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GCDC: Sex, Gewalt und Kunst - Hetzjagd auf Spieleentwickler

Spiele als Kunstform und nicht als Spielzeug. Die Auftaktrede zum Start der Games Convention Developers Conference (GCDC) drehte sich um die Gewaltspieldebatte und die Auswirkungen auf Computer- und Videospiele. "Beweist mir, dass dies eine Kunstform ist, forciert Gewalt, forciert Sex" , forderte Julian Eggebrecht von Factor 5, der eine neue McCarthy-Ära fürchtet, nur dass diesmal nicht Kommunisten, sondern Spieleentwickler das Feindbild seien.
/ Christian Klaß
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Im Rahmen seines Vortrags ging Eggebrecht auf die Geschichte der Gewaltdarstellung in Filmen ein. Bis 1950 sei Gewalt in Filmen kein Thema gewesen, selbst nicht bei Kriegsfilmen. Die Filmschaffenden verzichteten auf übermäßige Gewaltdarstellung, die wohl damals beim Publikum auch nicht auf Interesse gestoßen wäre. Mit dem Gangster-Drama Bonnie & Clyde (1967) sei dann das erste Mal Gewaltdarstellung mit Zeitlupe und Blut zu sehen gewesen – und die Helden waren Verbrecher.

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Großes Aufsehen und kontroverse Diskussionen bis Anfeindungen für Regisseure hat es Eggebrechts Beispielen zufolge vor allem dann gegeben, wenn die Hauptdarsteller keine positiven Vorbilder, sondern "sympathische" Gewalttäter waren, wie etwa in Clockwork Orange, Reservoir Dogs und Natural Born Killers. Trotz der Aufregung sei dabei die Gewaltdarstellung jeweils gar nicht so ausufernd gewesen – und die Einstufung in der Regel später nach unten korrigiert worden.

Auch um das von Rockstar entwickelte und mittlerweile verschobene Spiel Manhunt 2 gibt es im Vorfeld viel Aufregung – hier muss der Spieler einen Todeslisten-Kandidaten spielen, der allerlei andere Bösewichte ausschalten muss, um sein eigenes Überleben zu sichern. "Wenn wir uns als Kunstform betrachten, dann müssen wir auch die dunkleren Seiten nutzen können. Wenn das in Filmen möglich ist, warum dann nicht auch in Spielen?" , fragt Eggebrecht.

Gespielt hat Manhunt 2 noch keiner der Kritiker, auch Eggebrecht hat es noch nicht selbst gesehen. Er nimmt es dennoch als Beispiel her und bezeichnet die Entwicklung als erschreckend. Die Anfeindungen in Richtung Spielebranche erinnern ihn an die McCarthy-Ära mit ihrer verrückten Kommunistenjagd. Aus Angst vor Repressalien habe Factor 5 beim gerade in den USA veröffentlichten Drachenspiel "Lair" auf eine Hot-Coffee-Mod-Anspielung verzichten müssen – wer einen 16-stelligen Code eingab, sollte eigentlich ein hochauflösendes Video einer Factor-5-Kaffeemaschine zu Gesicht bekommen.

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Das Hot-Coffee-Mod schaltete im Grand Theft Auto: San Andreas versteckte Sex-Szenen frei, bei denen die angekleideten Spielfiguren sexuelle Posen einnahmen – zu sehen war aber letztlich nichts. Dennoch wurde das Thema sogar zu einem Politikum hochgespielt, da das Spiel nicht nur Gewalt, sondern auch Sex zeige – der Publisher Take 2 wurde deswegen sogar von der US-Handelskommission unter die Lupe genommen. Über die Ermittler mache man sich Eggebrecht zufolge besser nicht lustig, aus dem Kaffeemaschinenvideo wurde so also nichts.

Dass Sex keine Rolle in Spielen spielt, zeigt auch der Titel von Eggebrechts Rede: "No Sex, no Drugs, and little Rock'n Roll", obwohl es sich um ein menschliches Bedürfnis handle. Essen hingegen werde in Spielen sehr wohl thematisiert. Wer jedoch Spiele mit Gewalt und Sex entwickle, könne mit Sicherheit davon ausgehen, dass sie nicht in den Handel kämen – sowohl in den USA als auch in Europa. Auch hier würden Spiele und Filme nicht als gleichwertig betrachtet – Filme wie "Eyes wide shut" oder "Basic Instinct" wären als Spiele gar nicht denkbar.

Solange Spiele als Spielzeug für Kinder betrachtet werden, wird sich daran auch nichts ändern. "Spiele werden immer noch nicht als Kunstform gesehen, nicht einmal von unseren eigenen Alterseinstufungssystemen." Es sei Zeit, aufzuwachen, so Eggebrecht und fordert "beweist mir, dass dies eine Kunstform ist, forciert Gewalt, forciert Sex." Allerdings auf eine Weise, die sein Hirn zum Denken anrege, fügt der Spieleentwickler hinzu.

Dass es Zeit ist, sich für die eigene Branche und deren Wahrnehmung in der Öffentlichkeit zu engagieren, bekräftigte im Anschluss an Eggebrechts Vortrag auch Fred Hasson, der Leiter der TIGA (The Independent Games Developers Trade Association). "Sie haben eine Verantwortung" , so Hasson in Richtung der Spieleentwickler, die sich viel stärker in den Verbänden organisieren sollten.


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