Interview: Die Generation Internet in der Politik

Bloggende Grüne Julia Seeliger im Gespräch mit Maik Söhler

Internetfreiheit und Politikzwang, geht das zusammen? Ja - findet Julia Seeliger, Netzaktivistin und im Parteirat von Bündnis 90/Die Grünen. Maik Söhler sprach mit der grünen Bloggerin.

Artikel veröffentlicht am ,

Julia Seeliger, geb. 1979 in Nordheide, Niedersachsen, ist Politikerin und Bloggerin. Seit 2002 engagiert sie sich für Bündnis 90/Die Grünen, anfangs im Jugendverband, später in der Mutterpartei. Seit Dezember 2006 gehört sie auch dem Parteirat an, der den Bundesvorstand berät. Sie studiert Technikjournalismus an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg und schreibt gerade ihre Diplomarbeit über politisches Engagement im Internet. Sie ist leidenschaftliche Aktivistin für ein freies Internet und Bloggerin. Ihr Weblog Julia-Seeliger.de gehört zu den bestbesuchten Politikerblogs in Deutschland. Mittlerweile lebt Seeliger in Berlin. Zum Interview spazierten wir durch den Viktoria-Park in Berlin-Kreuzberg.

Maik Söhler: Frau Seeliger, Generationen von Politikern sind ohne das Internet ausgekommen. Wie wichtig ist das Netz für Ihre politische Arbeit?

Julia Seeliger: Früher muss es schlimm gewesen sein. Ohne Wikis, in denen jeder zeitunabhängig am gemeinsamen Projekt weiterarbeiten kann. Ohne Mailing-Listen, mit denen man viele Leute auf einmal auf dem Laufenden hält und umgekehrt. Früher hat man bestimmt wegen allem und jedem telefonieren oder sich persönlich treffen müssen - wie umständlich. Und teuer bestimmt auch noch.

Julia Seliger (Foto: Matthias Mehldau)
Julia Seliger (Foto: Matthias Mehldau)

Söhler: Vielleicht aber auch angenehm, ruhig, schön.

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Seeliger: Als ehemalige Schatzmeisterin der Grünen Jugend möchte ich betonen, dass es viel teurer gewesen sein muss. Heute können wir unsere politische Arbeit viel effektiver machen. Der Austausch ist einfach besser. Ich sehe da nur Vorteile, gerade für die bundesweite Vernetzung einer Partei.

Söhler: Bereuen Sie manchmal, dass Sie nicht schon vor 20 Jahren bei den Grünen sein konnten?

Seeliger: Ich wäre gerne dabei gewesen. Mehr Aktivismus, mehr Grundsatzstreit, mehr Basisdemokratie, eine größere politische Bandbreite - klingt spannend. Aber viel Mist wird es damals auch gegeben haben. Man sollte das nicht verklären.

Söhler: Vieles davon finden Sie jetzt im Netz wieder. Bei allen Einschränkungen sind in vielen Blogs, Foren und Sozialen Netzwerken Basisdemokratie, direkte Kommunikation und eine große Diskussionsbereitschaft zu erkennen.

Seeliger: Im Netz kann erstmal jeder ohne größere Einschränkungen seine Ansichten publizieren. Auch hier gibt es Regeln, bestimmte Äußerungen können strafrechtlich verfolgt werden. Aber im Prinzip kann man tun, was man will. Jeder kann sein eigenes Medium machen.

Söhler: Wie bringen Sie die Weiten und Freiheiten des Internet mit den Beschränkungen und Zwängen der Politik zusammen?

Seeliger: Freier Download gegen Geschäftsordnungsantrag, so etwas meinen Sie? Bestimmte Regeln finde ich okay, ich bin keine Anarchistin. Regeln machen Sinn, sie können Schwächere schützen, und selbst gegen Bürokratie habe ich erstmal nichts. Im Gegenteil schützt sie Menschen vor Willkür. Blöd wird es erst da, wo Ämtermissbrauch und Korruption ins Spiel kommen.

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fertig_mit_Kill... 31. Jul 2007

Satire ist was wunderbares :-)

CortoMaltese 30. Jul 2007

Na, mein junger Unionist, wenn Du Politik machen willst, muss es mit der Qualität der...

CortoMaltese 30. Jul 2007

Vermutlicher Grund, soso. Da ist ja wieder mit einem die Sachlichkeit durchgegangen. Ich...

CortoMaltese 30. Jul 2007

Ich komm aus dem Staunen nicht mehr raus in dieser Diskussion. Die ist doch wohl...



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