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AMD Tech Day: Zwei neue Architekturen, Phenom mit 3 GHz

Neue Plattformen sollen den Kampf mit Intel aufnehmen. Traditionell hält AMD zur Mitte des Jahres seinen "Technology Analyst Day" ab. In Form von Präsentationen und Live-Demos gewährt das Unternehmen einen Einblick in gegenwärtige und künftige Entwicklungen. Ganz wie bei Intel sollen nun komplette Plattformen den Markt formen - seinen CPUs traut AMD dabei mehr zu, als bisher in den Gerüchteküchen ausgekocht wurde.
/ Nico Ernst
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So erwähnte AMDs Chef für Server und Workstations, Randy Allen, eher beiläufig man solle sich doch das ausgestellte System mit einem Phenom ansehen, das liefe bereits mit 3 GHz. Laut AMDs inoffizieller Roadmap sollen die K10-Kerne, allen voran der neue Opteron Barcelona, jedoch bis Ende 2007 maximal 2,5 GHz erreichen. An anderer Stelle erklärte Allen, die Fertigungsausbeute für die Barcelonas liege "über unseren Erwartungen" .

Nachdem die Taktfrequenzen - Allen bestätigte für die ersten Auslieferungen 2,3 GHz - in den vergangenen Wochen durchgesickert waren, war man in der Branche enttäuscht. Offenbar hat AMD mit dem K10-Design doch noch einige Reserven in der Hinterhand. Einen konkreten Termin für den Gaming-Prozessor Phenom , der auf dem für das dritte Quartal 2007 versprochenen Barcelona basiert, nannte AMD aber auch diesmal nicht.

Bei den weiteren Vorträgen ließ sich AMDs neuer Chef der Grafik-Abteilung, Rick Bergman, immerhin noch hinreißen, seine neue Gamer-Plattform für "verfügbar noch dieses Jahr" festzulegen. Mit dem sattsam bekannten Patch auf DirectX-10 für "Call of Juarez" führte man eine Plattform aus dem Quad-Core-Prozessor Phenom FX, 790G-Chipsatz und ganzen drei HD 2900 XT-Grafikkarten vor. Ein kurzer Blick in der Video-Übertragung auf den Rechner ließ nicht erkennen, ob dieser Monster-PC mit geschätzten 700 Watt Leistungsaufnahme unter Last noch mit Luftkühlung auskommt. Das Video des Call-of-Juarez-Benchmarks findet sich auch im Test der 2900 XT bei Golem.de.

Noch vor solch phenomenalem Stromverbrauch - das Wort "Klima" kam auf dem Tech Day kein einziges Mal vor - sollen aber die Barcelonas für mehr "Performance pro Watt" in Servern sorgen. Wie bereits berichtet, sieht sich AMD hier beim direkten Vergleich mit der gesamten Plattform dank CoolCore vor Intels aktuellen Xeons. Das Unternehmen bekräftigte, dass man auch wegen der Leistungsaufnahme der von Intel favorisierten FB-DIMMs noch mit den Barcelona-Nachfolgern "Budapest" und "Shanghai" beim integrierten DDR2-Controller bleiben werde.

Auf DDR3 wird erst 2009 gewechselt - dann aber mit radikal neuen CPU-Designs. Das bisher als " Fusion " bekannte Projekt der Integration von Grafik-Funktionen in den Prozessor heißt jetzt "M-Space". AMD hatte bereits angekündigt , dass dabei je nach Einsatzzweck mehr oder weniger CPU-Kerne oder Grafik-Einheiten auf einem Die vereint werden sollen. Zwei konkrete Designs befinden sich derzeit in Entwicklung. "Bulldozer" soll für alle Bereiche dienen, wo 10 bis 100 Watt elektrischer Leistung zur Verfügung stehen - also auch für kommende Desktop- und Server-CPUs. Mit Bulldozer soll auch ein direktes Interface für PCI-Express-2.0 integriert werden. Ist Bulldozer die Architektur, so heißt die erste Server-CPU aus dieser Linie vorerst "Sandtiger" - dass man in Deutschland nur nach den Daten leistungsfähige Systeme "Papiertiger" nennt, konnten AMDs hiesige PR-Mannen offenbar nicht rechtzeitig vermitteln. Vielleicht hat sich AMD eher vom "Sandtiger Shark" inspirieren lassen, einem kleineren Tigerhai.

Sandtiger soll 8 bis 16 Kerne Kerne samt einem Speichercontroller für DDR3 auf einem Die integrieren und in 45 Nanometern Strukturbreite gefertigt werden. Wie AMD auf dem Tech Day auch verriet, läuft die Entwicklung des 45-Nanometer-Prozesses in Dresden bereits wie geplant. Neben PCI-Express-2.0, das auch für virtualisierbare I/O-Funktionen dient, sind bei Sandtiger 4 statt bisher 3 HyperTransport-Links für die Kommunikation der CPU-Sockel untereinander geplant. Damit will AMD verstärkt in den Markt der 8-Sockel-System eindringen, bei den "4P-Systemen" mit 4 Sockeln sieht man sich aktuell schon führend.

Im Vergleich zu den erst kommenden Barcelonas soll Sandtiger nochmals eine Verdopplung der Rechenleistung pro Watt bringen. AMDs Chief Technology Officer (CTO) Phil Hester bekannte freimütig, dass das vor allem aus der höheren Anzahl der Kerne komme - aber auch aus effektiveren Virtualisierungsfunktionen. Für Sandtiger will sich AMD von den eingekauften ATI-Entwicklern auch erstmals wieder einen Server-Chipsatz bauen lassen.

Der zweite neue Kern in M-Space-Bauweise heißt "Bobcat", womit aber kein Tier, sondern eine kleinere Planierraupe als ein Bulldozer gemeint ist, erklärte Hester. Hier will AMD mit einem oder mehreren Rechenkernen, gepaart mit Grafik und I/O-Funktionen unter anderem den Markt der Set-Top-Boxen bedienen - die dann auch mit x86-Code programmiert werden können. Auf Nachfragen erklärte AMDs CTO, dass man sich damit "durchaus auch einen UMPC vorstellen könne" . Dazu muss die Leistungsaufnahme von Bobcat aber am unteren Ende der angepeilten 1 bis 10 Watt liegen.

Passend zu den Codenamen nach schwerem Baustellen-Gerät rief Phil Hester nun auch bei AMD die bei Intel schon seit 2004 gepflegte "Plattformierung" aus. Das wurde bereits mit der Notebook-Empfehlung " Puma " für 2008 begonnen, in Zukunft bekommen auch andere AMD-Pakete Namen als Plattform. So heißt beispielsweise das oben erwähnte Gaming-Ensemble mit Phenom, 790G und 2900-XT-Karten "Pinwheel", 2008 wird daraus "Cartwheel", und 2009 - dann schon mit Bulldozer-Prozessor - ist es ein "Copperhead". Quer durch die Präsentationen gab sich AMD aber immer Mühe, Offenheit gegenüber anderen Komponenten zu betonen. So betonte auch CEO Hector Ruiz, dem natürlich das Schlusswort gehörte, er habe sich bei seinem Firmeneintritt im Jahr 2000 "wie in den Tagen des AT&T-Monopols gefühlt" , womit er klar auf Intel anspielte. Inzwischen, so Ruiz, sei vor allem durch den Erfolg des Opteron Intels Vormachtstellung gebrochen.


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