GCDC: Sex, Gewalt und Kunst - Hetzjagd auf Spieleentwickler
Im Rahmen seines Vortrags ging Eggebrecht auf die Geschichte der Gewaltdarstellung in Filmen ein. Bis 1950 sei Gewalt in Filmen kein Thema gewesen, selbst nicht bei Kriegsfilmen. Die Filmschaffenden verzichteten auf übermäßige Gewaltdarstellung, die wohl damals beim Publikum auch nicht auf Interesse gestoßen wäre. Mit dem Gangster-Drama Bonnie & Clyde (1967) sei dann das erste Mal Gewaltdarstellung mit Zeitlupe und Blut zu sehen gewesen – und die Helden waren Verbrecher.
Auch um das von Rockstar entwickelte und mittlerweile verschobene Spiel Manhunt 2 gibt es im Vorfeld viel Aufregung – hier muss der Spieler einen Todeslisten-Kandidaten spielen, der allerlei andere Bösewichte ausschalten muss, um sein eigenes Überleben zu sichern. "Wenn wir uns als Kunstform betrachten, dann müssen wir auch die dunkleren Seiten nutzen können. Wenn das in Filmen möglich ist, warum dann nicht auch in Spielen?" , fragt Eggebrecht.
Gespielt hat Manhunt 2 noch keiner der Kritiker, auch Eggebrecht hat es noch nicht selbst gesehen. Er nimmt es dennoch als Beispiel her und bezeichnet die Entwicklung als erschreckend. Die Anfeindungen in Richtung Spielebranche erinnern ihn an die McCarthy-Ära mit ihrer verrückten Kommunistenjagd. Aus Angst vor Repressalien habe Factor 5 beim gerade in den USA veröffentlichten Drachenspiel "Lair" auf eine Hot-Coffee-Mod-Anspielung verzichten müssen – wer einen 16-stelligen Code eingab, sollte eigentlich ein hochauflösendes Video einer Factor-5-Kaffeemaschine zu Gesicht bekommen.
Dass Sex keine Rolle in Spielen spielt, zeigt auch der Titel von Eggebrechts Rede: "No Sex, no Drugs, and little Rock'n Roll", obwohl es sich um ein menschliches Bedürfnis handle. Essen hingegen werde in Spielen sehr wohl thematisiert. Wer jedoch Spiele mit Gewalt und Sex entwickle, könne mit Sicherheit davon ausgehen, dass sie nicht in den Handel kämen – sowohl in den USA als auch in Europa. Auch hier würden Spiele und Filme nicht als gleichwertig betrachtet – Filme wie "Eyes wide shut" oder "Basic Instinct" wären als Spiele gar nicht denkbar.
Solange Spiele als Spielzeug für Kinder betrachtet werden, wird sich daran auch nichts ändern. "Spiele werden immer noch nicht als Kunstform gesehen, nicht einmal von unseren eigenen Alterseinstufungssystemen." Es sei Zeit, aufzuwachen, so Eggebrecht und fordert "beweist mir, dass dies eine Kunstform ist, forciert Gewalt, forciert Sex." Allerdings auf eine Weise, die sein Hirn zum Denken anrege, fügt der Spieleentwickler hinzu.
Dass es Zeit ist, sich für die eigene Branche und deren Wahrnehmung in der Öffentlichkeit zu engagieren, bekräftigte im Anschluss an Eggebrechts Vortrag auch Fred Hasson, der Leiter der TIGA (The Independent Games Developers Trade Association). "Sie haben eine Verantwortung" , so Hasson in Richtung der Spieleentwickler, die sich viel stärker in den Verbänden organisieren sollten.
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