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OLPC: Serienproduktion startet, Auslieferung ab Oktober 2007

Bildungs-Notebook für die dritte Welt als finale Beta-Version freigegeben. Die Initiative "One Laptop Per Child" (OLPC) steht kurz vor ihrem bisher größten Zwischenziel: Das Modell "XO" eines Bildungs-Notebooks ist fertig entwickelt, die Massenfertigung wird gestartet. Gegenüber früheren Versionen wurden nur Kleinigkeiten wie ein etwas schnellerer Prozessor geändert.
/ Nico Ernst
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Wie die OLPC mitteilt, ist das gegenwärtige Design auf Basis der Version "B4" des XO-Modells als tauglich für die Massenfertigung befunden worden, gegenüber Version B3 waren jedoch nur Kleinigkeiten zu ändern. In dieser vierten Beta-Version des OLPC-Rechners wurde unter anderem als CPU ein Geode LX-700 von AMD verbaut.

Gegenüber früheren Modellen vor der Version B3 kommt der LX-700 mit L2-Cache von 128 KByte daher, der L1-Cache wurde von nur 32 KByte für Befehle auf je 64 KByte für Befehle und Daten aufgestockt. Der kleinste Vertreter der LX-Familie unter den Geode-Prozessoren kommt auf 433 MHz internen Takt, der DDR-Speicher ist mit effektiv 333 MHz angebunden. Zwar liegt die maximale typische Leistungsaufnahme (TDP) laut AMD-Datenblatt bei 3,1 Watt, im Durchschnitt soll der Prozessor im Betrieb aber nur 1,3 Watt aufnehmen.

Neben der CPU ist nun auch der Rest der Komponenten des OLCP-XO endgültig festgelegt: Über eine Festplatte verfügt das kleine Notebook nicht, dafür stecken 1 GByte Flash-Speicher im Gerät. Das ist doppelt so viel wie bisher angekündigt wurde, was auch für den Hauptspeicher von nun 256 MByte gilt.

Angesichts moderner Windows-Notebooks mag das alles recht spartanisch erscheinen, bei einem aktuellen Herstellungspreis von 175,- US-Dollar für das XO ist die Ausstattung aber üppig. Zudem läuft auf dem Gerät ein modifiziertes Linux samt eigener Benutzeroberfläche 'Sugar' .

Der Software-Chef der OLPC, Walter Bender, hält die anhaltende Diskussion über die Kosten von Bildungs-Rechnern für am Ziel vorbei geführt. Um die Kosten gehe es nicht in erster Linie: "Die echte Debatte sollte nicht über die Kosten geführt werden, sie sollte sich um das Hardware-Design drehen. Ein Computer der für westliche Büroumgebungen gebaut wurde, ist schlicht nicht in der Lage den Bedingungen Stand zu halten, die sich in weiten Teilen Afrikas, Asiens und Südamerikas finden. Außerdem haben Kinder, die mit dem Lernen beschäftigt sind, ganz andere Anforderungen an ein Laptop als ein Büroarbeiter .

Die OLPC stellt in ihrer Ankündigung des Produktionsstarts folglich auch die Robustheit des Geräts heraus. Es soll sowohl im Regen als auch in einer Pfütze liegend funktionieren, die bisher oft belächelten ausklappbaren WLAN-Antennen dienen tatsächlich auch als Sturzbügel: Den Fall aus bis zu anderthalb Metern Höhe soll das Gerät überstehen. Angesichts der versprochen Akku-Laufzeit von bis zu 12 Stunden wird so mancher westliche Bürohengst neidisch – aber er könnte das sehr kleine Gerät mit dem 7,5-Zoll-Display und einer Gehäusebreite von 24,2 Zentimetern ohnehin kaum sinnvoll für seine tägliche Arbeit benutzen.

Derzeit wird laut der OLPC die Serienfertigung des Modells XO aufgenommen, ab Oktober 2007 sollen die Rechner dann ausgeliefert werden. Bisher betonte die Initiative stets, die Verbreitung mit Hilfsorganisationen und Regierungen gemeinsam vornehmen zu wollen – die letztlich die Geräte auch bezahlen sollen. Mit welchen Organisationen und in welchen Regionen das anfangs erfolgt, ist noch nicht bekannt.


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