IDF: Bilder und Benchmarks zu "Skull Trail" mit 8 Kernen
Plattform für Technik-Fans mit zwei CPU-Sockeln und Quad-SLI. Zum Abschluss der Intel Developer Forums in San Francisco gab es wieder die inzwischen traditionellen Vorab-Benchmarks von noch nicht erhältlichen Produkten - unter anderem der Gaming-Plattform "Skull Trail". Der martialische Name ist nicht willkürlich gewählt, denn einige technologische Köpfe rollen mit der kompromisslosen Maschine, die ab 4.000,- US-Dollar kosten soll.
Skull Trail ist Intels Antwort auf AMDs Plattform " Quad FX ", früher als "4x4" bekannt. Das Konzept ist dabei nahezu identisch: Man nehme zwei komplette Chipsätze (in diesem Fall das Workstation-Getriebe "Seaburg" mit FSB1600), die schnellsten Desktop-Prozessoren (Quad-Core-Penryns "Harpertown") und viel Platz auf dem Mainboard für vier PCIe-x16-Slots. In diesen steckt jedoch eine Besonderheit: Sie werden von Nvidia-Southbridges angesteuert, Intel verbaut also erstmals Fremd-Chipsätze in einer Gaming-Plattform.
Teil dieses Deals mit Nvidia ist offenbar, dass SLI endlich auch offiziell und ohne Treiber-Hacks auf Intel-Mainboards funktioniert. Dies jedenfalls verspricht Intel auf dem IDF - inklusive ganzer vier 8800-Ultra-Grafikkarten soll das klappen. So ganz wird man den bei Intels Gaming-Rechnern stets vertretenen und nun ungeliebten Namen "ATI" aber nicht los, für den X38-Chipsatz empfiehlt Intel auch auf diesem IDF immer noch eine CrossFire-Konfiguration. Auf dem Schädelweg zum neuen Aushängeschild hat die Grafik-Sparte von Konkurrent AMD aber nichts zu suchen.
Selbst wer sich Skull Trail aus den gleichnamigen Mainboards zusammenbauen will und vielleicht vorerst nur einen CPU-Sockel und eine Grafikkarte einsetzen will, muss aber eine dicke Kröte schlucken: Als Workstation-Ableger läuft das Konzept nur mit FB-DIMMs, wenn auch mit auf effektiv 800 MHz beschleunigtem Speicherbus. Dennoch sind FB-DIMMs deutlich langsamer als die bis zu 1.600 MHz garantierten Overclocking-Speicherriegel diverser Hersteller, brauchen mehr Strom - und kosten in etwa das Dreifache von herkömmlichen DDR2-Speichern.
Aber an Kosten darf man mit Skull Trail ohnehin nicht denken. Intel erwartet, dass die Systeme vor allem von Anbietern von Komplettrechnern erscheinen, mit zwei CPUs und zwei Ultra-Grafikkarten sollen sie dann rund 4.000,- US-Dollar kosten. Nach dem Kauf drückt dann das in den Demo-Rechnern verbaute 1.200-Watt-Netzteil weiter auf den Geldbeutel.
Nach oben setzt dem Ausbau der Plattform nur Grenzen, was gerade an Grafikkarten der letzte Schrei ist - und ein bisschen Kompressorkühlung kann auch nicht schaden. So führte Intel einen - natürlich mit Case-Modding versehenen - Rechner mit zwei Vapochill-Systemen vor, die bei minus 55 Grad die Prozessoren auf 4 GHz brachten. Eine Erhöhung der Kernspannung war dafür noch nicht nötig, da sie auf den Prototypen-Boards ohnehin noch nicht funktioniert, erklärten die Intel-Ingenieure. Auch in diesem Rechner schwitzten aber nur zwei Ultra-Grafikkarten - so ganz klappt das neue Quad-SLI offenbar noch nicht.
Doch auch schon mit dieser Ausstattung - und mit den serienmäßigen 3,4 GHz - rechnete das Skull-Trail-Demosystem schneller als alles, was es im x86-Bereich bisher für den Schreibtisch gibt, wie Intels Benchmarks belegen.
Diese konnten die anwesenden Journalisten in kleinen Grüppchen stichprobenartig nachmessen. Offen gezeigt wurde Skull Trail nur während der Keynote-Ansprachen, die Testsysteme versteckten sich in einem unbeschrifteten blauen Cubicle im zweiten Stock des Moscone Centers. Bei den Benchmarks hat Intel wieder einmal diejenigen ausgewählt, die am schönsten mit der Zahl der Kerne skalieren und zudem auf SSE4 optimiert sind. Vor allem beim neuen DivX bringt dies deutliche Vorteile.
Skull Trail soll noch im Jahr 2007 auf den Markt kommen - einen exakten Termin nannte Intel noch nicht. Bereits in wenigen Wochen startet jedoch der Single-Socket-Chipsatz X38, ihm folgt nach unbestätigten Informationen ein X48 mit FSB1600 - das wollte Intel zwar auch in San Francisco nicht verraten, meinte aber, dass man sich einen schnelleren FSB für künftige High-End-Plattformen durchaus vorstellen kann.
Damit ist der Ball in AMDs Hälfte - und wenn der Konkurrent sportlich reagiert, gibt es bald Demos von QuadFX-Plattformen mit Barcelona-Kernen bei 3 GHz oder mehr. Ein Vorteil des QuadFX-Konzeptes sollte ja bei Start Ende 2006 sein, dass man es auf Quad-Cores erweitern kann. Bisher hat AMD jedoch nur einzelne Phenom-Prozessoren mit 3 GHz gezeigt.