Xen kommt in den Linux-Kernel
Der ursprünglich an der Universität Cambridge entwickelte Hypervisor Xen buhlt schon lange um die Integration in den offiziellen Linux-Kernel. Bereits Anfang 2005 stellte dann auch Andrew Morton, der zusammen mit Linus Torvalds die Entwicklung von Linux 2.6 leitet, in Aussicht, den Quellcode des Projektes schon bald aufzunehmen. Er hätte dies schon früher getan, doch der Quelltext müsse noch weiter "aufpoliert" werden, dann könne Xen aber in etwa vier Wochen in den Kernel gelangen, so Morton im Februar 2005.
Doch so schnell sollte es bei weitem nicht gehen, obwohl sich Red Hat im Herbst 2005 ebenfalls Xen annahm. Ein eigenes Team von Programmierern sollte den Quelltext soweit bearbeiten, dass Xen bereit für die Aufnahme in den Kernel sei.
Auf dem LinuxTag 2006 lag Andrew Morton dann nicht mehr so falsch: Xen käme auf jeden Fall innerhalb des nächsten Jahres in den Kernel, erzählte er damals Golem.de, monierte aber auch, dass die Xen-Entwickler nicht genügend Ressourcen in die notwendigen Anpassungen gesteckt hätten.
Nun hat es zumindest ein erster Teil der Virtualisierungstechnik geschafft: Linus Torvalds nahm verschiedene Patches auf(öffnet im neuen Fenster), die nun Teil des zu Linux 2.6.23 führenden Entwicklungszweiges sind. Noch ist dies aber wirklich nur ein Anfang, denn Linux lässt sich damit künftig direkt als Gastsystem in einer unpriviligierten Domäne (bei Xen "DomU" genannt) laufen. Diese dürfen nicht direkt auf die Hardware zugreifen. Die Domäne 0 (Dom0) hingegen – die den unprivilegierten Domänen Speicherplatz und Ähnliches zur Verfügung stellt – lässt sich auch weiterhin nur einem angepassten Kernel einrichten. Wann diese Teile des Hypervisors auch aufgenommen werden, bleibt abzuwarten. Offensichtlich fehlen aber auch für die DomU-Funktionen noch einige Patches um alle in letzter Zeit in Xen umgesetzten Funktionen nutzen zu können.
Während lange Zeit über die Integration von Xen gesprochen wurde, überholte mit KVM ein anderer Virtualisierungsansatz den Hypervisor und wurde bereits mit dem Kernel 2.6.20 ausgeliefert. Vorausgesetzt der Kernel läuft auf einem Prozessor mit Intel-VT- oder AMD-V-Technik, können mit KVM direkt Gastsysteme gestartet werden – durch die Hardware-Unterstützung auch unmodifizierte Systeme wie Windows.
Und auch bei KVM steht die Entwicklung keinesfalls still: Ebenfalls in den aktuellen Linux-Entwicklungszweig aufgenommen(öffnet im neuen Fenster) wurden eine Reihe von Patches, mit denen den Gästen beispielsweise mehrere CPUs zur Verfügung gestellt werden können. Passend zu KVM sollte auch in absehbarer Zeit der kleine Hypervisor Lguest(öffnet im neuen Fenster) in den Kernel gelangen. In Andrew Mortons Merge-Plan für 2.6.23(öffnet im neuen Fenster) war Lguest bereits enthalten.
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