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Nintendo: Von Wii Fit bis Wii Zapper

Miyamoto lässt die Puppen tanzen. Der erste Tag des E3 Media Festivals begann mit der Pressekonferenz von Nintendo im Santa Monica Civic Auditorium. Die später noch thematisierte wuchtige Gestalt von Reggie Fils-Aime schiebt sich auf die Bühne – er ist President und COO von Nintendo Amerika und für seine markigen Sprüche bekannt. Dieses Mal startete er – wenig überraschend mit einem Wii-Avatar auf der Leinwand – mit den Worten: "My Name is Reggie. And I'm happy!"
/ Jens Ihlenfeld
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Von da an prasselt eine Erfolgsmeldung nach der anderen auf die vielen Hundert versammelten Fachleute ein: Seit der Veröffentlichung des Nintendo DS ist der Anteil der portablen Konsolen (im Vergleich zu allen Konsolen) von 30 Prozent im Jahr 2002 auf 50 Prozent im Jahr 2006 geklettert. Der Nintendo DS machte dabei 2006 23 Prozent des Gesamtkuchens aus. "Übrigens" , so Fils-Aime süffisant, "stellt den größten Teil der anderen 27 Prozent der Nintendo GBA!"

Ebenfalls Nintendo sei es zu verdanken, dass der Anteil älterer Spieler stetig steige – aus Nintendo-Sicht ist, wohlgemerkt, jeder "älter", der einen Führerschein hat: 2007 sei die Zielgruppe "18+" für 53 Prozent der Umsätze verantwortlich, während es 2005 noch 43 Prozent gewesen seien. Und während 2005 noch 78 Prozent der verkauften Videogame-Stückzahlen auf das Konto der Minderjährigen gegangen seien, werden es 2007 laut Nintendo nur noch 60 Prozent sein. Ergo, so die Botschaft an die versammelten Analysten und Journalisten: Nintendo hat den Markt kräftig erweitert! Die vor 33 Wochen gestartete Wii sei eine ebenso große Erfolgsgeschichte, zu deren 60 bereits erhältlichen Spielen im Fiskaljahr 2007 noch 100 weitere dazu kämen.

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Was dann folgte, empfanden wir als reichlich peinlich. Aber nicht, dass Fils-Aime den Wii Zapper vorstellte, eine Art Lightgun, die von kommenden Wii-Actionspielen wie Resident Evil – The Umbrella Chronicles, Medal of Honor oder Ghost Squad benutzt wird. Sondern, dass beim angekündigten Preis von knapp 20,- US-Dollar ein Raunen durch die Journalistenmenge ging. Dabei ist der Zapper nichts anderes als ein in China billig gefertigtes Plastikgestell, in das man sowohl den Wii Controller (vorn) als auch den Nunchuk (hinten, als Griff) einsteckt. Fast derselbe Effekt ließe sich mit einer Holzlatte und etwas Klebeband erreichen, es würde dann nur die "Schusstaste" (die anscheinend mechanisch auf den Zeigefinger-Knopf des Wii Controllers drückt) fehlen – und die Wii-Zapper-Demonstrationssoftware, die – vermutlich anhand von Mini-Spielen – zeigen soll was das Gestell ermöglicht.

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Als Nächstes versuchte Fils-Aime, die große Schwäche der Wii schönzureden: die Online-Fähigkeit. Bis vor kurzem gab es kein einziges Spiel, das man via Internetverbindung mit Freunden hätte spielen können. Nun wird verhalten nachgelegt: Das in den USA am 3. Dezember 2007 erscheinende Super Smash Bros. Brawl (Nintendo-Helden wie Zelda-Link kämpfen gegeneinander) hat ebenso einen Online-Modus zu bieten wie die Wii-Version von Guitar Hero III ("Online Battle of the Bands"). Vor allem lässt Nintendo im ersten Quartal 2008 eines seiner Schwergewichte auf die Wii los: Mario Kart Wii, das mit dem Wii Wheel (ein weiteres Stück weißes Plastik) zusammen verkauft wird und einen Online-Modus mit vermutlich 16 Spielern bietet.

Natürlich gab es auch diverse Neuankündigungen für Nintendo DS. Darunter waren Brain Age 2, bei dem man unter anderem bei Papier, Stein, Schere (Englisch: Paper & Scissors) absichtlich schlecht spielen muss. Das lang erwartete Zelda – Phantom Hourglass wurde mit neuen Spielszenen präsentiert, dabei fiel die indirekte Touchscreen-Steuerung auf: Wer zum Beispiel mit seinem Bumerang "Seilbrücken" über Abgründen auslöst, scheint mit seiner Figur am Ende der Flugsequenz automatisch drüber zu laufen.

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Auch zum DS gab es natürlich einige Erfolgsmeldungen – etwa "bislang 230 Millionen Game Connections" via DS Wifi, bevor ein neuer Wii Channel angekündigt wurde: "Check me Out". Damit kann man seine selbst kreierten Miis dem weltweiten Nintendo-Publikum vorstellen, das dann über sie abstimmt. Eine nette, wenn auch nicht weltbewegende Idee. Im Virtual-Games-Shop konnte Fils-Amie weltweit 5,6 Millionen kostenpflichtige Downloads verkünden, die Klassikerbibliothek ist in den USA bei mittlerweile 112 Titeln angelangt. Im nächsten Jahr sollen mit der Programmsuite WiiWare auch kleinere Entwicklerfirmen die Chance haben, neue Casual Games für den Wii-Shop zu programmieren.

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Wo aber blieb Miyamoto? Wir hatten ihn vor Beginn der Veranstaltung etwas geschafft in der ersten Reihe sitzen sehen, bevor er im Backstage-Bereich verschwand. Da war er also! Aber als Nächstes gab sich erst einmal Nintendo-Oberboss Satoru Iwata die Ehre.

Wie bei solchen Anlässen üblich, verkündete er im Wesentlichen, was für ein begeisterter Spieler er schon immer gewesen sei und dass er dank der in Japan bereits erhältlichen DS-Software Cooking Book ab und zu seine eigene Familie bekochen würde. Weiter ging’s mit einigen Produktvorführungen, darunter von Super Mario Galaxies.

Wii Balance Board und Wii Fit

Und dann war es so weit: Sympathie-Bolzen und Nintendo-Großerfinder Shigeru Miyamoto kündigte sich an – nachdem drei knackige Fitness-Trainer beiderlei Geschlechts Aufstellung bezogen hatten: Wii Fit heißt der nächste Großangriff auf den Massenmarkt. Wii Fit besteht im Prinzip aus einer "Balance Board" getauften Hardware, die für den linken und rechten Fuß getrennt die aktuelle Gewichtsbelastung misst.

E3 Wii Fit – Miyamoto vs. Fils-Amie
E3 Wii Fit – Miyamoto vs. Fils-Amie (00:44)

Dadurch kann das Gerät zum Beispiel Gewichtsverlagerungen messen und in Spielinformationen umwandeln; demonstriert wurde dies mit einem "Kopfball-Spiel", bei dem man die Bildschirmfigur durch das schnelle Beugen des eigenen Körpers nach links oder rechts steuert. Aber natürlich sind auch diverse Workout-Programme möglich – Nintendo will offensichtlich den Sportstudios kräftig Kunden wegnehmen.

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Schlussendlich taugt WiiFit auch zur schnöden Waage – wie Reggie Fils-Aime feststellen musste: Body-Mass-Index 26, was Wii Fit mit einem moppeligen Mii-Avatar bestrafte, sehr zur Freude der Anwesenden. "Ich habe schwere Kleider an, und ihr wisst ja, Muskeln wiegen schwerer als Fett" , verteidigte sich der Amerika-COO.

So endete eine an Produktvorstellungen reiche Präsentation mit einem Lacher – wobei wir uns trotzdem fragen, wieso Nintendo derart deutlich den Casual-Games-Bereich herausgehoben hat, dem deutlich mehr Zeit gewidmet wurde als den Core-Games. Einem unserer Kollegen verriet Miyamoto danach, dass er das gerne anders gehabt hätte, aber so sei halt die Vorgabe gewesen. [von Jörg Langer]


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