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Angetestet: Apples Numbers - Anders als Excel

Apples Tabellenkalkulation überzeugt durch einfache Handhabung. Mit iWork '08 hat Apple zum ersten Mal eine Tabellenkalkulation in das Büropaket gesteckt, die auf den Namen "Numbers" hört und einfach in der Bedienung sein soll. Wir haben uns Numbers angeschaut und zugleich auch kurz einen Blick auf die neuen Versionen von Pages und Keynote geworfen.
/ Andreas Sebayang
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Mit Keynote hat alles angefangen: Steve Jobs wünschte sich für Präsentationen eine einerseits beeindruckende und andererseits einfach zu bedienende Präsentationssoftware. Zur Präsentation fehlte noch eine Textverarbeitung und Pages folgte - ebenso einfach in der Bedienung - mit schnellen und gut aussehenden Resultaten. Wie Keynote kann auch Pages bei weitem nicht alles, was Microsofts Word und PowerPoint im Laufe ihrer Entwicklung gelernt haben.

Die Programme wurden gar so kompliziert, dass Microsoft sich gezwungen sah, die Oberfläche mit Office 2007 gründlich zu überarbeiten, damit die Anwender auch finden, was sie nutzen wollen: Mit gemischten Gefühlen, alte Office-Profis müssen sich erst umgewöhnen, andere Nutzergruppen finden sich dafür nun eher zurecht. Ähnliches erwartet auch iWork-Anwender, die Excel gewohnt sind.

Ein wesentliches Programm fehlte Apples Office-Suite bisher, eine Tabellenkalkulation, die in der letzten Woche mit "Numbers" vorgestellt wurde. Apple verspricht dabei, Tabellen von einer neuen Seite zu betrachten . Außerdem ist Apples Numbers in der Lage, Microsofts neues Dateiformat Open XML zu öffnen. Das OpenDocument-Format kann iWork hingegen weder lesen noch schreiben.

Eines vorweg: Der Office-Profi wird sich auch hier nicht auf Anhieb wohl fühlen, Numbers ist wie Pages und Keynote darauf ausgerichtet, in kürzester Zeit gute Ergebnisse abzuliefern. Wie ein Blick in Apples Diskussionsforen zeigt, sind die Umstellungsprobleme doch recht groß. Alte und aufwendige Projekte öffnet man nur mit Vorsicht in Numbers, neue Projekte bieten sich dafür eher an. Ein offenbar mit der Lokalisierung zusammenhängender Fehler(öffnet im neuen Fenster) bereitet zudem Probleme mit absoluten Zellenbezügen.

Öffnet man die ersten Vorlagen von Numbers, fällt sofort auf, dass etwas fehlt: Es sind keine Tabs vorhanden, um zwischen den Tabellen umzuschalten und die typischen Koordinaten (A1, B2 etc.) gibt es bei Numbers zunächst auch nicht. Letzteres kommt erst zu Tage, wenn eine Tabelle ausgewählt wird. Mehrere Tabellen werden einfach auf die leere weiße Fläche verteilt und frei positioniert. Eher untypisch für eine Tabellenkalkulation ist ein Anschluss der Tabellen. Werden mehr Zeilen oder Reihen benötigt, muss die Tabelle zunächst mit der Maus aufgezogen werden. Die Tabelle vergrößert sich zudem, wenn die Enter- oder die Tabulator-Taste am jeweiligen Rand gedrückt wird.

Für Formeln sind die Koordinaten nur bedingt wichtig, statt der Eingabe typischer Zellenkoordinaten wird hier einfach die Überschrift der Tabellenspalte bzw. Zeile genutzt. Um etwa die zweite Spalte (Anzahl) mit der dritten Spalte (Preis) zu multiplizieren und in der vierten Spalte abzulegen, genügt es, in der vierten Spalte "=Anzahl*Preis" einzugeben. Das funktioniert auch über mehrere Tabellen hinweg: Wer die Struktur seiner Tabellen kennt, braucht sich die Koordinaten nicht mehr zu merken. Vor dem Umbenennen oder Verschieben von Tabellen oder Tabellenzellen muss man sich so auch nicht fürchten.

Numbers arbeitet auch mit den üblichen Formeln und kann auch Koordinaten verarbeiten. Zusätzlich lassen sich Tabellenzellen in Checkboxen umwandeln oder über Elemente wie etwa Schieberegler manipulieren, die auf die jeweiligen Zellen angewendet werden. Verändert man den Schieberegler, wird die Berechnung dynamisch angepasst, selbst eine angebundene Grafik wird in Echtzeit aktualisiert.

Grafiken werden ebenfalls frei auf der Fläche positioniert. Diese lassen sich per Drag & Drop entsprechend mit Tabellen verknüpfen oder bei vorheriger Auswahl geeigneter Zellen direkt auf die Tabelle anwenden. Weitere Annehmlichkeiten sind bereits von Pages und Keynote bekannt, wie etwa Hilfslinien zum Positionieren, der PDF-Export oder der Inspector, der im Aufbau den anderen Programmen von iWork ähnelt.

Wo Sonne ist, da ist auch Schatten. Ein Problem stellt Numbers' Forderung nach einem Breitbildschirm dar: Das Programm startet grundsätzlich in einer Auflösung jenseits einer Breite von 1.024 Pixeln. Das lässt sich mit einem einfachen Klick korrigieren, lästig ist es dennoch, da dies bei jeder neuen Datei geschehen muss. Außerdem arbeitet Numbers beim Öffnen von Excel-Dokumenten nicht perfekt, schon einfache Excel-Dokumente, die als Übersicht dienen, provozieren einige Fehlermeldungen, auch wenn diese im Test harmlos waren.

Die anderen Programme des iWork08-Pakets haben mit der neuen Version mehr Funktionen erhalten, aber damit auch ein wenig von ihrer Einfachheit eingebüßt: Pages erinnert auf den ersten Blick in der Standardeinstellung jetzt mehr an die mächtigen Textverarbeitungen MS Word und OpenOffice.org Writer. So fällt zunächst die neue und auch in Numbers vorhandene Leiste für Schriftformatierungen auf, die kontextbezogen verschiedene Optionen bietet. Wird etwa ein Bild selektiert, ändern sich die Möglichkeiten, die die Leiste bietet. Wer lieber die globalen Dialoge von MacOS X für die Schriftart nutzen möchte (Befehl+T), kann dies auch weiterhin tun und die Format-Leiste ausblenden, sofern die anderen Funktionen nicht benötigt werden.

Wie Numbers kann auch Pages Open-XML-Dokumente öffnen. Eine testweise von NeoOffice erstellte Open-XML-Datei brachte Pages jedoch reproduzierbar zum Absturz. Eine Pressemitteilung von Microsoft, die bereits zum Teil im Open-XML-Format verschickt wird, ließ sich dagegen problemlos öffnen. Bearbeitet man jene Pressemitteilung mit NeoOffice, stürzt Pages beim Öffnen jedoch wieder ab. Selbst wenn NeoOffice beim Speichern nicht korrekt arbeitet, sollte eine Datei nicht gleich für einen Absturz aller offenen Pages-Dokumente sorgen. Apple muss hier also nachbessern.

In Pages lassen sich Änderungen an Dokumenten nun auch verfolgen. Dazu färbt Pages auf Wunsch die Texte verschiedener Nutzer ein, die ähnlich wie bei Word jeweils akzeptiert oder verworfen werden können. Diese Technik soll sogar mit Word kompatibel sein. Da Pages jedoch nicht in Open XML speichern kann, entfällt diese Möglichkeit bei Word-2007-Dokumenten. Die Änderungen werden übersichtlich auf der linken Seite bei den Kommentaren aufgelistet. Außerdem bietet Pages nun sowohl einen Layout-Modus als auch einen Textbearbeitungsmodus an. Außerdem wurden Vorlagen für die unterschiedlichsten Anwendungszwecke, angefangen mit Einladungskarten über Bewerbungen bis hin zu Speisekarten, integriert.

Bei der Präsentationssoftware Keynote wird die Icon-Leiste langsam voll. Abseits der üblichen Ergänzungen wie Effekten, Übergangen und Vorlagen wurde Keynote um zwei neue Funktionen bereichert, ohne dass sich in der Bedienung viel geändert hat. Eigene Effekte lassen sich auf einer Folie kreieren. Ganze Foto-Präsentationen lassen sich so erzeugen und Objekte nach Belieben während der Präsentation an Animationspfaden bewegen. Das ist deutlich einfacher, als mehrere Folien anzulegen oder Objekte mit den alten Funktionen ein- oder auszublenden. Gerade Letzteres machte das Bearbeiten von Präsentationen recht unübersichtlich.

Wie gehabt ist Keynote in vielen Bereichen den großen Präsentationsprogrammen einerseits unterlegen, andererseits zwingt es durch seine Beschränkungen den Anwender in geordnetere Bahnen.

Um die Neuerungen dem Anwender nahe zu bringen, verweist iWork auf Videotutorials(öffnet im neuen Fenster) , die derzeit nur in englischer Sprache und auch nur auf der englischen Webseite von Apple zur Verfügung stehen.

Apples iWork '08 ist leider nichts für schwache Rechner: Ein gerade mal zwei Jahre altes iBook muss mit seinem G4-Prozessor schon mit dem Office-Programm kämpfen. Insbesondere Numbers leidet unter der schwachen Rechenleistung: Zum einen ist es die Grafikkarte, die sich viel Zeit zum Rendern der Grafiken lässt, und zum anderen wird die CPU bis zum Anschlag ausgelastet.

So ist nicht nur eine deutliche Verzögerung beim Schreiben zu bemerken, auch der Aufbau von Elementen und selbst des Startbildschirms benötigt viel Zeit. Schon das Verknüpfen einer Tabelle mit einer Grafik wird zu einer Geduldsprobe. Die Nutzung der Schieberegler in Numbers kann man auf langsameren Rechnern getrost ignorieren, selbst die Änderung einer Tabellenzelle in eine Checkbox war mit einer mehrsekündigen Wartezeit verbunden. Auf den neuen Intel-Macs stellt sich das Problem nicht.

Pages bleibt an sich genügsam. Nutzt man zusätzliche Funktionen wie etwa die Kommentare oder das Überwachen von Textveränderungen, benötigt Pages ebenfalls deutlich mehr Rechenleistung.

Zu guter Letzt verlangt auch Keynote nach einem schnelleren Gesamtsystem. Obwohl einige Effekte auf den ersten Blick keine Unterschiede offenbaren, fordern die Änderungen am Unterbau ihren Tribut: Auf einem iBook G4 mit 1,33 GHz und einer Radeon 9550 ruckelt der Würfeleffekt, während Keynote 2 ihn hingegen flüssig darstellt. Zwei unabhängige Bildschirme an besagtem Notebook sorgen dann endgültig für eine nicht mehr akzeptable Leistung bei einigen Effekten, insbesondere wenn die Folien viele Objekte enthalten und das Notebook mit reduzierter Leistung im Akkubetrieb läuft.

Ein Mac mini mit einem Core-Solo-Prozessor war insbesondere bei Keynote deutlich schneller, bei Numbers war aber selbst dem Intel-Mac bei einigen Operationen die hohe Last anzumerken.

Apple leitet mit Numbers langsam aber sicher das Ende der PowerPC-Ära auch bei der Software ein: Pages und Keynote verrichten anständig ihren Dienst, bei Numbers kommt der Eindruck auf, als seien ältere Rechner bei der Programmierung gar nicht mehr berücksichtigt worden. Nicht nur iWork hat so seine Schwierigkeiten, auch die neue Version von iLife '08 und insbesondere die Komponenten iMovie macht PowerPC-Nutzer nicht gerade glücklich. Immerhin können Besitzer einer neuen iLife-Lizenz sich die 2006er-Version des iMovie-Programms(öffnet im neuen Fenster) herunterladen.

Wer an iWork interessiert ist, sollte zunächst die Demo-Version(öffnet im neuen Fenster) des Büropakets ausprobieren. Wer eine frühere iWork-Version installiert hat, sollte zudem beachten, dass die Toolbar der neuen Version sich an den vorher installierten Versionen orientiert, diese muss also eventuell erst zurückgesetzt werden. Außerdem speichert iWork in einer neuen Version ab, nach Ablauf der Demo lassen sich die erstellten Dateien nur noch betrachten; Pages 1.0.2 war nicht in der Lage, eine Datei, die von Pages 3 erstellt wurde, zu öffnen.

Apples iWork '08 ist bereits erhältlich und kostet 79,- Euro.

Fazit:
Um "mal eben" eine Tabelle anzulegen und dabei möglicherweise auf den Vorlagenfundus von iWork zuzugreifen, eignet sich Numbers hervorragend. Das hat die kleine Tabellenkalkulation mit Pages und Keynote gemein. Schade ist sicherlich, dass sich iWork nur auf Open XML, nicht jedoch auf OpenDocument versteht, aufwendigere Projekte nicht ohne Probleme möglich sind (Makros) und ein paar Fehler sowie ältere Rechner die Arbeit mit iWork erschweren. Der Office-Profi nutzt in Zukunft wohl weiterhin lieber OpenOffice.org (via X11) bzw. NeoOffice oder wartet auf Microsofts nächste Office-Version. Wer jedoch nur selten Tabellen für aufwendige Berechnungen nutzt und sie eher als Mittel der Ordnung nutzt, dem wird Numbers auch in der ersten Version gefallen.


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