schwarzkopien sind nach Ansicht der Industrie weiterhin ein Problem. Allerdings glaubten nicht alle Teilnehmer an denselben Lösungsweg. Für die einen fehlen die rechtlichen Mittel, um Urheberrechte zu schützen, denn Musik umsonst ist nicht zu schlagen, andere argumentierten, dass ein Mehrwert hermuss.

amazon Affiliate

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Es braucht Innovationen und leichte Bedienung, um die potenziellen Kunden trotz DRM von P2P-Netzwerken abzuwerben. Schließlich zahlen heute auch Kunden Geld für Mobiltelefone, obwohl kostenloses Telefonieren durchaus möglich ist – nur nicht mobil.

Bei dem ganzen Wirbel um Musik, DRM und Mobilität gerät ein Teil der Musikindustrie fast in Vergessenheit, obwohl dieser einen recht großen Teil der Popkomm einnimmt: die kleinen unabhängigen Label, die so genannten "Indies". Diese haben andere Probleme als Schwarzkopien und können es sich meist nicht leisten, ihre Kunden mit Rechtemanagement zu verärgern. Sie müssen sich gegen die Großen durchsetzen, wollen mit diesen nicht in einen Topf geworfen werden und haben ihre Probleme mit Verwertungsgesellschaften(öffnet im neuen Fenster) .

Ein noch fast unerschlossenes Potenzial bietet sich für die kleinen Vertreter sicher auch im Musikmarkt von China. Das Land verfügt über mehr als 1,3 Milliarden Einwohner, von denen wohl fast die Hälfte in Städten wohnt. Gut 500 Millionen Abspielgeräte für CDs, DVDs, Video-CDs und das hierzulande nicht genutzte EVD-Format sollen in dem Land existieren.

amazon Affiliate

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Ein gigantischer Musikmarkt, in dem es Fuß zu fassen gilt. Bereits 2015 soll China der drittgrößte Markt im Bereich der Unterhaltung werden. Auch für Mobiltelefone existiert ein großer Markt: 400 Millionen Nutzer gibt es, die es auf immerhin 1,5 Milliarden US-Dollar Musikumsatz nur im Mobilfunksegment bringen.

Natürlich mit ganz anderen Preisen. So kostet ein Album in der Volksrepublik China auf der Straße etwa 2,20 US-Dollar, eine Version des Albums mit Booklet und anderem Mehrwert kommt auf etwa 7,80 US-Dollar.

Außerdem müssen sich Marktteilnehmer mit einer hohen Anzahl an Schwarzkopien abfinden, ja diese teilweise sogar dulden, um in dem Markt Aufmerksamkeit zu erreichen. Nichtsdestotrotz sind Schwarzkopien langfristig auch für China ein Problem, nicht nur für ausländische Unternehmen, sondern auch für chinesische Künstler. Dem Einstieg in den chinesischen Musikmarkt steht aber noch einiges im Wege, dazu gehört auch die Staatsmacht in China, die – wenn auch abnehmend – noch immer starke Kontrolle ausübt.

Welchen hohen Stellenwert China im Musikmarkt in Zukunft einnehmen könnte, zeigt auch die Ankündigung der Musikmesse Midem, wonach China die Eröffnungsnacht der Midem(öffnet im neuen Fenster) bestimmt.


Relevante Themen