Umstrittene Leistungsmessungen für neue Opterons. Am 10. und 11. September 2007 hat AMD seine neuen Opterons mit Codenamen "Barcelona" in Barcelona vorgestellt. Dabei legte der Chiphersteller nur sehr wenige Benchmarks vor, die sich zudem stets auf Zwei-Sockel-Systeme bezogen. Und dass man diese nicht alle gewinnen konnte, führte AMD auf die Benchmark-lastigen Intel-Compiler zurück – wofür man prompt einen Beleg lieferte.
Die neuen Opteron-Serien 2300 und 8300 sind AMDs erste Quad-Cores und zudem die ersten x86-Prozessoren, bei denen vier Kerne auf einem Die sitzen. Zwar hat AMD auf seinen Benchmark-Seiten(öffnet im neuen Fenster) zahlreiche Tests auch mit Systemen mit vier Sockeln vorgelegt, diese basieren jedoch zum Teil auf dem noch nicht erhältlichen, aber für das vierte Quartal 2007 angekündigten Modell Opteron 8360 mit 2,5 GHz. Ausgeliefert werden bisher nur Quad-Opterons mit bis zu 2 GHz.
Mit diesen Modellen scheint AMD sein Versprechen vorerst nicht einhalten zu können, "bei einer breit gefächerten Anzahl von Anwendungen" 40 Prozent schneller als die Quad-Core-Xeons der Serie 5300 für zwei Sockel zu sein. AMDs Chief Operating Officer Dirk Meyer kam in seiner Präsentation auf eine durchschnittliche Leistungssteigerung von 26 Prozent. Dabei wurden jedoch nur synthetische Benchmarks der Spec und andere sehr FPU-lastige und speicherintensive Tests berücksichtigt. Zu Gunsten von Intel wirkte dabei aber, dass ein Opteron 2350 (2,0 GHz) und ein Xeon 5345 (2,33 GHz) verglichen wurden. Welche Architektur Takt für Takt schneller ist, bleibt damit noch offen. Bisher hat Intel mit lieferbaren 3 GHz (X5365) und 2,93 GHz (X7350) für Zwei- und Vier-Sockel-Systeme einen klaren Taktfrequenzvorteil – wenn man die Leistungsaufnahme außer Acht lässt, weshalb sich AMD vor allem auf "Performance pro Watt" konzentriert.
Zudem kam AMD beim SPEC_intrate2006 in seinen Tests sogar nur 5 Prozent langsamer ins Ziel, wenn auch der Code für den Opteron von einem Intel-Compiler erzeugt wurde. "Das ist ein Benchmark-Compiler, nicht das, was die Entwickler für ihre Anwendungen einsetzten" , schimpfte Dirk Meyer. Um das zu untermauern, führte AMD auf beiden Plattformen auch noch Tests mit dem GCC-Compiler durch – und war dann 9 Prozent schneller als Intel.
So fragwürdig diese Zahlenspiele mit theoretischen Tests auch sein mögen, so zeigen sie doch sehr deutlich, wie sehr moderne CPU-Architekturen von optimalem Code abhängen. AMD profitiert offenbar dann sehr stark, wenn die neuen 128-Bit-Einheiten für SSE-Befehle zum Tragen kommen, was auch die sehr großen Vorsprünge bei SPECfp_rate_base2006 und Fluent erklären. Für den echten Konkurrenten der 8300er-Opterons, Intels Xeon-Serie 7300 alias "Tigerton", die ebenfalls für Vier-Sockel-Systeme gedacht ist, liegen jedoch noch keine unabhängigen Tests vor. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass Intel zumindest seine eigenen Benchmarks dafür auf dem in der kommenden Woche in San Francisco stattfindenden IDF vorlegt – wenn man denn in Santa Clara rechtzeitig einige der noch raren Quad-Core-Opterons ergattern kann.