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Interview: Die Generation Internet in der Politik

Söhler: Und ein Blog betreiben Sie auch noch nebenher.

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Seeliger: Gerne sogar. Ich wollte ausprobieren, wie das geht. Es hat mich technisch interessiert, wie man was ins Netz stellt, wie HTML oder PHP funktionieren. Es ging aber auch ums Design. Entscheidend war die Neugier darauf, wie man mit einfachen Mitteln etwas Schönes ins Netz stellen kann. Erst später habe ich angefangen, über ein Konzept nachzudenken. Gerade als ich eins erstellen wollte, wurde ich in den Parteirat von Bündnis90/Die Grünen gewählt. Damit war das Konzept dann klar.

Söhler: Das verstehe ich nicht. Ein Blog und eine politische Position müssen ja nichts miteinander zu tun haben.

Seeliger: Doch. Es ist eben das Blog von Julia Seeliger. Und die ist nun mal in der Politik.

Julia Seliger
Julia Seliger

Söhler: Ein Dauerthema bei Ihnen sind Drogen. Sie behandeln das Thema politisch. Könnte man aber auch persönlich fassen.

Seeliger: Es wimmelt nur so von Blogs, in denen persönliche Geschichten erzählt werden. Das ist auch interessant. Sehr gerne mag ich diese kleinen Netzwerke von Mädchen, die noch zur Schule gehen und sich gegenseitig ständig in ihre Blogs reinkommentieren. Mein Ansatz ist das nicht. Warum sollte ich im Netz über Drogengebrauch schreiben? Interessiert das irgendwen? Würde Sie das interessieren?

Söhler: Ja.

Seeliger: Ich weiß nicht. Wenn überhaupt, dann nur anonym. Es könnte interessant sein, über Drogen und Sex zu berichten, aber nicht unter meinem Namen, da gibt es so viele Vorurteile. Bei kaum einem Thema wird verlogener argumentiert. Drogen nimmt fast jeder, denken Sie doch mal an Alkohol, ans Oktoberfest. Je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir: nein. Das geht niemanden etwas an.

Söhler: Wie hätte Ihr Blog ausgesehen, wenn Sie nicht in den Parteirat gewählt worden wären?

Seeliger: Entweder hätte ich etwas rund um das Thema "Wie ich in der Welt der freien Software überlebe" gemacht oder aber in Richtung Ernährung, Essen, Rezepte, ökologisch korrektes Leben. Nun matsche ich alles zusammen und werde auch noch einigermaßen gut gelesen.

Söhler: Ist es für Sie wichtig, wie viele Leute Ihr Blog lesen?

Seeliger: Nein, gar nicht. Schöner ist es, wenn viele Leute kommentieren. Das kann auch nerven. In letzter Zeit hat sich da oft ein Typ zu Wort gemeldet, bei dem ich dachte, oh, ist das jetzt mein erster Online-Stalker. Den habe ich nun aber mit ein paar Ansagen im Blog und mit persönlichen E-Mails dazu gebracht, dass er nicht mehr so viel Unsinn schreibt. Doch das sind Ausnahmen. Am Schönsten fände ich es, wenn möglichst viele Leute meine politischen Thesen und Ausführungen diskutierten.

Söhler: Mit ihren Thesen zum Ende der Monogamie und der bürgerlichen Kleinfamilie liefern sie steile Vorlagen. Wenn Sie so etwas schreiben, tummelt sich dann anschließend die halbe Junge Union in Ihrem Blog?

Seeliger: Ich habe gesagt, dass die Kleinfamilie nicht die einzig mögliche Form des Zusammenlebens sein sollte und dass man die gesellschaftlichen Realitäten endlich anerkennen soll. Schön wär's ja, wenn sich neue Besucher eingefunden hätten, um mit mir darüber zu diskutieren. Doch die meisten kommen nach wie vor über Google. Viele geben dort meinen Namen ein und stoßen dann auf mein Blog. Aber auch wer bei Google "Rosa Blumen" eingibt, hat gute Chancen, auf meiner Seite zu landen, weil ich mal ein Bild mit rosa Blumen veröffentlicht habe. Bei anderen wiederum ist es die Suchmaschinenanfrage mit dem Wort "Poppen" ...

Söhler: ... typisch Netz, Sex wird immer geklickt ...

Seeliger: ... nee, nee - ich verwende den Begriff nicht fürs Ficken. Ich habe im Blog nur gefragt, wer mir ein Plug-In zeigen kann, mit dem die Bilder schön aufpoppen.

Söhler: Aber die Junge Union kommt nicht.

Seeliger: Ich glaube schon, dass sie sich ansehen, was ich da mache. Aber sie kommentieren nur selten. Entweder die Debatte überfordert sie. Oder sie finden mich so schrecklich, dass sie nicht mit mir reden wollen. Oder sie sind meiner Meinung. Keine Ahnung. Vielleicht denken sie auch, ich würde ihre Kommentare sowieso löschen.

Söhler: Würden Sie?

Seeliger: Nein. Gelöscht wird nur, was grob beleidigend oder strafrechtlich relevant ist. Am Anfang gab es bei mir mehr Kommentare von Konservativen, das hat mit der Zeit nachgelassen.

 Interview: Die Generation Internet in der PolitikInterview: Die Generation Internet in der Politik 

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fertig_mit_Kill... 31. Jul 2007

Satire ist was wunderbares :-)

CortoMaltese 30. Jul 2007

Na, mein junger Unionist, wenn Du Politik machen willst, muss es mit der Qualität der...

CortoMaltese 30. Jul 2007

Vermutlicher Grund, soso. Da ist ja wieder mit einem die Sachlichkeit durchgegangen. Ich...

CortoMaltese 30. Jul 2007

Ich komm aus dem Staunen nicht mehr raus in dieser Diskussion. Die ist doch wohl...

CortoMaltese 30. Jul 2007

Erschreckend, wie naiv und gleichzeitig rechthaberisch intelligente Menschen sein...



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