Media in Transition - "The next big thing!" im Internet
Den Reigen der Präsentationen eröffnete Simon Willison(öffnet im neuen Fenster) von Django(öffnet im neuen Fenster) (London), der das OpenID-Projekt(öffnet im neuen Fenster) und die Möglichkeiten der Technik vorstellte. Im Kern handelt es sich bei OpenID um eine URL-basierte, dezentrale Verwaltung von Nutzer-Identitäten für Online-Dienste.
Portale, die neben der üblichen Login/Passwort-Anmeldung OpenID unterstützen – wovon es laut Willison schon mehr als 4.000 gibt -, ermöglichen es ihren Nutzern, stattdessen einfach eine URL einzugeben. Diese verweist auf einen dezentralen OpenID-Server, wo ein Nutzer alle relevanten Daten hinterlegt hat. Vertrauenswürdigen Portalen werden die Daten dann in dem vom Nutzer vorher festgelegten Umfang automatisch übermittelt.
OpenID ist ein typisches Open-Source-Projekt, dessen Ziel darin besteht, internetweit Single-Sign-On ohne zentrale, proprietäre Autorität zu ermöglichen. Die Nutzer entscheiden selbst, wem sie vertrauen und welche Daten übermittelt werden. Wer seine Privatsphäre besonders gut schützen möchte, kann selbstverständlich unterschiedliche OpenIDs anlegen und als Pseudonyme benutzen. Die Nutzerprofile verbleiben vollständig unter Kontrolle der Nutzer. Sie können jederzeit geändert werden.
Zugleich erhalten soziale Portale die Möglichkeit, mit geringem technischen Aufwand an notwendige Informationen zu gelangen. Die technischen Informationen von OpenID liegen alle offen, Lizenzkosten fallen nicht an. Eine OpenID ist beispielsweise bei myOpenID(öffnet im neuen Fenster) erhältlich. OpenID wird u.a. von Microsoft und von Sun gefördert.
Christoph Janz(öffnet im neuen Fenster) von PageFlakes(öffnet im neuen Fenster) (San Francisco) präsentierte anschließend den aktuellen Entwicklungsstand von Internetportalen im Vergleich zu ihren bescheidenen Anfängen vor gut zehn Jahren, bevor er sich der Frage, "wie das Web 2.0 aussehen wird" , zuwandte. Er erwartet, dass ohne Programmierkenntnisse personalisierbare Homepages eine wesentliche Rolle dabei spielen werden. Am Beispiel von Pageflakes demonstrierte er, wie durch Anpassung vorkonfigurierter Widgets ("Flakes") "kinderleicht" eine individuelle Homepage erstellt werden kann, die dynamische Inhalte anderer Portale integriert. Ganz so kinderleicht ist die Sache aber doch nicht, funktioniert PageFlakes doch nur auf der Microsoft-Windows-Plattform.
Als dritter Referent wandte sich Ibrahim Evsan(öffnet im neuen Fenster) von Sevenload(öffnet im neuen Fenster) (Köln), einer Plattform für Online-Videos und -Fotos, den Konsequenzen der Kostensenkungen bei der Produktion von hochwertigen Inhalten zu. Video-Plattformen wie Sevenload stehen vor der Herausforderung, "die Nutzer [zu] halten, Einnahmen aus Werbung [zu] generieren" , um die Kosten für die Infrastruktur zu decken und profitabel zu arbeiten. Dabei gilt es in der Zukunft, die Kosten für die Werbung nach der Zeitdauer zu berechnen, in der die Nutzer mit der Werbung in Kontakt kommen. Bei "user generated content" sei es dann wichtig, auch die Nutzer angemessen an den Einnahmen zu beteiligen. So sollten die Nutzer die Möglichkeit erhalten, "Punkte zu sammeln" , die sie später "monetarisieren" könnten.
Der sozialen Vernetzung kommt immer mehr Bedeutung zu, war sich auch Ibrahim Evsan sicher. Dabei sei zu beobachten, dass die Hemmung, persönliche Informationen offen zu legen, abnehme. Online-Informationen würden zunehmend in gewöhnliche Tagesgeschäfte integriert. Als Beispiel führte Evsan einen geplanten Restaurant-Besuch an, bei dem man sich vorher aktuell darüber informieren könne, "ob der Kellner heute schlecht drauf ist" . Konsumieren und online bewerten würden künftig Hand in Hand gehen.
Als ein weiteres, wichtiges Web-2.0-Instrument sieht Ibrahim Evsan "statistics for the masses" an. Die Nutzer selbst würden in Erfahrung bringen wollen, wer die von ihnen ins Netz gestellten Inhalte nutzt, "wer ihre Seiten liest" , "wer ihre Videos sieht" und so weiter. Die jetzt populären Web-2.0-Portale seien nur der Anfang, so Evsan, und weiter: "Web 3.0 is waiting!"
Die letzte Präsentation des Vormittages wurde von Matthew Gertner(öffnet im neuen Fenster) , dem Gründer und CTO der Firefox-basierten Peer-to-Peer-Plattform AllPeers(öffnet im neuen Fenster) gegeben. Nach einem Rückblick auf die historische Entwicklung von P2P-Plattformen stellte er grundlegende Fragen über die Zukunft der Mediendistribution: "Streaming oder Downloads?" , "Was ist mit DRM?" , "Welche Alternativen gibt es zu DRM?" und "Werden Web- oder Desktop-Applikationen dominieren?"
Als erfolgversprechend sieht Matthew Gertner die XULRunner-Technologie an, eine Laufzeitumgebung für XUL-Applikationen. XULRunner kommt bereits bei Joost(öffnet im neuen Fenster) , Songbird(öffnet im neuen Fenster) und eben auch bei AllPeers zum Einsatz. Zusammen mit Technologien wie Flex, Air, Silverlight und JavaFX ermöglicht XUL die Entwicklung von "Rich Internet Applications". Diese würden "die Vorteile von Webapplikationen und Desktop-Applikationen verbinden" .
In der folgenden Frage-Antwort-Runde trafen die Referenten auf ein skeptisches Publikum. Wo denn ein "spürbarer Einfluss" der vorgestellten Plattformen und Technologien festzustellen sei, wollte ein Zuhörer wissen. Als Antwort verwies Matthew Gertner auf den Vergleich des Medienkonsums von heute und von vor zehn Jahren. Ganz deutlich sei eine Verschiebung hin zu sozialen Netzwerken und Diensten festzustellen. Kritik wurde im Hinblick auf die Nutzbarkeit der Angebote für den überwiegenden Teil der Bevölkerung geäußert. Diese bräuchten ja eher eine Set-Top-Box und wann denn damit zu rechnen sei? Darauf würde man wohl noch ein paar Jahre warten müssen, waren sich die Referenten einig. Das größte Problem seien dabei die traditionellen Medienunternehmen, die sich in ihrer Vermittlerrolle bedroht sähen. Diese "Riesenunternehmen" hätten genug Geld, um gegen die ungeliebten Neuankömmlinge im Mediengeschäft zu kämpfen. [von Robert A. Gehring]
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