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Interview: Web 2.0 lässt Zombies wieder auferstehen

Golem.de: Sie haben den Begriff der digitalen Boheme mitgeprägt. Mal angenommen, jemand gibt Ihnen eine Million Euro. Der klassische Bohemien nimmt das Geld und feiert damit ein rauschendes Fest. Der prekäre Netizen nimmt das Geld, um daraus ein neues Projekt aufzubauen. Wofür entscheiden Sie sich?

Friebe: Ich würde es in eines unserer Vorhaben stecken - in die Verstetigung des Kongress- und Festivalgedankens. Also Büroräume mit WLAN zur Zwischennutzung für Freiberufler zu konzipieren; öffentliche Großraumbüros, die nach dem System von Fitness-Clubs via Mitgliedschaft organisiert sind und die es in möglichst vielen Städten geben sollte. Darein würde ich gerne Energie und, wenn vorhanden, auch Geld stecken.

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Golem.de: Dieses ganze Freiberuflertum, ist das jetzt nur eine Phase oder hat das Zukunft?

Friebe: Es gibt eine links-sozialdemokratisch sozialisierte Generation, die durch 1968, antiautoritäre Erziehung und das süße Gift der Selbstverwirklichung eigentlich verdorben sein müsste für Verzicht, aufgeschobene Entlohnung und alles weitere, was klassische Arbeitsverhältnisse bieten. Über lange Zeit hätte ich die Wette gehalten, dass nicht mehr alle rein wollen ins konventionelle System der Arbeit. Vor allem hätte ich gedacht, dass das Exklusivitätsdogma bröckelt, also dass man nur einem Arbeitgeber dienen kann. Mittlerweile bin ich mir unsicher geworden, glaube aber, dass die Anzahl der Leute, die nicht reinwollen, weiter anwächst.

Golem.de: Das mag für Menschen in einer bestimmten Altersspanne gelten. Wer 25 ist, ist flexibler als jemand mit 45.

Friebe: Wir erfinden das Rad nicht neu. Auf dem Kongress wird es auch darum gehen, 68er mit ihren Erfahrungen zu Wort kommen zu lassen, die das alles schon einmal durchexerziert haben: Ökonomie, besseres Leben, anders wohnen, anders arbeiten. Solche Verbindungslinien sind viel stärker als jene innerhalb einer Altersgruppe, wo viele immer noch das Sicherheits- und Karrieremodell wollen.

Golem.de: Ein Rückblick auf 1968 und die Folgen birgt die Gefahr, frustriert zu werden.

Friebe: Man kann auch etwas lernen. Zum Beispiel was mit Organisationen passiert, wenn sich aus ihnen heraus Firmenstrukturen bilden und plötzlich einer den Chef gibt. Einige der Experimente aus den Siebzigern sind daran gescheitert, dass sie ökonomisch nicht funktionierten. Andere sind daran gescheitert, dass sie ökonomisch zu gut funktionierten und zu dem wurden, wogegen sie sich immer gewandt hatten. Mit den aktuellen technischen Mitteln, etwa bei Abstimmungen, sollte doch die Möglichkeit bestehen, heute zu Organisationsformen zu kommen, die professionell, aber nicht hierarchisch sind.

Golem.de: Gibt es ein Beispiel dafür, wie das aussehen könnte?

Friebe: Sehr viel von heute erkenne ich wieder, wenn ich Bernd Cailloux' Buch "Das Geschäftsjahr 1968/69" lese. Vor allem, was seine Erfahrungen mit der Muße-Gesellschaft angeht, die sich aus dem Kunstschulen-Umfeld gebildet hat. In Deutschland lief man damals noch mit Pepita-Hütchen rum, während aus den USA schon die psychedelische Revolution rüberschwappte. Das Programm der Muße-Gesellschaft war es, den Stroboskop-Blitz nach Deutschland zu bringen und daraus ein marktfähiges Produkt zu machen - mit dem erklärten Ziel, die psychedelische Revolution voranzubringen und damit die Gesellschaft in den Grundfesten zu verändern. Wegen des großen Erfolges mündete das Ganze dann in etwas, was sehr viel mit den Verlockungen des Geldes und Marketings zu tun hat ...

Golem.de: ... in Unternehmertum ...

Friebe: ... ja. Und daran zerbricht die Muße-Gesellschaft dann auch.

Golem.de: Es ist also ein Negativ-Beispiel. Oder ist reines Unternehmertum etwa Ihr Ziel?

Friebe: Heute reden im Netz alle vom Social Entrepreneurship und damit werde ich nicht so ganz warm. Es ist zu nahe am Charity-Gedanken - gutes Geld machen und einen geringen Teil davon für wohltätige Zwecke spenden. Interessant ist vielmehr, dass Leute, die sich früher allein politisch oder künstlerisch zusammengefunden hätten, nun geneigt sind, über die Organisationsform der Firma nachzudenken. Superflex, eine dänische Kunstgruppe, stemmt nun lauter Firmen in die Welt, die als angewandte Kunstprojekte gedacht waren. Sie haben gemerkt, dass sich Wirkmacht erst so richtig in der Firma entfaltet.

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NochSchlimmer 08. Sep 2007

Noch schlimmer! Bei uns wurde eigens für 5 slides ein 42zoll HD-TV und ein neuer Rechner...

sven3000 27. Aug 2007

Das trägt man als Bohemian heutzutage so ;-) Tschüss Sven

kingofthehill 27. Aug 2007

Rowe? Das gibt´s hier schon seit Ewigkeiten, auch ohne die super coolen Amis. Nennt sich...

joerg0815 25. Aug 2007

ich weiß, ich hab das interview echt nicht kapiert. aber trotzdem ... AUWAIA, das tut...

joerg0815 25. Aug 2007

"... doch anders als ..."



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