Auf der Suche nach dem optimalen Urheberrecht

Jahrestagung der SERCI eröffnet

Wie lang sollte ein optimaler Urheberrechtsschutz dauern? Welche Rolle spielen Verwertungsgesellschaften? Mit diesen und weiteren Fragen befassen sich die in Berlin versammelten Mitglieder der Society for Economic Research on Copyright Issues (SERCI) auf ihrer Jahrtestagung 2007. Zur Eröffnung überwiegen die skeptischen Töne.

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Heute begann an der Humboldt-Universität in Berlin die Jahrestagung der SERCI. An zwei Tagen präsentieren und diskutieren Urheberrechtsexperten aus aller Welt die neuesten Forschungsergebnisse. Den Eröffnungsvortrag hielt Richard G. Lipsey von der Universität Vancouver (Kanada). Er schlug einen weiten Bogen über die Geschichte der Wissenschafts- und Technikentwicklung hin zu der Frage, welche Instrumente der Förderung von Fortschritt und Wachstum angemessen seien. Die wirtschaftliche Vorherrschaft des Westens seit dem ausgehenden Mittelalter schrieb Lipsey insbesondere der Integration der griechischen Philosophie und Wissenschaft sowie der Newtonschen Mechanik durch die korporative Institution der Universität zu. In der islamischen Welt und in China wäre das nicht gelungen, obwohl zumindest in den islamischen Ländern das Wissen der Griechen in Übersetzungen zur Verfügung stand.

Inhalt:
  1. Auf der Suche nach dem optimalen Urheberrecht
  2. Auf der Suche nach dem optimalen Urheberrecht

Der Unverträglichkeit von islamischem Glauben und aristotelischer Philosophie sei es geschuldet, so Lipsey weiter, dass die Wissenschaft an islamischen Universitäten nicht Fuß fassen konnte. In der Folge sei neues Wissen nicht "im institutionellen Gedächtnis von Universitäten" akkumuliert worden sondern vielmehr nach kurzer Zeit wieder verloren gegangen. In der "offenen Gesellschaft" des Westens habe dagegen die jahrhundertelange Akkumulation des Wissen und die darauf aufbauende, kontinuierliche Schaffung neuen Wissens das Wirtschaftswachstum befeuert.

Ausgehend von der Feststellung einer stetigen, "inkrementellen Entwicklung" neuen Wissens aus altem, neuer Technologien aus schon vorhandenen, stellte Lipsey die Frage nach geeigneten Modellen für die Förderung von Innovation. Er begann mit einer fundamentalen Kritik am neoklassischen Modell des "allgmeinen Gleichgewichts". Dieses sei nicht in der Lage, technologische Fortschritte und Wirtschaftswachstum hinreichend zu erklären. Viele Faktoren, die aus einer Wachstumsperspektive wünschenswert seien, würden im neoklassischen Modell als "Störungen" behandelt oder ganz ignoriert. Entsprechend seien die daraus abgeleiteten Instrumente zur Förderung des ökonomischen und technischen Fortschritts mit sehr vielen Problemen beladen.

Das bezog Lipsey ausdrücklich auch auf die Problematik des Urheberrechtsschutzes und Schutzrechte für geistiges Eigentum im Allgemeinen. Historisch gesehen, wären solche Schutzrechte oft erst nach den wichtigen Innovationen geschaffen worden. Lipsey wies darauf hin, dass ein Instrument wie das der staatlichen Forschungs- und Entwicklungsförderung bei der Entwicklung von "vorwettbewerblichen Technologien" in der Geschichte eine große Rolle gespielt hätte.

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