Neue Musikmärkte: Mobiltelefone und digitale Rechteprobleme
Darum ging es in der Veranstaltung "Let's talk mobile". Das Potenzial ist da, wird aber noch nicht ausgeschöpft: Eric Daugan, VP Digital Business von Warner Music International in Großbritannien, gab dazu einen Überblick: Mobiltelefone sind bereits ein dominierender Faktor, mobile Musik dagegen noch nicht. In Großbritannien haben nur etwa 12 Prozent der Handynutzer Musik auf ihrem Taschentelefon und knapp über 2 Prozent der Handybesitzer verwenden Portale, um Musik zu erwerben.
Bei einem waren sich die Redner im anschließenden Panel einig: Apple bewegt viel, sowohl bei digitaler Musik als auch bei den Vorstößen Apples in den Mobilfunkmarkt, trotz aller aus Sicht der großen Label der Musikindustrie negativen Einflüsse: Sie wurden nicht müde zu erklären, welche Marktmacht Apple samt iTunes auf den Musikmarkt ausübt und dass Apple-Kunden wegen DRM fest an Apples Geräte gebunden sind.
Eines dieser Produkte hat Omnifone mit der lange angekündigten MusicStation entwickelt, das derzeit nur in Schweden über den Netzbetreiber Telenor und in Kürze in Großbritannien über Vodafone angeboten wird. Rob Lewis, CEO von Omnifone, ließ durchblicken, dass die Verhandlungen bereits seit langer Zeit liefen und erst Apples angekündigter Eintritt in den Markt von Großbritannien einen gewissen Druck zum Handeln ausübte.
Auch der heimische PC soll versorgt werden. Den bisher typischen Weg, zuerst die Musik via PC herunterzuladen und anschließend auf das Handy zu übertragen, geht der Dienst nicht. Vielmehr braucht es für die Abo-Musik ein Handy mit EDGE-, UMTS- oder besser HSDPA-Funktion und einen entsprechenden Datentarif. Die Musik wird mobil direkt auf das Handy übertragen und verweilt dort auch, so dass die Musik ohne Netzverbindung gehört werden kann.
Omnifone hat während Nutzertests herausgefunden, dass der Dienst auch Zielgruppen anspricht, die eigentlich nicht in das digitale Zeitalter wechseln wollen: Die Zielgruppe hat Geld, ist etwas älter, an Musik interessiert, hat jedoch kein Interesse an modernen Geräten. Trotzdem scheint Omnifones MusicStation diese Zielgruppe aufgrund der einfachen Bedienung ansprechen zu können.
Anfangs sollen rund eine Million Titel zur Verfügung stehen. Andere Länder sollen demnächst folgen, nähere Angaben wollte Lewis nicht machen. Offenbar gestalten sich die Verhandlungen immer noch schwierig.
Einen anderen Weg geht der Netzbetreiber Telenor in Norwegen – auch hier mit der Intention, Apples Marktmacht einzuschränken. Mit Track-basiertem Erwerben von Musik und Vermarktung bei Veranstaltern von Konzerten ist Telenor eigenen Angaben zufolge schon so erfolgreich, dass man iTunes bei digitalen Verkäufen in Norwegen bereits überholt hat. Rund 210.000 Nutzer hat Telenor für seinen Musikdienst Djuice bereits gewinnen können, von denen 75 Prozent mehr als drei Djuice-Titel ihr Eigen nennen. Insgesamt wurden über Djuice bereits 1,5 Millionen Songs abgesetzt.
Sei es Vodafone mit Omnifone im Vereinigten Königreich oder Djuice in Norwegen – alle versprechen eine einfache Möglichkeit, Musik zu erwerben, ohne über Dutzende von Handyklicks seinen Wunschtitel zu hören. Einfach zu bedienen soll die neue Generation der mobilen Musik sein – so wie bei Apple. Natürlich mit Digital Rights Management (DRM) geschützt.
In der Diskussionsveranstaltung "DRM is dead – long live DRM" wurden die Probleme näher erörtert, die mit DRM gewachsen sind. Allerdings nicht nur aus Sicht der Kunden, sondern aus der Perspektive der Industrie. Probleme gibt es genug, vor allem bei der Infrastruktur:
Derartige Probleme sind etwa im Bankgewerbe kaum denkbar, in der Medienindustrie sind es jedoch Schwierigkeiten, die überwunden werden wollen. Einem gemeinsamen Datenformat zur Titelbeschreibung sollen jedoch Kartellbedenken im Wege stehen. Beim Abodienst Napster kann ein Titel durchaus in 16 Versionen vorliegen, teilweise sogar mit verschiedenen Rechteinhabern für Teile des Titels (Remixe). Da sind Fehler nicht ausgeschlossen.
Die Verwirrung auf Seiten der Endkunden durch DRM würden die Teilnehmer der Veranstaltung gerne beseitigen. Nicht jedoch, indem man DRM eine Absage erteilt, sondern mit einem DRM-Standard. Gerade DRM ist notwendig, so der Tenor, um die Rechte der Urheber und die Abrechnung zu verbessern – aber doch bitte mit einem gemeinsamen Format. Dazu wurden Parallelen zu Frachtcontainer-Systemen gezogen. Dieser Markt hat erst angezogen, nachdem sich ein System durchgesetzt hatte.
Wie auch bei mobiler Musik und der Konferenz Digital Right Strategies war der ein oder andere kritische Ton gegenüber Apple zu hören, die mit ihrem eigenen Digital Rights Management die Kunden verwirren und damit an iPods und iPhones gebunden sind.
Nicht nur DRM steht dem Boom digitaler Musik im Weg, auch die Schwarzkopien sind nach Ansicht der Industrie weiterhin ein Problem. Allerdings glaubten nicht alle Teilnehmer an denselben Lösungsweg. Für die einen fehlen die rechtlichen Mittel, um Urheberrechte zu schützen, denn Musik umsonst ist nicht zu schlagen, andere argumentierten, dass ein Mehrwert hermuss.
Bei dem ganzen Wirbel um Musik, DRM und Mobilität gerät ein Teil der Musikindustrie fast in Vergessenheit, obwohl dieser einen recht großen Teil der Popkomm einnimmt: die kleinen unabhängigen Label, die so genannten "Indies". Diese haben andere Probleme als Schwarzkopien und können es sich meist nicht leisten, ihre Kunden mit Rechtemanagement zu verärgern. Sie müssen sich gegen die Großen durchsetzen, wollen mit diesen nicht in einen Topf geworfen werden und haben ihre Probleme mit Verwertungsgesellschaften(öffnet im neuen Fenster) .
Ein noch fast unerschlossenes Potenzial bietet sich für die kleinen Vertreter sicher auch im Musikmarkt von China. Das Land verfügt über mehr als 1,3 Milliarden Einwohner, von denen wohl fast die Hälfte in Städten wohnt. Gut 500 Millionen Abspielgeräte für CDs, DVDs, Video-CDs und das hierzulande nicht genutzte EVD-Format sollen in dem Land existieren.
Natürlich mit ganz anderen Preisen. So kostet ein Album in der Volksrepublik China auf der Straße etwa 2,20 US-Dollar, eine Version des Albums mit Booklet und anderem Mehrwert kommt auf etwa 7,80 US-Dollar.
Außerdem müssen sich Marktteilnehmer mit einer hohen Anzahl an Schwarzkopien abfinden, ja diese teilweise sogar dulden, um in dem Markt Aufmerksamkeit zu erreichen. Nichtsdestotrotz sind Schwarzkopien langfristig auch für China ein Problem, nicht nur für ausländische Unternehmen, sondern auch für chinesische Künstler. Dem Einstieg in den chinesischen Musikmarkt steht aber noch einiges im Wege, dazu gehört auch die Staatsmacht in China, die – wenn auch abnehmend – noch immer starke Kontrolle ausübt.
Welchen hohen Stellenwert China im Musikmarkt in Zukunft einnehmen könnte, zeigt auch die Ankündigung der Musikmesse Midem, wonach China die Eröffnungsnacht der Midem(öffnet im neuen Fenster) bestimmt.
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