Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Spieletest: Alpha Prime - Doom & Fear auf Tschechisch

Ego-Shooter mit hohem Schwierigkeitsgrad. Ego-Shooter von kleineren Entwicklern haben es meist schwer, sich auf dem überfüllten PC-Games-Markt zu behaupten; die großen Platzhirsche wie Doom, Far Cry oder FEAR lassen nur wenig Platz neben sich. Auch Alpha Prime dürfte dieses Problem zu spüren bekommen - zumal sich die Entwickler recht ungeniert bei den großen Vorbildern bedient haben.
/ Thorsten Wiesner
23 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)

Eigentlich sollte der Held in Alpha Prime nur ein paar Routine-Kontrollen von Minen auf einem Asteroiden vornehmen, in denen auf unerklärliche Art und Weise Mitarbeiter des eigenen Konzerns verschwunden sind. Schon beim Anflug wird sein Raumschiff allerdings beschossen und schwer beschädigt - spätestens ab dem Moment ist klar, dass eine größere Verschwörung hinter dem Ganzen steckt. Was folgt, ist eine etwa zehn Stunden lange Ballerorgie, die den Spieler vor allem durch zahllose Hallen, Gänge und Labore eines großen Industrie-Komplexes führt.

Den Großteil der Zeit verbringt man somit im Dunkeln, wobei die Szenerie recht deutlich an Doom3 erinnert. Allerdings gibt es abseits der Schauplätze noch weitere Parallelen zum Shooter aus dem Hause id: Alpha Prime ist komplett linear, dem Spieler werden an keiner Stelle wirkliche Optionen geboten. Stattdessen gibt es zahlreiche, oft aber recht vorhersehbare Skript-Ereignisse. Die Story selbst wird in einigen Zwischensequenzen vorangetrieben, die allerdings oft übertrieben ausführlich ausfallen - eine derartige Dialoglastigkeit sieht man in Shootern eher selten, gerade im Vergleich zum doch recht rudimentären Gameplay von Alpha Prime wirkt sie zudem etwas deplatziert.

Das eigentliche Spielprinzip lässt nämlich wenig Raum für Feinheiten - von Beginn an gilt es, den Ballerfinger in Betrieb zu halten. Unzählige Kontrahenten trachten dem Spieler nach dem Leben und wollen mit diversen Feuerwaffen in Schach gehalten werden. Immerhin: Die Gegnerschar präsentiert sich nicht als hirnlose Masse, sondern geht zumindest stellenweise durchaus intelligent vor, sucht Deckung und macht dem Spieler so das Leben schwer. Der stellenweise wirklich äußerst hohe Schwierigkeitsgrad resultiert aber vor allem aus zwei weiteren Eigenschaften der feindlichen Brut: Sie kann zahlreiche Schüsse wegstecken, bevor sie den Weg ins Jenseits antritt - und zielt selbst meistens erschreckend perfekt.

Für ein wenig Abwechslung im Balleralltag sorgen gelegentliche, sehr simple Rätsel, bei denen meist Schalter umgelegt und Objekte transportiert werden müssen, sowie ein paar Hacker-Einlagen: Immer mal wieder ist es möglich, Computersysteme zu bedienen und so etwa eine Laserschranke auszuschalten oder andere unpassierbare Stellen zugänglich zu machen. Die auf Dauer doch sehr monotonen Innenräume werden hingegen nur kurz verlassen, und die auch in Alpha Prime gebotene und mittlerweile fast zum Genre-Standard gewordene gebotene Bullet Time wirkt eher aufgesetzt denn wirklich gut ins Spielgeschehen integriert.

Zumindest optisch kann der in Osteuropa bereits 2006 veröffentlichte und auf einer von dem tschechischen Science-Fiction-Autor Ondrej Nef stammenden Geschichte basierende Titel überzeugen: Die Animationen sind stellenweise etwas abgehackt, das Charakter- und Level-Design aber durchaus ansehnlich.

Alpha Prime ist bereits im Handel erhältlich und kostet etwa 35,- Euro. Das Spiel hat von der USK keine Jugendfreigabe erhalten.

Fazit:
Alpha Prime ist sicherlich kein komplett überflüssiges Spiel - die Story ist vergleichsweise umfangreich, die Optik ansehnlich, der Schwierigkeitsgrad gerade für Profis eine wirkliche Herausforderung. Wirklich empfehlen kann man den Titel trotzdem nicht: In Sachen Gamedesign, Abwechslung und Atmosphäre sind die tschechischen Entwickler immer noch meilenweit von Genre-Meisterwerken wie FEAR entfernt.


Relevante Themen